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Sanktionen gegen Russland: „Wirtschaftskrieg“ beschert Putin neue Fans

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Von: Katja Thorwarth

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Wegen der Sanktionen gegen Kreml-Chef Putin wegen des Ukraine-Kriegs sammelt sich die Bevölkerung teils hinter ihm.
Wegen der Sanktionen gegen Kreml-Chef Putin wegen des Ukraine-Kriegs sammelt sich die Bevölkerung teils hinter ihm. © Mikhail Klimentyev/Imago Images

Im Kontext des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wird Russland mit Sanktionen belegt. Die eher pro-westliche Elite fühlt sich dadurch ungerecht behandelt.

Moskau – Mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat die EU gemeinsam mit ihren internationalen Partnern massive Sanktionen gegen Russland verhängt. Betroffen sind die Bereiche Finanzen, Energie, Transport, Beschränkungen gegen Personen und Einrichtungen sowie Visabeschränkung. Im Zuge des Ukraine-Kriegs wird beinahe täglich gefordert, die Sanktionen weiter zu verschärfen.

Doch diese harten Wirtschaftssanktionen des Westens scheinen Folgen in der russischen Gesellschaft zu haben. Schließlich sind neben Kreml-Chef Wladimir Putin besonders die russischen Eliten in Mitleidenschaft gezogen, was eine Kehrtwende in deren Haltung ausgelöst haben soll. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von einem „neuen Trend“, weswegen sich bisher pro-westlich eingestellte Menschen aus Russland nun hinter Putin sammeln würden.

Ukraine-Krieg: Sanktionen gegen Russland – Elite wendet sich vom Westen ab

Damit dürfte sich der Westen dahingehend geirrt haben, die russische Bevölkerung würde Putin wegen der beispiellosen Strafmaßnahmen den Rücken kehren. Nun sieht es danach aus, als wenn das Gegenteil der Fall wäre. Nach dem ersten Schock haben viele Mitglieder der bisher pro-westlichen russischen Mittelklasse das Gefühl, dass sie vom Westen unfair behandelt werden – und scharen sich hinter Wladimir Putin.

Durch die jüngsten Sanktionen wurden die Menschen in Russland ohne Unterschied getroffen. Verträge mit westlichen Unternehmen fielen ebenso weg wie geplante Urlaubsreisen nach Europa, Kreditkarten oder Medikamente aus dem Westen. Mitglieder der Mittelklasse verstünden teils nicht, warum sie kollektiv die Folgen von Putins Ukraine-Invasion tragen müssen, obwohl sie den Präsidenten nie gewählt hätten, sagt die Soziologin Natalja Tichonowa von der Russischen Akademie der Wissenschaften: „Die Dämonisierung der Russen als Nation durch Europa treibt sie nur dazu, sich hinter der Flagge zu versammeln.“

Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg: Wie zufrieden ist die russische Bevölkerung mit Putin?

In einer im März veröffentlichten Studie des unabhängigen Instituts Lewada äußerten sich 83 Prozent der Befragten mit Putins Arbeit zufrieden, im Dezember waren es noch 65 Prozent gewesen. Viele Soziolog:innen weisen allerdings darauf hin, dass Umfragen in einer Kriegssituation kein objektives Bild vermitteln, da Kritik an der russischen Regierung quasi verboten ist. Die letzten oppositionellen Medien in Russland wurden in den vergangenen Wochen verboten oder mussten den Betrieb einstellen. Die verbliebenen staatsnahen TV-Kanäle produzieren derweil fleißig Sendungen mit anti-ukrainischer und anti-westlicher Propaganda.

Zu Beginn des Ukraine-Konflikts wurden in Russland mehr als 15.000 Menschen bei Protesten festgenommen, inzwischen gibt es kaum noch Proteste. Zehntausende Russen, die meisten davon mit hoher Bildung, verließen das Land. Wer geblieben ist, muss sich mit den Folgen der Wirtschaftssanktionen arrangieren - und viele stimmen der vom Kreml verbreiteten Darstellung zu, der Westen führe einen „umfassenden Krieg“ gegen Russland.

Russischer Angriffskrieg: „Wirtschaftskrieg“ vereint Russ:innen hinter Putin-Propaganda

Auch eigentlich Politik-ferne Prominente haben sich in die öffentliche Debatte eingeschaltet. Die Schauspielerin Marina Ermoschkina forderte russische Influencer beispielsweise auf, ihre Chanel-Handtaschen zu zerschneiden, um gegen den Russland-Boykott des Luxus-Modehauses zu protestieren - und veröffentlichte ein Foto, das sie selbst dabei zeigt, wie sie ein Chanel-Täschchen mit einer Gartenschere zerfetzt, um ein Zeichen gegen „Russophobie“ zu setzen.

„Der Wirtschaftskrieg, den der Westen gegen alle Russen unabhängig von ihren politischen Überzeugungen begonnen hat, vereint sie mehr als alle Kreml-Propaganda der vergangenen Jahre“, sagt der Politologe Georgi Bowt. „Indem er die Nation nicht von ihrem Anführer unterscheidet, befördert der Westen die Entstehung eines neuen Staates vor seinen Grenzen: des Anti-Westens.“ (ktho/AFP)

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