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Spurensuche am Tatort des NSU-Mordes an Habil Kiliç in München im August 2001.

Beate Zschäpe verurteilt

Im Umfeld des NSU

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Die Bundesanwaltschaft ermittelt noch immer gegen mutmaßliche Helferinnen und Helfer des NSU. Aber kommt es je zur Anklage?

Es sind mehrere Filmschnipsel aus den Überwachungskameras überliefert, die das NSU-Kerntrio zeitweise an den Fenstern der Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße installiert hatte. Auf einigen dieser Schnipsel aus dem Jahr 2011 ist zu sehen, wie ein großgewachsener, etwas fülliger junger Mann den Briefkasten der Wohnung am Hauseingang öffnet und Post herausholt. Dann betritt er die Wohnung, in der Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt seit 2008 lebten, auch hierfür hat er einen eigenen Schlüssel. Von den drei Mietern wird er mit Umarmung und Küsschen begrüßt. Ein hilfsbereiter, guter Freund. Auf anderen Filmausschnitten ist eine dunkelhaarige Frau zu sehen, die mit ihren Kindern zu Besuch kommt. Beate Zschäpe begrüßt sie an der Tür mit Umarmung. Dann sieht man sie zusammen in den Garten gehen, die Kinder spielen.

Dass sowohl der Mann als auch die Frau aus den Überwachungsvideos nicht mit auf der Anklagebank im Münchner NSU-Prozess gesessen haben, verstehen die Anwälte der Nebenkläger bis heute nicht. „In RAF-Prozessen wären die beiden mindestens wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt worden“, meint einer der Anwälte ironisch. Im Fall des rechtsterroristischen NSU jedoch reicht es nicht einmal zu einer Anklage wegen Unterstützung einer Terrorgruppe – dabei hätte das NSU-Kerntrio ohne die beiden es deutlich schwerer gehabt, ein Leben im Untergrund zu führen und Verbrechen zu begehen.

Der Mann, Matthias D. aus Johanngeorgenstadt, hatte für das Trio die Wohnungen in Zwickau – ab 2001 in der Polenzstraße, ab 2008 in der Frühlingsstraße – gemietet. Sein Name stand jeweils am Klingelschild, er bezahlte die Miete und ließ sich das Geld dafür, das aus den Raubüberfällen stammte, bar geben. D. sagte in Vernehmungen, das Trio habe ihm sein alter Freund André E. aus Zwickau vermittelt. E. saß seit Mai 2013 zusammen mit Zschäpe auf der Anklagebank .

Hilfe durch Freunde

Dessen Frau Susann E. – die Frau aus den Filmen der Überwachungskameras – pflegte wie ihr Mann bis zur Selbstenttarnung des NSU am 4. November 2011 einen engen und freundschaftlichen Umgang mit dem Trio. Und wie E. half auch sie Zschäpe bei deren Flucht vor der Polizei, indem sie der Freundin Kleidung gab, als diese überstürzt die brennende Wohnung in der Frühlingsstraße verließ. Darüberhinaus lieh sie Zschäpe mehrfach ihre Identität, unter anderem für eine Bahncard, und half auch anderweitig dabei mit, dass die Anonymität des Trios nicht aufflog.

Sowohl gegen Matthias D. als auch gegen Susann E. führt die Bundesanwaltschaft seit 2011 Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Wie ernsthaft diese betrieben werden, ob sie je in eine Anklage münden werden, weiß niemand. Die Bundesanwaltschaft gibt dazu keine Auskunft, und auch den Prozessbeteiligten wird keine Akteneinsicht gewährt. 

Das Gleiche gilt für ein Ermittlungsverfahren, das sich gegen Unbekannt richtet. Eine Art Sammelverfahren, in dem alle Spuren und Hinweise gebündelt sind, die zu weiteren Mitgliedern und Unterstützern oder bisher unentdeckten Taten des NSU führen könnten. Welche Spuren in diesem Verfahren überhaupt verfolgt werden, weiß außerhalb der Bundesanwaltschaft niemand. 

