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Russlands Staats-TV fordert internationale Militärhilfe: „Wir sind ganz alleine“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Wladimir Solowjow
Wladimir Solowjow fordert vom Militärbündnis OVKS Unterstützung für Russland – doch von dort komme nichts, klagt der Putin-Vertraute. © Julia Davis/Russian Media Monitor (Screenshot)

Das staatliche russische TV sieht Russland als Opfer. „Wir sind ein benachteiligtes Land“, heißt es in der Sendung von „Putins Stimme“ Solowjow.

Moskau – Der Verlust von Cherson ist für die russische Führung ein schwerer Schlag. Als Russland die südukrainische Stadt besetzte, versprach es all seinen Bürger:innen sie niemals wieder zu verlassen: „für immer Russland“, so das Narrativ. In den Staatsmedien versucht man, die Niederlage schönzureden – doch das gelingt nicht glaubwürdig.

Wie schlecht die Stimmung im Staats-TV ist, zeigt ein Ausschnitt, den die Journalistin und Russland-Expertin Julia Davis am Montag (14. November) auf Twitter gepostet hat. In dem Clip spricht der als „Putins Stimme“ bekannte Propagandist Wladimir Solowjow mit Gästen über die aktuelle Lage im Ukraine-Konflikt, die für Kreml-Chef Wladimir Putin gar nicht mehr so „großartig“ sei. Mehr als 350.000 Menschen haben sich das Video bisher angeschaut.

Russlands Staats-TV klagt über Situation im Ukraine-Krieg

Zunächst beklagt sich Solowjow darüber, dass Russland keine Hilfe von der „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“ (OVKS) bekomme. Dabei handelt es sich um ein Militärbündnis, das russisch dominiert ist. Mitgliedstaaten sind unter anderem Belarus, Kasachstan und Armenien. „Unser Gebiet ist überfallen worden. Saporischschja, Luhansk, die Region Cherson“, klagt Solowjow. Hintergrund: Die Russische Föderation hat die Gebiete am 30. September annektiert und sieht diese als eigenes Staatsgebiet an.

„Wo ist die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit? Wo sind die OVKS-Kräfte?“, führt der TV-Mann aus. Wenn die anderen OVKS-Staaten etwas wollten, würde Russland sofort Taten walten lassen. Wenn das Riesenreich sich selbst in einer misslichen Lage befinde, würde niemand zur Hilfe eilen, erklärt der prominente Moderator. Dann hieße es ständig: „Nein, Leute, nein.“

Der ultrakonservative Politiker Sergej Kurginjan, der als Gast in die Talkshow des Senders Rossija 1 eingeladen ist, antwortet: „Wir sind ganz alleine.“ Dann beschreibt er die Lage rund um Cherson. „Wenn alles großartig ist, warum zum Teufel ziehen wir uns dann aus den Gebieten zurück, die bereits Teil der Russischen Föderation sind?“, erregt sich Kurginjan. Trotzdem sei Russlands Situation im Ukraine-Krieg nicht „so schrecklich, wie es der ukrainische Feind und die westlichen Medien darzustellen versuchen“.

Russland „ein benachteiligtes Land“ – nicht nur Ukraine ein Feind

Kurginjan sieht Russland als Opfer. „Wir sind ein benachteiligtes Land, wir sind ein territorial benachteiligtes Land.“ Seine Heimat sei umzingelt von Nachbarn, „die mit großem Appetit auf unser Territorium und auf alles, was wir haben, blicken“, fabuliert der Politiker. Putin sei in den „großen konventionellen Krieg“ gegen die Ukraine gezwungen worden, er hätte eigentlich gar nicht stattfinden dürfen.

Daraufhin schaltet sich wieder Solowjow ein. „Aber wir werden trotzdem nach Cherson zurückkehren müssen, und nicht nur nach Cherson. Die Ukraine muss so oder so befreit werden.“ Damit das möglich werden könne, müsse Russland Fehler aufarbeiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Er fordert bedingungslose Treue gegenüber Putin. „Wir müssen uns vorbereiten und die von unserem Oberbefehlshaber gestellte Aufgabe erfüllen“, so der Propagandist. (tvd)

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