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Ukrainische Truppen stoßen bei Cherson vor

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Eine Vorahnung? Chersons Siegessymbol der „ewigen Flamme“.
Eine Vorahnung? Chersons Siegessymbol der „ewigen Flamme“. © AFP

Angeblich Verteidigung der russischen Einheiten durchbrochen

Das Video zeigt den Helm, die Panzerweste und die blutverschmierte Wange eines schwer atmenden Soldaten, der auf dem Boden liegt: „Die Ukrainer feuern aus allem, woraus man feuern kann, sie haben die erste Abwehrlinie durchbrochen, schießen aus Panzern, Luftwaffe und Artillerie. 29. August.“ Dieses augenscheinlich von einem Russen gefilmten Video veröffentlichte am Montag die operative Gruppe Kachowka der ukrainischen Streitkräfte auf ihre Facebook.

In der Umgebung von Cherson, der einzigen ukrainischen Gebietshauptstadt, die die russischen Truppen besetzt halten, wurde am Montag offenbar heftig gekämpft. Der proukrainische Telegram-Kanal Chujowi Cherson veröffentlichte ein Video aus der Stadt, auf dem Rauchwolken über den Dächern aufsteigen und Geschützfeuer dröhnt. In einigen Stadtteilen fiel der Strom aus.

Auf einem anderen Video des Telegram-Kanals Ressentiment zeigen ukrainische Soldaten Kisten voller Munition und Panzerfäuste. Die hätten die Russen bei ihrer Flucht zurückgelassen.

Alle Brücken beschädigt

Die Pressestelle der Gruppierung Kachowka gab bekannt, die vorderste Front des Gegners sei aufgerissen, ein Regiment der Rebellenrepublik Donezk sowie die sie unterstützenden russischen Fallschirmtruppen hätten sich zurückgezogen. Nach Angaben des Kiewer TV-Kanals Hromadske wurde der Vorstoß und der Abzug der pro-russischen Gruppen von drei Quellen aus ukrainischen Einheiten an der Südfront bestätigt. Die Militärsprecherin Natalija Gumenjuk verkündete erst, in vielen Frontabschnitten der Südukraine hätten Angriffsoperationen begonnen.

Laut der Kachowka-Pressestelle hatten US-Himars-Raketenwerfen die Fahrbahnen praktisch aller Dnipro-Brücken im von Feind besetzten Teil der Region Cherson zerstört. Der Fluss sei nur noch für Fußgänger passierbar.

Cherson liegt am nordwestlichen Ufer des Dnipros, ohne Lkw-taugliche Brücken sind die russischen Truppen in der 280 000-Seelen-Stadt und ihrer Umgebung weitgehend vom Nachschub abgeschnitten. „Für die Ukraine ist das eine glänzende Möglichkeit, ihr Gebiet zurückholen“, heißt es auf der Kachowka-Facebook-Seite.

Die größte Dnipro-Brücke im Stadtteil Antoniwsk war schon vor mehreren Wochen schwer beschädigt worden, war für Kraftfahrzeuge kaum mehr nutzbar, das galt auch für eine zweite Brücke bei Nowa Kachowka, über 50 Kilometer weiter flussaufwärts. Nach Satellitenaufnahmen vom 27. August, die Radio Swoboda veröffentlichte, bauen die Russen in Antoniwsk an einer Pontonbrücke über den Fluss. Die Ukrainer griffen an, bevor dieser Behelf einsatzbereit war.

Der Moskauer Militärblogger Igor Strelkow berichtete bereits am Montagmorgen von heftigen Himars-Feuerüberfällen. „Offenbar haben sie viele dieser Raketen, sie sparen nicht, beschießen schon die Infanterie“. Der russische Telegramkanal Juschni Weter bestätigte später ukrainische Panzerangriffe und Himars-Salvenfeuer mit dem Ziel, die Streitkräfte Russlands am rechten Ufer des Dnipros zu isolieren.

Die russischen Staatsmedien ignorierten die ukrainische Offensive zunächst. „Noch ein Fake der ukrainischen Propaganda“, erklärte Sergej Aksjonow, Chef der annektierten Krim, im russischen Sozialnetz Vkontakte.

Mehr Panzer auf die Krim

In den vergangenen Wochen gab es im Raum Cherson, wie auch an den Fronten im Donbass, bei Charkiw und Saporischschja kaum Bewegung, beide Parteien graben sich offenbar ein.

Die russische Seite transportierte Ende vergangener Woche Panzer und schwere Geschütze per Bahn in Richtung Donbass und Krim, nach Einschätzung der Beobachtergruppe Conflict Intelligence Team handelt es sich um Gerät eines neu formierten Armeekorps, das im Donbass oder in der Region Saporischschja zum Einsatz kommen soll – oder nun bei Cherson benötigt.

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