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Prigoschin legt sich mit Russlands Establishment an - Hat er von Putin die „Lizenz zum Stören“?

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Von: Stephanie Munk

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Wagner-Chef Prigoschin nutzt den Ukraine-Krieg zur Profilierung - und spart dabei nicht mit Kritik am Kreml. Wie reagiert Putin?

Moskau/Soledar – Nutzt Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin den Ukraine-Krieg um sich mehr Einfluss in Russland zu sichern? Sogar Ambitionen auf das Präsidentenamt wurden ihm schon nachgesagt. Bei den aktuellen blutigen Kämpfen in Soledar und Bachmut steht der Söldner-Boss besonders im Rampenlicht: Er reklamiert den angeblichen Erfolg, Soledar unter russische Kontrolle gebracht zu haben, komplett für sich und seine Söldner und Ex-Strafgefangenen der „Gruppe Wagner“.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin nutzt den Ukraine-Krieg offenbar, um sich zu profilieren.
Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin nutzt den Ukraine-Krieg offenbar, um sich zu profilieren. © Imago

Ukraine-Krieg in Soledar: Prigoschin provoziert mit Nachricht

„Wagner-Einheiten haben die Kontrolle über das gesamte Gebiet von Soledar übernommen. Ich betone, dass keine anderen Einheiten als die Wagner-Kämpfer bei dem Angriff auf Soledar dabei waren“, teilte Prigoschin, bekannt auch unter dem Spitznamen „Putins Koch“, über seinen eigenen Pressedienst mit. Es gehe nun nur noch um eine „Säuberung“ des Gebiets von den Resten der ukrainischen Armee. Die Ukraine hat die Behauptung, Soledar sei von Russland eingenommen, zurückgewiesen. Auch der Kreml wollte die Einnahme Soledars noch nicht offiziell bestätigen.

Es sind nicht die ersten Lorbeeren, die Prigoschin im Ukraine-Krieg für sich einfahren will: Er beansprucht immer wieder entscheidende Kampferfolge für sich. Und macht dabei aus seiner Meinung, dass seine Kämpfer dem offiziellen russischen Militär weit überlegen sei, keinen Hehl. In jüngster Zeit scheint Prigoschin kaum mehr Gelegenheiten auszulassen, das russische Establishment alt aussehen zu lassen. Häufiges Opfer der Sticheleien ist dabei der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Prigoschin wettert gegen „Bürokraten“ - und meint damit wohl vor allem Schoigu

Laut einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN soll Prigoschin seinen Kämpfern in der Ukraine gesagt haben: „Sobald wir unsere interne Bürokratie und Korruption besiegt haben, werden wir die Ukrainer und die NATO besiegen.“ Das Problem sei aktuell, dass „die Bürokraten und diejenigen, die sich mit Korruption beschäftigen, jetzt nicht auf uns hören, weil sie zu Silvester alle Champagner trinken“. Damit sei vor allem Schoigu gemeint gewesen, schreibt CNN. Es gebe Streit zwischen den beiden, angeblich wegen lukrativer Militärverträge, die Prigoschin durch die Lappen gingen – und wegen Wagners umstrittener Rolle in Syrien.

Der russische Präsident Wladimir Putin (l) im Gespräch mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu.
Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) im Gespräch mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu. © MIKHAIL KLIMENTYEV/AFP

Sticheleien des Wagner-Chefs: Hat er die Lizenz von Putin?

Prigoschin stellt zudem das vermeintliche Potenzial seiner eigenen Kämpfer, die er offenbar großteils in Gefängnissen rekrutiert, immer wieder Kritik an den Kommandanten des offiziellen russischen Militärs gegenüber. So forderte er nach der russischen Niederlage bei Charkiw im September harsch, dass Russlands Kommandeure „barfuß mit Maschinengewehren an der vordersten Front“ kämpfen sollten.

Ob es Russlands Präsidenten Wladimir Putin schmeckt, dass der Söldner-Boss immer wieder Russlands Armee diskreditiert? Laut CNN könnte es Putin gar nicht mal ungelegen kommen: „In der Tat könnte der russische Führer es nützlich finden, jemanden zu haben, der dem militärischen Establishment auf den Fersen ist“, heißt es. Die Rede ist von einer von Putin erteilten „Lizenz zum Stören“, die auch Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow besitze.

Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladmir Putin © Aleksey Babushkin/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Auch Kadyrow fällt immer wieder durch aggressive Töne gegenüber Russlands Eliten, allen voran Schoigu, auf. Die US-Denkfabrik „Institute for the Study on War“ veranlasste dies im Oktober zu der Einschätzung, Putin halte sich die Option offen, Schoigu zum Sündenbock für die Niederlagen Russlands im Ukraine-Krieg zu machen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Putin seinem langjährigen Weggefährten Prigoschin treu bleibt: Putin hat offenbar persönlich Kriminelle für „Wagner“ begnadigt. (smu)

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