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Umkämpftes Finale

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Von: Thomas Roser

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Natasa Pirc Musar, liberale Anwältin, lag in Umfragen vor ihrem Konkurrenten Anze Logar.
Natasa Pirc Musar, liberale Anwältin, lag in Umfragen vor ihrem Konkurrenten Anze Logar. © Jure Makovec/afp

Die zweite Runde im Rennen um Sloweniens Präsidentenamt steht für eine Richtungswahl. Vor dem Kandidaten der rechten Oppositionspartei SDS steht laut Umfragen eine Anwältin, die sich seir Jahrzehnten für den Rechts- und Sozialstaat sowie die Menschenrechte einsetzt.

Verbiegen will sich die engagierte Bürgerrechtsaktivistin bei der anvisierten Übernahme von Sloweniens Präsidentenamt keineswegs. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setze sie sich bereits für den Rechts- und Sozialstaat sowie die Menschenrechte ein, betont die slowenische Anwältin Natasa Pirc Musar: „Ich stehe fest hinter diesen Werten und muss sie auch nicht anpassen, um Stimmen zu erhalten.“

Erstmals winkte einer Frau der Einzug in den Präsidentenpalast. Letzte vor der Stichwahl am Sonntag veröffentlichte Umfragen (erste Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor) sahen die von den linksliberalen Regierungsparteien unterstützte, aber parteilose Kandidatin mit drei bis sieben Prozent Vorsprung vor Ex-Außenminister Anze Logar von der rechten Oppositionspartei SDS.

Sie halte es für „angemessen“, wenn das Präsidentenamt von einer „Person ohne Parteibuch“ besetzt werde, hatte die frühere TV-Moderatorin immer wieder betont: Erst nach dem Ausscheiden der von ihnen nominierten Kandidaten in der ersten Wahlrunde vor drei Wochen hatten sich die Regierungsparteien für die Unterstützung der 54-Jährigen ausgesprochen. Mehr Mühe hatte hingegen ihr SDS-Konkurrent Logar, sich im Wahlkampf als potenzieller „Präsident aller Slowenen“ zu positionieren. Zwar ist es dem 46-jährigen Sieger der ersten Wahlrunde in den vergangenen Tagen geglückt, den Umfragerückstand auf die Favoritin Pirc Musar etwas zu verkleinern. Doch vor allem die Nähe zum umstrittenen SDS-Chef und Ex-Premier Janez Jansa machte ihm zu schaffen.

Während die beiden verbliebenen Kandidaten sich auch im Wahlkampffinale um einen betont korrekten Umgang bemühten, schlugen ihre prominentesten Fürsprecher wesentlich härtere Töne an. Premier Robert Golob von der grünliberalen GS orakelte, dass Slowenien bei einer Wahl von SDS-Kandidat Logar in die „dunkle Zeit“ der im April abgewählten Jansa-Regierung zurückfallen könnte. Umgekehrt warnte SDS-Chef Jansa mit Blick auf Pirc Musar vor einer „Steuer-Oasen-Mentalität“: SDS-nahe Medien hatten der früheren Datenschutzbeauftragten vorgeworfen, dass sie oder ihr Mann einen Teil ihres Vermögens in Steueroasen angelegt hätten.

Nach zwei Legislaturperioden wird der bisherige Amtsinhaber Borut Pahor im Dezember turnusgemäß sein Amt räumen. Wegen seiner sehr intensiven Nutzung der sozialen Medien war der Sozialdemokrat 2017 von „Politico“ zu „Europas Instagram-Präsident des Jahres“ gekürt worden. Kritiker:innen warfen dem beliebten „Sunnyboy“ Pahor indes einen Mangel an Inhalten vor.

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