Eine „Black Box“ sind auch weitere sieben noch laufende Verfahren, die die oberste deutsche Ermittlungsbehörde im NSU-Komplex gegen namentlich bekannte Beschuldigte führt. Wie auch Matthias D. und Susann E. wird diesen sieben Verdächtigen aus dem extrem rechten Milieu eine mögliche NSU-Unterstützung vorgeworfen. Dazu gehören etwa Mandy S. und Max-Florian B., die 1998 ein Paar waren und damals zu den ersten Kontakten des Trios nach dem Untertauchen gehörten. In Chemnitz versteckte B. die Drei in seiner Wohnung, später konnten sie gefälschte Papiere auf die Namen von S. und B. nutzen. Noch nach dem Umzug hielt B. eine Zeitlang Kontakt zu den Untergetauchten, besuchte sie in Zwickau. 

Weitere Beschuldigte sind Andrej K. aus Jena, der dort früher eine große Nummer in der Neonaziszene war, und Thomas St., mit dem Beate Zschäpe vor 1998 eine kurzzeitige Liebesbeziehung hatte. K. war in den Wochen nach dem Untertauchen einer der wenigen Verbindungsleute der Drei und sammelte für sie in der Szene Geld ein. St. wird von den Ermittlern zur Last gelegt, dem Trio eine Fluchtwohnung in Chemnitz besorgt zu haben. Außerdem soll er Mundlos und Böhnhardt bereits 1997 Sprengstoff übergeben haben, den diese zur Herstellung von Rohrbomben benutzten, die man Anfang 1998 in einer von ihnen als Bombenwerkstatt genutzten Garage in Jena fand.

Verfahren gegen „Blood-and-Honour“-Anführer 

Ebenfalls noch anhängig ist das Verfahren gegen Jan W., der Ende der 1990er Jahre Anführer der sächsischen „Blood-and-Honour“-Sektion war. Laut einem Bericht des Brandenburger V-Manns „Piatto“ war W. damals mit der Beschaffung einer Waffe für das Trio befasst. Zschäpe hatte in ihrer Einlassung vor Gericht ebenfalls behauptet, W. habe Mundlos eine Waffe verkauft. Deshalb ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen den Chemnitzer auch wegen des Anfangsverdachts der Beihilfe zum schweren Raub. 

Auf den Fortgang der beiden Ermittlungsverfahren gegen Pierre J. und Hermann Sch. schließlich dürfte auch der Verfassungsschutz ein besorgtes Auge werfen. In den Trümmern der ausgebrannten Wohnung in der Frühlingsstraße hatten die Ermittler Notizzettel mit den persönlichen Daten und Telefonnummern der beiden gefunden. Pierre J. betrieb in Zwickau einen Laden für PC-Spiele, Sch. war dort sein Angestellter. In dem Laden soll Mundlos als „Andreas“ verkehrt und von Sch. – so gibt es J. an – mehrere Waffen gekauft haben, darunter auch eine Pumpgun. Pierre J. will zudem von Sch. erfahren haben, dass „Andreas“ alias Mundlos den Inhaber eines rechten Szeneladens in Zwickau sehr gut kannte. Bei diesem handelte es sich um Ralf Marschner, der früher als V-Mann „Primus“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) die sächsische Neonaziszene ausspionierte. Nur über das Trio soll er angeblich nie berichtet haben, behauptet das BfV bis heute. Angeblich habe „Primus“ die Drei gar nicht gekannt.

Es gibt jedoch noch weitere Zeugenaussagen, die „Primus“ in die unmittelbare Nähe des Trios rücken. Dennoch gehört er nicht zu den Beschuldigten in den NSU-Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Das dürfte ganz im Interesse des Verfassungsschutzes liegen, der seinen seit 2007 in der Schweiz und Liechtenstein lebenden ehemaligen V-Mann offenbar bis heute betreut. 

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