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Lebensmüde Soldaten im Ukraine-Krieg? „Sie kommen wie Zombies auf uns zugelaufen“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Ukraine-Krieg: Zwei ukrainische Soldaten stehen in der Nähe der Frontlinie (Symbolfoto).
Ukraine-Krieg: Zwei ukrainische Soldaten stehen in der Nähe der Frontlinie (Symbolfoto). © Roman Chop/dpa

Seit Monaten versucht die russische Gruppe Wagner, Bachmut in der Region Donezk zu stürmen. Ihre Leben scheinen den Angreifern längst egal zu sein.

Bachmut - Laut ukrainischen Soldat:innen zeigt sich der Irrsinn des russischen Überfalls auf die Ukraine bei Bachmut deutlich. Angeführt von der Wagner-Söldnergruppe versucht Russland dort seit Monaten die Stadt in der Donezk-Region vergeblich einzunehmen - obwohl die Stadt ihre strategische Bedeutung im Ukraine-Konflikt aktuell verloren hat. Minimale Geländegewinne stehen massiven russischen Verlusten gegenüber.

„Mit Nachtsichtgeräten können wir sehen, wie sie wie Zombies auf uns zukommen“, berichtet der ukrainische Soldat Jura dem finnischen Portal Iltalehti. Dessen Reporterin hatte die ukrainischen Verteidiger in Soledar besucht, einem Vorort nordöstlich von Bachmut. „Sie kommen einfach in großen Gruppen auf uns zu. Wenn wir anfangen zu schießen, versuchen sie nicht einmal, in Deckung zu gehen. Sie laufen einfach wie in Zeitlupe weiter“, schildert der Soldat der 93. motorisierten Infanterie-Brigade das Verhalten der Angreifer:innen.

Ukraine-Krieg: Russland erzielt kaum nennenswerte Durchbrüche bei Bachmut

Der Soldat vermutet, dass die russischen Angreifer:innen unter Drogeneinfluss stehen: „So verhält sich doch niemand. Sie ducken sich nicht, werfen sich nicht hin, wenn wir schießen - nichts.“ Dennoch sei die große Anzahl der Angreifer problematisch für die ukrainischen Streitkräfte. „Es werden immer mehr von ihnen. Sie haben den Durchbruch aus verschiedenen Richtungen versucht: von Norden her aus Isjum, dann aus der Richtung Mariupol, jetzt von Popasna her“, sagte kürzlich Wadym Skibitsky, der Vizechef des ukrainischen Militärgeheimdienstes gegenüber t-online.de.

Es sei ein verlustreicher Kampf, so Skibitsky: „Aber unsere Linien halten den Angriffen stand.“ Im Oktober gestand selbst Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin ein, dass seine Truppen kaum 200 Meter pro Tag an Bachmut herankamen. Nennenswerte Durchbrüche konnten sie auch seither nicht erzielen.

Trotzdem schicken die Befehlshaber Tag für Tag immer neue Gruppen von kaum bewaffneten oder ausgerüsteten Männern gegen die gut befestigten Stellungen der Ukrainer. Von bis zu 80 Angriffen täglich sprach der ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj Anfang November, meist nur mit einfachen Fußsoldaten: „Sie behandeln sie wie Einweg-Soldaten“, so der ukrainische Artillerist Wolodymyr in der Washington Post. Die Leidtragenden auf russischer Seite sind vor allem kürzlich mobilisierte Reservisten und Häftlinge, die die Wagner-Gruppe zu Tausenden in russischen Gefängnissen rekrutiert hat. (Jan Wendt)

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