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„Die Wahrheit gewinnt immer“: Selenskyj bedankt sich auf Deutsch

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj richtet sich inmitten des Ukraine-Kriegs direkt an Deutschland.

Kiew – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich mit einem Post auf dem Kurznachrichtendienst Twitter explizit an Deutschland gewendet. Dabei schrieb er nicht wie gewohnt auf Ukrainisch oder Englisch, sondern auf Deutsch. Zuvor hatte der Bundestag die vor 90 Jahren gezielt herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine offiziell als Völkermord anerkannt.

Der Staatschef des kriegsgeplagten Landes teilte am Mittwochabend (30. November) mit: „Deutschland hat den Holodomor von 1932-1933 als Völkermord anerkannt. Ich danke den Mitglieder*innen des Bundestages für diese historische Entscheidung. Die Wahrheit gewinnt immer.“

Ukraine-Krieg: Bundestag bezeichnet Holodomor als Völkermord

Mit großer Mehrheit billigten die Bundestagsabgeordneten einen gemeinsamen Antrag von Ampel-Koalition und Unionsfraktion, in dem von einem „menschenverachtenden Verbrechen“ die Rede ist. Unter der Verantwortung des sowjetischen Diktators Josef Stalin waren dem sogenannten Holodomor („Mord durch Hunger“) in den Jahren 1932 und 1933 allein in der Ukraine bis zu vier Millionen Menschen zum Opfer gefallen.

Das Streben der sowjetischen Führung nach einer Kontrolle der Bauern sei damals mit der Unterdrückung der ukrainischen Lebensweise, Sprache und Kultur verschmolzen, heißt es in der Bundestags-Drucksache. „Damit liegt aus heutiger Perspektive eine historisch-politische Einordnung als Völkermord nahe. Der Deutsche Bundestag teilt eine solche Einordnung.“

Wolodymyr Selenskyj ist aktuell im Ukraine-Krieg nicht an Verhandlungen mit Russland interessiert.
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. (Archivbild) © Ukraine Presidency/dpa

„Interfraktionell eint uns der Wunsch, zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen“, erklärte der Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe, Robin Wagener (Grüne). „Mit unserem Antrag setzen wir uns mit der brutalen Wahrheit stalinistischer Gewalt auseinander – nicht um die deutschen Verbrechen in der Sowjetunion zu relativieren, sondern um aus der historischen Wahrheit zu lernen.“

Abstimmung zur Ukraine: AfD und Linke enthalten sich

Auch der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Michael Brand (CDU), erinnerte an die deutsche Rolle im Zweiten Weltkrieg: „Gerade wir Deutschen stehen hier in einer besonderen historischen Schuld und Verantwortung gegenüber der Ukraine.“

In der Bundestagsdebatte verurteilten alle Fraktionen den Holodomor, doch die AfD und die Linke enthielten sich bei der Abstimmung über den Antrag. Der AfD-Abgeordnete Marc Jongen sprach von einer „Instrumentalisierung der Geschichte“ und wandte sich gegen eine „historische Gleichsetzung“ mit dem heutigen Ukraine-Krieg. Gregor Gysi von der Linken warnte zudem vor einer möglichen Gleichsetzung von Adolf Hitler und Josef Stalin: „Stalin war schlimm, sehr schlimm, aber kein Hitler.“ (tvd/dpa)

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