1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Dem Westen geht die Munition aus – bange Blicke nach Washington

Erstellt:

Von: Christian Stör

Kommentare

Die USA wollen weitere Waffen an die Ukraine liefern. Darunter auch 18 Artillerie-Raketensysteme (Himars). (Symbolbild)
Die Himars-Mehrfachraketenwerfer aus den USA haben einen großen Anteil am erfolgreichen Verteidigungskampf der Ukraine. (Symbolbild) © Kyodo News/imago

Der Ukraine-Krieg zehrt an den westlichen Munitionsvorräten. Viele europäische Nationen setzen auf amerikanische Waffen, um im Kriegsfall einsatzbereit zu sein.

Washington, D.C - Im Ukraine-Krieg stellt sich schon seit längerem die Frage, wie lange Russland die horrenden Verluste an Mensch und Material noch wird kompensieren können. Doch auch auf der Seite der Ukraine und ihrer Verbündeten sieht die Sache nicht viel anders aus.

Immerhin haben allein die USA laut einem Bericht des Verteidigungsministeriums mehr als eine Million Artilleriegeschosse an die Ukraine abgegeben. Und auch die europäischen Nationen haben die Verteidigungsbemühungen der Ukraine stetig unterstützt. Mithilfe der westlichen Waffen ist es den ukrainischen Streitkräften in den vergangenen Monaten gelungen, den russischen Aggressor am Boden in die Defensive zu drängen und verlorenes Terrain zurückzuerobern. Jetzt aber befürchten die ersten Nationen, dass sie bald nicht mehr genug Waffen für ihre eigene Selbstverteidigung haben werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press.

Waffenbestände in Europa sind begrenzt

Demnach geben die Auswirkungen des Krieges auf die amerikanischen Lagerbestände seit September Anlass zur Sorge. Damals ging es um die Frage, ob das US-Militär über genügend Munitionsvorräte verfügt, um in einem langwierigen konventionellen Krieg gegen eine Supermacht wie Russland oder China ausreichend helfen zu können. Noch gravierender trifft es kleinere Nationen wie Estland oder Litauen, die auf amerikanische Waffen angewiesen sind: Liefern sie weiterhin Waffen auch an die Ukraine, auf die Gefahr hin, dass ihre eigenen, kleineren Streitkräfte darunter leiden?

„Unsere Einschätzung ist, dass Russland seine Waffenbestände eher früher als später wiederherstellen wird“, sagte zum Beispiel der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur der Associated Press. „Wladimir Putin kann den Waffenherstellern einfach befehlen, rund um die Uhr zu produzieren.“ Pevkur machte klar, dass fast ein Drittel seines Verteidigungsbudgets derzeit für die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine aufgewendet werde.

Auch Deutschland steht vor einer ähnlichen Situation. „Ja, die Bestände der Bundeswehr sind begrenzt. So wie es in anderen europäischen Ländern der Fall ist“, heißt es in einer Mail des Verteidigungsministeriums an die AP. „Die genauen Lagerbestände kann ich Ihnen aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Wir arbeiten jedoch daran, die bestehenden Lücken zu schließen.“

Was machen die USA nach den Midterm-Wahlen im November?

Viel hängt letztlich von der Waffenproduktion der USA ab. Dort hatte sich US-Präsident Joe Biden zuletzt besorgt über die weitere militärische Unterstützung der Ukraine im Fall eines Sieges der Republikaner bei den Midterms in den USA gezeigt. „Das macht mir Sorgen“, sagte Biden am Donnerstag (20. Oktober). Der republikanische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, hatte zuvor signalisiert, dass seine Partei im Falle eines Wahlsieges bei den Ukraine-Hilfen auf die Bremse treten könnte.

Der oberste Republikaner im Senat, Mitch McConnell, erklärte dagegen, es liege im nationalen Sicherheitsinteresse Amerikas, klarzumachen, dass Staaten wie Russland oder China sich kleinere Nachbarn nicht einfach einverleiben könnten. Der Kongress habe die laufende Hilfe für die Ukraine mit einer überwältigenden überparteilichen Mehrheit genehmigt. Eine republikanische Mehrheit im Senat würde sich „darauf konzentrieren, die rechtzeitige Lieferung der benötigten Waffen und eine stärkere Unterstützung der Verbündeten für die Ukraine sicherzustellen“. (cs)

Auch interessant

Kommentare