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Ukrainer haben Angst vor Russlands vorherbestimmten Referenden

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Von: Niklas Kirk

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Wahlzettel zum Referendum in Ukraine
Ein Haken ist Antwort genug: Mit solchen Zetteln werden die Referenden in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine durchgeführt. © IMAGO / SNA

Noch bis Dienstag (26. September) lässt Russland die Referenden abhalten. Die einheimische Bevölkerung fürchtet durch die Ergebnisse weitere Repression.

Frankfurt – Nach nunmehr sieben Monaten des Ukraine-Kriegs befürchten viele Einwohner:innen in den von Russland besetzten Gebieten weitere Repressionen. Bereits vor Ende der aktuell durchgeführten Schein-Referenden kommt es aus Angst vor den Ergebnissen zu einer Fluchtbewegung in den besetzten Gebieten.

Die Angst bezieht sich darauf, gewaltsam zur Abstimmung gezwungen zu werden und im Falle eines von Russland gewünschten Ergebnis im schlimmsten Falle in die russische Armee eingezogen zu werden.

Russlands Referenden – Angst vor Einberufung in die russische Armee wächst

Auch der Gouverneur von Luhansk, Serhiy Haidai, der die Region bereits verlassen hat, weist auf die Gefahr hin, dass die Russen durch die Teilmobilmachung in Russland auch in den besetzten Gebieten in der Ukraine die Männer zum Militärdienst einziehen würden. „Die Russen benutzen dieses Pseudo-Referendum als Vorwand, für bewaffnete Leute, um Wohnungen zu besuchen und nach verbliebenen Männern zu suchen“.

Diese Sorge wird auch in der Zivilbevölkerung geteilt. Gegenüber dem britischen Independent äußert sich Petro Kobernik in einem Telefoninterview. Der 31-Jährige, der im südukrainischen Cherson zu Hause war, verließ die von Russland besetzte Stadt kurz vor Beginn der Abstimmung am Freitag. Die Aussicht, unter dem russischen Regime zu leben, und der eskalierende Krieg hätten ihn dazu bewogen.

Doch auch von anderer Seite droht den Einwohnern der Region laut Kobernik Gefahr. „Die Situation ändert sich schnell, und die Menschen fürchten, dass sie entweder vom russischen Militär oder von ukrainischen Guerillas und den vorrückenden ukrainischen Truppen angegriffen werden“.

Ein ähnliches Bild aus Angst und Verunsicherung zeichnet Marina Irkho, die sich ebenfalls per Telefon gegenüber dem Independent äußert: „Die Straßen sind leer, die Menschen bleiben zu Hause“, sagt die 38-jährige. „Niemand will, dass sie uns zu einem Teil Russlands erklären und unsere Männer zusammentreiben“. Laut ihr seien diejenigen, die aktiv für die Ukraine eintreten, geflüchtet oder untergetaucht. Viele der älteren Menschen, die in der Stadt verblieben sind, fühlten sich ebenso verängstigt.

Die ukrainischen Behörden wiesen die Bewohner der vier, zum Teil vollständig besetzten Regionen mit, dass ihnen bei Teilnahme an den Referenden strafrechtliche Verfolgung droht. Es wird ihnen geraten, die Regionen zu verlassen. Der so entstandene Druck von allen Seiten macht es der verbliebenen Bevölkerung in den Gebieten umso schwerer, sich korrekt zu verhalten, ohne sich in Gefahr zu bringen oder die Flucht zu ergreifen.

Schein-Referenden in der Ukraine – Besatzer geben sich siegessicher

Der von Russland eingesetzte Gouverneur in der Region Cherson, Wladimir Saldo, zeigt sich indes siegessicher. „Die Menschen warten darauf, sich Russland anzuschließen und wollen, dass dies so schnell wie möglich geschieht.“ teilte Saldo per Video-Botschaft mit. Auch die Versuche der ukrainischen Armee, die Abstimmungen militärisch zu stören, sieht er nicht als schwerwiegendes Problem.

Zwar müssten Sicherheitsfragen besprochen werden, aber man würde alles dafür tun, um die Abstimmung für Wählerinnen und Wähler, sowie die durchführenden Kräfte sicher zu gestalten. Die ukrainische Guerilla hat immer wieder Anschläge auf von Moskau eingesetzte Beamte in den besetzten Gebieten verübt.

Die Referenden, die von Kiew und seinen westlichen Verbündeten als manipuliert bezeichnet werden, finden seit Freitag (23. September) in den russisch kontrollierten Regionen Luhansk und Cherson sowie in den besetzten Gebieten der Regionen Donezk und Saporischschja statt. Sie werden weithin als Vorwand für eine Annexion angesehen, sodass zu erwarten ist, dass Moskau die Regionen schon bald als Bestandsteile der Russischen Föderation ansehen wird. (nki)

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