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Russland-Experte warnt Westen: „Putin ist noch nicht am Ende“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Wladimir Putin, Präsident von Russland, beim Besuch eines militärischen Ausbildungszentrums des westlichen Militärbezirks für Reservisten in der Region Rjasan.
Wladimir Putin, Präsident von Russland, beim Besuch eines militärischen Ausbildungszentrums des westlichen Militärbezirks für Reservisten in der Region Rjasan. © Mikhail Klimentyev/dpa

Die westlichen Demokratien müssten als Einheit Putin gegenübertreten, fordert Historiker Karl Schlögel. Nur dann könne die Ukraine dem Angriffskrieg widerstehen.

Moskau - Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel hat die Bundesregierung davor gewarnt, sich im Ukraine-Konflikt von den wiederkehrenden Drohungen Russlands beeindrucken zu lassen. „Das ist meine größte Sorge - ob wir den Erpressungen nachgeben oder standhalten. Ob wir zusammenhalten oder uns auseinanderdividieren lassen“, sagte er im Gespräch mit Capital.

Für Wladimir Putin „eröffnen sich da neue Spielräume, auch bei unseren Wahlen. Er ist noch nicht am Ende“, so Schlögel. Dem Druck zu widerstehen, werde „nicht nur für die Ukraine entscheidend sein, sondern letztlich auch für die russische Bevölkerung“. Die russische Führung versucht immer wieder, die EU und Deutschland von Sanktionen gegen Moskau und Waffenlieferungen an die Ukraine abzubringen.

Ukraine-Krieg: Laut Schlögel hat Westen kaum Einfluss auf Russland

Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatte Schlögel, der als einer der besten Kenner Russlands und der Ukraine gilt, teils heftige Kritik an der deutschen Politik geübt. „Wir waren weder auf den russischen Angriff vorbereitet noch darauf, dass die Ukraine dem standhalten kann und nun in einigen Regionen die Initiative übernimmt. Die Devise ist also, dass wir auf alles gefasst sein sollten“, ergänzte der Historiker.

Mit Blick auf die innerrussische Entwicklung wandte sich Schlögel gegen die Hoffnung, der Westen könne darauf Einfluss nehmen. „Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass die interne Entwicklung Russlands von uns irgendwie gestaltet werden könnte“, sagte er. Wir haben wenig Einfluss auf das, was in Russland passiert. In den nächsten Jahren gehe es allenfalls um „eine Eindämmung Russlands“ - ein Konzept, das die USA nach dem Zweiten Weltkrieg auch gegenüber der Sowjetunion verfolgt hatten. Das Land befinde sich nach wie vor „inmitten der Auflösung eines Imperiums“, was den Umgang mit der russischen Führung umso schwieriger mache.

Die Ukraine hingegen sieht Schlögel auf einem Weg in Richtung EU, der sich in den vergangenen Jahren noch beschleunigt habe. „Die Ukraine ist seit 30 Jahren ein europäisches, offenes Land“, sagte er. „Ganz Europa ist voll von ukrainischen Arbeitern, ganz Oberitalien, Spanien oder auch Berlin.“ Die Vielzahl an Kontakten habe dazu geführt, dass die Rechtsverhältnisse und Routinen der EU vielen Ukrainern deutlich vertrauter seien als die von Russland bestimmte postsowjetische Welt. Es haben eine „informelle Europäisierung“ stattgefunden. (Jan Wendt)

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