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Im Schwarzen Meer kommt es zu einer erneuten Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine (Symbolbild).

Neue Konfrontation

Ukraine stoppt russischen Tanker im Schwarzen Meer

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Das russische Schiff hat eine Vorgeschichte, die der Ukraine sauer aufstößt. Moskau hat bereits auf die Festsetzung reagiert und droht der Ukraine mit Konsequenzen.

Kiew - Die ukrainischen Behörden haben in einem Hafen am Schwarzen Meer einen russischen Tanker festgesetzt und durchsucht. Die „Nika Spirit“ solle im vergangenen Jahr an der Blockade von drei ukrainischen Militärbooten vor der durch Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim beteiligt gewesen sein, teilten der ukrainische Geheimdienst SBU und die Militärstaatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Der Tanker befindet sich nun im ukrainischen Hafen von Ismajil in der Region Odessa. Er solle früher „Neyma“ geheißen haben. Die in Kertsch auf der Krim registrierte Besitzerfirma steht seit März 2019 auf einer Sanktionsliste der Ukraine. Angeblich sei der Tanker extra umbenannt worden.

Besatzungsmitglieder sollen verhört werden

Die ukrainischen Ermittler wollen nun Dokumente, Funkaufzeichnungen und Bordbücher von dem Zwischenfall suchen und die Besatzungsmitglieder verhören. Erwartet werde ein gerichtlicher Arrest des Schiffes als Beweismittel.

Der russische Grenzschutz hatte Ende November drei ukrainische Schiffe auf dem Weg vom Schwarzen ins Asowsche Meer mit 24 Besatzungsmitglieder gewaltsam gestoppt. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg ordnete im Mai die sofortige Freilassung der 24 Ukrainer an. Moskau will die Matrosen wegen Grenzverletzung bestrafen. Ihnen drohen bis zu sechs Jahren Gefängnis.

Russland spricht von Provokation

Russland nannte das aktuelle Vorgehen der Ukraine eine Provokation. Dies werde die Verhandlungen über die Freilassung der Matrosen erschweren, sagte Wladimir Dschabarow, ein Mitglied des Föderationsrates, der Agentur Interfax zufolge. Er vermutete dahinter „bestimmte Kreise“ in den Behörden des abgewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Dies ziele wohl darauf ab, die sich abzeichnende Normalisierung der Beziehungen unter dem neuen Präsidenten Wolodymyr Selenskij zu untergraben. 

Das Außenministerium in Moskau stellte klar: „Wir prüfen, was passiert ist, um angemessene Maßnahmen zu ergreifen.“ „Sollten Russen als Geiseln gehalten werden, würde dies als schwerste Verletzung internationalen Rechts erachtet, und mit zügigen Konsequenzen würde zu rechnen sein“, sagte der Sprecher weiter. Die Konsequenzen ließen nicht auf sich warten, hieß es in der Stellungnahme.

Zuletzt leichte Annäherung

Vor zwei Wochen hatte sich eine leichte Annäherung der seit der Krim-Annexion und dem Krieg in der Ost-Ukraine verfeindeten Regierungen in Kiew und Moskau angedeutet. Erstmals telefonierten der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander. 

Eine Woche später schlug Selenskyj Russland einen Gefangenenaustausch vor. Die russische Menschenrechtskommissarin Tatjana Moskalkowa wies das Angebot jedoch mit der Begründung zurück, dass der betroffene russische Gefangene, der Journalist Kirilo Wyschinski, einen Austausch ablehne.

Krim völkerrechtswidrig annektiert

Die ukrainische Krim-Halbinsel war im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland ins eigene Staatsgebiet eingegliedert worden. 

Die Regierung in Kiew und der Westen sehen dies als völkerrechtswidrige Annexion an und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Die EU und die USA verhängten wegen der Annexion Sanktionen gegen Moskau.

tom/afp/dpa

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