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„Entführung und Folter“: Russland setzt wohl berüchtigte Spezialeinheit ein

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ukraine-Krieg
Das Logo der Berkut-Bereitschaftspolizei. (Archivfoto) © Sergei Malgavko / Imago Images

Im Ukraine-Krieg setzt Kreml-Chef Putin in den besetzten ukrainischen Gebieten offenbar die berüchtigte Spezialeinheit „Berkut“ ein.

Kiew/München - Im Ukraine-Krieg besetzen die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin Gebiete im Osten und Süden der Ukraine. Die gesamte Region Luhansk wurde von Russlands Militär eingenommen. Moskau will auch ganz Donezk unter Kontrolle bringen. In Cherson im Süden der Ukraine gibt es bereits Gedanken über ein Referendum zur Annexion.

Um die besetzten Gebiete auch tatsächlich fest unter russischer Kontrolle halten zu können, setzt der Kreml nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes die berüchtigte Spezialeinheit „Berkut“ ein. Die Aufgabe der Einheit: Das Zerschlagen von jeglichem Widerstand - wenn nötig mit Gewalt, berichtet merkur.de.

Ukraine-News: Kiew meldet Aktivität von Putins berüchtigter „Berkut“-Einheit in Cherson

In einer Mitteilung vom Montag (25. Juli) informierte der staatliche Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) über den aktuellen Stand der Geheimdienstaktivitäten an der südlichen Front. Dabei habe man mehrere Personen ausfindig gemacht, die sich dem pro-russischen Chersoner „Innenministerium“ angeschlossen hätten. Dabei handelt es sich um eine Institution, die nach der russischen Besatzung formiert wurde.

Laut der ukrainischen SBU zielt die „Pseudo-Formation“ darauf ab, den ukrainischen Widerstand in der Region Cherson zu zerschlagen und die Bürger der „vorübergehend besetzten Gebiete“ einzuschüchtern. Hierfür bediene man sich „massiver Unterdrückung, Verfolgung und illegaler Verhaftung von Bürgern“.

Genau an dieser Stelle kommt offenbar die Spezialeinheit „Berkut“ ins Spiel. Die Opfer der Aktivitäten dieser Einheit würden unter „psychologischer Erpressung, Gewalt und Morddrohungen“ leiden, so der ukrainische Geheimdienst. Daneben seien auch Entführungen und Fälle von Folter registriert worden. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig bestätigen.

Ukraine-News: „Berkut“-Spezialeinheit zog sich nach ukrainischer Revolution in die Krim zurück

In ihren Ursprüngen handelt es sich bei der Spezialeinheit „Berkut“ eigentlich nicht um eine russische, sondern ukrainische Truppe. Nach dem Fall der Sowjetunion wurde der 1988 gegründete sowjetische Vorgänger „Omon“ in der Ukraine in „Berkut“ umbenannt und 1992 neu gegründet. In jeder ukrainischen Region wurde eine „Berkut“-Einheit stationiert. Zwar lautete die anfängliche Aufgabe die Bekämpfung von organisierter Kriminalität, doch allmählich wurde „Berkut“ zu einer Art Bereitschaftspolizei zur Unterdrückung von Demonstrationen.

Ihre Intervention bei den Euromaidan-Protesten in 2014 sorgte für großen Aufschrei. Mit Knüppeln, Tränengas und Gummigeschossen gingen „Berkut“-Mitglieder gewaltsam gegen Demonstranten vor und nahmen den gestürzten Präsident Wiktor Janukowitsch bis zum letzten Moment in Schutz. Bis heute wird die Truppe für den Tod von zahlreichen Zivilisten bei den Demonstrationen verantwortlich gemacht.

Nach der Revolution wurde „Berkut“ vom ukrainischen Innenministerium aufgelöst. Die verbleibenden Mitglieder der Einheit zogen sich in die von Russland annektierte Krim zurück und wurden dort nach einem Bericht des Magazins Spiegel mit Blumen empfangen. Außerdem entschuldigten sie sich: Nicht für Gewalttaten, sondern für die Niederlagen gegen „Faschisten, die wir nicht aufhalten konnten“. Bereits im März nutzte Russland wohl die Omon-Truppen in der Ukraine. (bb)

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