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Zu wenig Soldaten im Ukraine-Krieg: Putin lockt Söldner mit Staatsbürgerschaft

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Von: Felix Durach

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Die russische Militärführung sucht weiter nach Soldaten. Dabei greift Moskau nun wohl zu neuen Anreizen – und wendet sich an nicht-russische Staatsbürger.

Moskau – Russlands Armee hatte im Ukraine-Krieg in den vergangenen Monaten immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. Die ausbleibenden Erfolge auf dem Schlachtfeld erhöhen zunehmend den Druck auf die russische Militärführung. Diese greift nun immer weiter zu verzweifelnd wirkenden Maßnahmen. Die Armee bietet nicht-russischen Staatsbürgern nun sogar den Erhalt der russischen Staatsbürgerschaft an, wenn diese sich für den Militärdienst melden.

Ukraine-News: Moskau bietet Kriegsfreiwilligen offenbar russische Staatsbürgerschaft an

Entsprechende Informationen verbreitete der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte in seinem täglichen Lagebericht auf Facebook. „Auf dem Territorium Russlands wird ausländischen Staatsbürgern, die Staatsbürger der russischen Föderation werden wollen, angeboten, sich freiwillig der feindlichen Armee anzuschließen und so automatisch die Staatsbürgerschaft zu erhalten“, hieß es in dem Lagebericht vom Montagabend. Die Informationen können nicht unabhängig überprüft werden.

Soldaten des 154. Preobraschenski-Regiments leisten ihren Eid in Moskau (Symbolbild).
Soldaten des 154. Preobraschenski-Regiments leisten ihren Eid in Moskau (Symbolbild). © Maksim Blinov/imago-images

Russlands Armee vor dem Umbau: Putin stockt die Truppe auf

Dieser Schritt könnte ebenfalls mit der von Präsident Wladimir Putin geforderten Aufstockung der russischen Truppenstärke zusammenhängen. Mit Verweis auf den andauernden Ukraine-Krieg hatte Kremlchef Wladimir Putin kurz vor Silvester angekündigt, die Zahl der Soldaten von 1,15 auf 1,5 Millionen zu erhöhen. Verteidigungsminister Sergei Schoigu hatte deshalb am Dienstagvormittag einen Umbau der russischen Armee angekündigt. Nur durch strukturelle Veränderungen der Streitkräfte sei es möglich, Russlands Sicherheit zu gewährleisten, sagte der Verteidigungsminister bei einer Sitzung des Verteidigungsministeriums.

Laut Schoigu sollen dazu nun zwei große Territorialeinheiten geschaffen werden, die mehrere Waffengattungen vereinen; der Moskauer und der Leningrader Wehrkreis. In den von Russland annektierten ukrainischen Gebieten sollen ebenfalls selbstständige Militäreinheiten aufgebaut werden. Daneben kündigte Schoigu die Aufstellung eines Armeekorps in der nordrussischen Teilrepublik Karelien an. Dies könnte eine Reaktion auf den geplanten Nato-Beitritt der skandinavischen Länder Schweden und Finnland sein.

Russische Rekrutierungsmethoden im Ukraine-Krieg: Wagner-Söldner aus dem Gefängnis

Die russischen Streitkräfte hatten bereits in den vergangenen Monaten wegen ihrer Rekrutierungstaktiken für Aufsehen gesorgt. So häuften sich die Berichte, dass die paramilitärische „Gruppe Wagner“ – die für Russland in der Ukraine kämpft – Söldner direkt aus russischen Gefängnissen rekrutieren soll. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hatte das Vorgehen bereits im September verteidigt und der russischen Bevölkerung die Schuld gegeben. „Entweder private militärische Firmen und Gefangene oder Eure Kinder – entscheidet selbst“, zitierten russische Medien „Putins Koch“.

Aus der russischen Bevölkerung heraus wurden vor allem im Rahmen der Teilmobilisierung im Herbst vergangenen Jahres Rekruten herangezogen. Insgesamt 300.000 Männer konnten nach russischen Angaben durch die Aktion für die russische Armee gewonnen werden. Eine Vielzahl an Männern im kampffähigen Alter ergriff jedoch nach der Bekanntgabe der Teilmobilisierung die Flucht ins Ausland. Gerüchten, wonach Moskau eine zweite Mobilisierungswelle planen würde, wies Putin zuletzt Anfang Dezember als falsch zurück.

Die russischen Streitkräfte hatten in den letzten Monaten seit dem Sommer 2022 immer mehr an Schwung auf dem Schlachtfeld in der Ukraine verloren. Erst in der vergangenen Woche konnte die Militärführung mit der Eroberung von Soledar wieder einen erfolgreichen offensiven Vorstoß melden. Der letzte Erfolg bis zu diesem Zeitpunkt war die Einnahme der Stadt Lyssytschansk Anfang Juli. (fd mit dpa)

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