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Wagner-Chef will Gleichberechtigung für Frauen – auch an der Front

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Von: Daniel Dillmann

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Geht es nach Jewgeni Prigoschin, dann sollte das Geschlecht keine Rolle spielen bei der Frage, wer für Moskau in der Ukraine stirbt.

Moskau – Nach mehr als 300 Tagen ist noch immer kein Ende im Ukraine-Krieg in Sicht. An vielen Orten toben erbitterte Kämpfe um strategisch wichtige Positionen. Die Verluste Russlands steigen stetig, der Nachschub an Material und Personal gestaltet sich für die Militärführung in Moskau zunehmend schwierig. Um dem zu begegnen, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin eine erste Mobilisierung gestartet und außerdem Gefängnisinsassen aus den Haftanstalten befreit, wenn sie sich bereit erklärten, für Russland in der Ukraine zu kämpfen.

Viele der rekrutierten Kriminellen wurden der sogenannten Wagner-Gruppe unterstellt - eine berüchtigte Söldner-Armee, die Putin bereits in Teilen Afrikas und in Tschetschenien eingesetzt hatte. Leiter der Wagner-Gruppe ist Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, ein russischer Unternehmer, der in der Gastronomie Millionen verdiente und wegen seiner Nähe zum russischen Präsidenten den Spitznamen „Putins Koch“ trägt. Um dem immer größeren Schwund an Soldaten zu begegnen, schlug Prigoschin nun vor, auch Frauen aus Russlands Gefängnissen für den Ukraine-Konflikt zu rekrutieren. Das sagte Prigoschin laut einer Pressemitteilung, über die das Nachrichtenportal Moscow Times berichtete.

Russland schickt kriminelle Männer in die Ukraine - bald auch Frauen?

Frauen könnten laut Prigoschin „nicht nur als Krankenpflegerinnen oder Funkerinnen dienen, sondern auch [als Teil von] Sabotagegruppen oder in Scharfschützeneinheiten“. Er engagiere sich seit langem für den vielseitigen Kampfeinsatz von Frauen vor allem im Ukraine-Konflikt. „Es gibt da noch Widerstände, aber ich denke, wir werden es schaffen“, so Prigoschin.

Russische Rekrutinnen bei einer Militärparade in Moskau im Jahr 2016.
Russische Rekrutinnen bei einer Militärparade in Moskau im Jahr 2016. © NATALIA KOLESNIKOVA/AFP

Die Erklärung des Wagner-Chefs kam kurz nachdem Vyacheslav Vegner, ein Abgeordneter der russischen Duma aus Swerdlowsk, in einem Brief an den Kreml vorgeschlagen hatte, neben Männern auch Frauen aus den Gefängnissen seiner Region zu rekrutieren. Bereits vor Monaten hatte Russland damit begonnen, Kriminellen und Gefängnisinsassen Angebote zu unterbreiten: Wer sich bereit erklärt, sechs Monate in der Ukraine zu kämpfen, der muss danach nicht wieder ins Gefängnis, sondern ist ein freier Mann. Oder eben eine freie Frau.

Russland: Mehr als 40.000 Frauen dienen in der Armee

Laut der Menschenrechtsaktivistin Olga Romanova sollen bislang 35.000 Männer dem Ruf gefolgt sein. Das sagte Romanova in einem Interview mit dem Radiosender Voice of America. Auch der inhaftierte russische Oppositionelle Alexei Nawalny berichtete bereits von russischen Militärs, die auf der Suche nach Rekruten in seinem Gefängnis vorbeigeschaut hätten. „Rund 80 bis 90 Leute erklärten sich bereit, in den Krieg zu ziehen“, twitterte das Team Nawalnys.

Frauen im Militärdienst, das ist für Russland nichts Neues. Eine Studie des US-amerikanischen Instituts Center for Strategic & International Studies aus dem Jahr 2020 ergab, dass rund 41.000 Frauen in Russlands Armee dienen. (diln)

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