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Ukraine vor einer unruhigen Weihnacht

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Von: Peter Rutkowski

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Kurz vor Weihnachten wünschen sich viele Menschen in der Ukraine eine Waffenruhe. Die wird von russischer Seite jedoch abgelehnt.

Kiew – Erstmal zum Vokabular: Wenn die Waffen ruhen, schießen die Kriegsparteien für eine ausgehandelte kurze Zeit nicht aufeinander, an der Konfliktlage ändert sich nichts. Eine Feuerpause ist bestenfalls eine noch kürzere Waffenruhe, manchmal auch nur eine Pause, die eine Seite aus taktischen Gründen einlegt. Erst ein Waffenstillstand kann als Vorstufe zu einem Kriegsende dienen. Das ist in der Ukraine nicht absehbar.

Alltag im jetzt wieder ukrainischen Lyman. Viele Menschen im Land hätten unter dem Krieg so gelitten, dass sie nicht bereit seien, Russland Zugeständnisse zu machen, glauben Fachleute.
Auch zur Weihnachtszeit müssen die Menschen in der Ukraine die oft tödlichen Angriffe Russlands fürchten. © Anatolii Stepanov/afp

Am Mittwochabend verkündete Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, es gebe „keine Ruhe an der Front“, ein friedliches Weihnachten stehe „nicht auf der Agenda“. Also fliegen Kamikaze-Drohnen weiter nach Kiew und Cherson (und werden abgeschossen), liefern sich ukrainische und russische Artillerie zwischen Donbass und Schwarzem Meer Duelle, durch die immer zivile Strukturen pulverisiert werden, dauern die Schusswechsel zwischen den teils nur 100 Meter voneinander entfernten gegnerischen Stellungen in und um Bachmut an ... Niemand rechnet mit größeren Frontbewegungen, bis sich das vereiste Land wieder zu einer Schlammwüste erwärmt, aber die Zeit dahin bleibt weiter tödlich.

Krieg in der Weihnachtszeit wurde 1914 das einzige Mal unterbrochen

Und damit auch Weihnachten. Sei es nun der 25. Dezember oder der 7. Januar (der Unterschied zwischen julianischem und gregorianischem Kalender) – sicher ist, dass an beiden Tagen geschossen und sehr wahrscheinlich auch gestorben wird.

Waffenruhe zu Weihnachten ist aber weniger illusionär als das berüchtigte „Zu Weihnachten ist der Krieg vorbei“. 1914 vereinbarten kleine britische und deutsche Grabenabschnitte an der Westfront, sich im Niemandsland zu treffen, miteinander anzustoßen und Fußball zu spielen. Diese zutiefst menschliche Geste sollte sich danach nie mehr wiederholen. Nicht im Ersten und auch nicht im Zweiten Weltkrieg. Und der Ukraine-Krieg ist die Fortsetzung von Konflikten innerhalb dieser Waffengänge. (Peter Rutkowski)

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