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Russlands Staats-TV: Wovor die Eliten Angst haben

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Von: Tim Vincent Dicke

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RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan im Staatsfernsehen
RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan beschreibt Russlands Eliten im Staatsfernsehen als „höflich und manchmal sanftmütig“. © Julia Davis/Russian Media Monitor (Screenshot)

In Russlands Staats-TV wächst die Sorge vor einer Niederlage im Ukraine-Krieg. Doch im Notfall könne man auch die Welt in „Schutt und Asche“ bomben.

Moskau – Seit Monaten feuert das russische Staatsfernsehen die Kämpfe in der Ukraine an. Bekannte TV-Persönlichkeiten und Gäste in Talkshows rechtfertigen den Kurs von Kreml-Chef Wladimir Putin sowie die Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung mit einem Kampf gegen den angeblich „satanischen“ Westen, der Russland zerstören wolle. Da die russischen Truppen aber weiterhin keine größeren Erfolge erzielen können, wachsen die Sorgenfalten vor einer Niederlage und allen daraus resultierenden Konsequenzen.

Das zeigt nun eindrucksvoll eine Aufnahme aus der Talkshow von dem als „Putins Stimme“ bekannten Moderator Wladimir Solowjow, die auf dem russischen Staatssender Rossija 1 ausgestrahlt wird. Darin äußert Margarita Simonjan, Chefredakteurin des Auslandssenders RT, dass bei den Eliten die Sorge wachse, dass Unterstützer:innen des Ukraine-Kriegs vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag landen.

Russlands Staats-TV rechtfertigt Bombardierungen im Ukraine-Krieg

Der Clip wurde von der Russland-Expertin Julia Davis auf Twitter hochgeladen. Die Journalistin ist Gründerin des Russian Media Monitor, auf dem sie Beiträge aus den kremltreuen Medien übersetzt und analysiert. Innerhalb kurzer Zeit erreichte das Video auf dem Kurznachrichtendienst mehrere Hunderttausend Aufrufe.

Zunächst rechtfertigt RT-Chefin Simonjan die russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur der Ukraine, die nur ein Ziel haben: Die Moral der ukrainischen Zivilbevölkerung durch ausbleibenden Strom und Kälte brechen. „Wir bomben jeden Tag. Wir bombardieren die Infrastruktur. Gott weiß, dass wir das nicht machen wollten. Niemand wollte das, du und ich haben das nicht gewollt“, sagt sie Richtung Solowjow.

Auch Putin und dessen Administration hätten diese Strategie nicht wohlwollend gewählt. Allerdings sei die Zerstörung von Kraftwerken und Stromleitungen „das Einzige, was wir in dieser Situation tun können.“ Schließlich mache sich die Ukraine bereit, die besetzte Krim zu „holen“ – Russland sieht die Halbinsel seit der völkerrechtswidrigen Annexion im Jahr 2014 als eigenes Staatsgebiet an.

RT-Chefin mit wütender Tirade gegen Russlands Eliten

„Wir sind freundlich, höflich und manchmal sanftmütig“, beschreibt Simonjan mit einer Prise Zynismus sich selbst sowie die russischen Eliten in Politik, Wirtschaft und Medien. In verschwörerisch wirkendem Tonfall und mit bizarrer Handbewegung wirft Solowjow ein, dass man auch „vertrauenswürdig“ sei.

Dann startet Simonjan eine wütende Tirade gegen Personen innerhalb der Eliten, die sich vor Den Haag sorgen würden. „Wir sollten uns nicht weniger darum kümmern, was die da drüben denken“, sagt sie, bevor sie erklärt, was sie mit den Menschen „da drüben“ meint. „Menschen, die Angst vor Den Haag haben“, sollten vielmehr Sorgen davor haben, „zu verlieren, gedemütigt zu werden und ihr Volk zu verraten“.

Ukraine-Krieg: Im Notfall hilft die Atombombe aus

Sollte Russland den Ukraine-Konflikt verlieren, würde der Westen alle vor den Gerichtshof zerren, so das Narrativ der RT-Chefin. Selbst den „Straßenkehrer, der das Kopfsteinpflaster hinter dem Kreml fegt.“ Solowjow wirft ein, dass Russland sowieso die ganze Welt mit in den Abgrund ziehe, sollte der Krieg nicht gewonnen werden. „Wenn das passiert, wird es kein Den Haag geben. Dann gibt es gar nichts mehr. Die ganze Welt wird in Schutt und Asche liegen“, wettert der Propagandist.

Zuvor hatte „Putins Stimme“ eindringlich vor einer Kriegsniederlage gewarnt. Der Sieg müsse her, koste es, was es wolle, sagte er in einer Sendung. „Anderenfalls hören wir auf zu existieren. Es gibt dann keine russische Kultur, keine russische Sprache und keine russischen Menschen mehr“, so Solowjow. (tvd)

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