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Forderung in russischer Sendung: „Kinder“ sollen kämpfen, keine 40-jährigen Alkoholiker

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Von: Tim Vincent Dicke

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Bizarre Debatten im russischen Radio: „Nach ständigem Alkoholkonsum“ seien Männer im mittleren Alter in der Ukraine nicht mehr zu gebrauchen.

Moskau – Die russische Armee schickt teils unausgebildete und betrunkene Männer in die Ukraine. An der Front sorgt das für einen schleppenden Feldzug – und in der Heimat für Frust. Während einer russischen Radiosendung hat ein Experte nun vorgeschlagen, dass Russland nur noch sehr junge Rekruten in den Ukraine-Konflikt entsenden sollte. Russen über 40 seien „nach ständigem Alkoholkonsum“ nicht mehr kriegstauglich.

Die Äußerungen tätige Experte Dmitri Putschkow beim Radiosender Komsomolskaja Prawda. Mit Moderator Iwan Pankin sprach er über den Zustand der russischen Armee, der nicht länger tragbar sei. Ein Ausschnitt des Gesprächs wurde von der Journalistin Julia Davis auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hochgeladen. Davis ist Russland-Expertin sowie Gründerin des Blogs Russian Media Monitor, auf dem sie regelmäßig Beiträge russischer Medien analysiert und kommentiert.

Russland sollte 18-Jährige in die Ukraine schicken, um Geld zu sparen

Es dürfe nicht sein, dass Männer kaum ausgebildet in die Ukraine ziehen müssten, beklagt Putschkow in dem Clip. „Wir müssen eine normale Volksarmee schaffen, in der jeder Gesunde dienen muss. Jeder muss mindestens zwei oder drei Jahre in der Marine aktiv sein. Es gibt keine Möglichkeit, in kürzerer Zeit ausgebildet zu werden“, sagt er.

Teilmobilmachung in Moskau
Hunderttausende Männer wurden im Zuge der Teilmobilmachung für den Krieg gegen die Ukraine rekrutiert. © Komsomolskaya Pravda/imago

Putschkow schlägt vor, dass Russland Männer einziehen sollte, die erst gerade das Erwachsenenalter erreicht haben. „Als Nächstes wird sich herausstellen, dass die ausgebildeten 18-Jährigen an die Front geschickt werden müssen, um an den Kämpfen teilzunehmen“, sagt er. Für den russischen Staat sei ein solches Unterfangen deutlich sinnvoller, denn so könne bares Geld gespart werden. Schließlich müsse der Steuerzahler dann keine Renten an Ehefrauen oder Kinder toter Soldaten zahlen – bei 40-Jährigen sei das naturgemäß anders.

Betrunkene Russen im Ukraine-Krieg: Das regt auf

„Stattdessen werden 18-Jährige hingeschickt. Egal wie zynisch das klingt, sie müssen geschickt werden. Es führt kein Weg daran vorbei – kein Weg“, fügt Putschkow hinzu. All die Gespräche über Männer, die früher in Krisengebieten gekämpft und gedient haben, seien nicht nützlich. „Liebe Leute, habt ihr eine klare Vorstellung von der körperlichen Verfassung eines 40- oder 50-jährigen Mannes aus Russland? Kann er rennen, springen, auf kaltem Boden schlafen? Wie geht es seiner Prostata? Wie geht es seinen Nieren nach ständigem Alkoholkonsum?“

Ein Mann in diesem Alter sei kein „Monster“ mehr, das im Ukraine-Krieg kämpfen könne. „Nein. Die Kinder müssen in der Armee aktiv sein, sie werden zwei Jahre lang dienen und am Kampf teilnehmen. Das ist der einzige Weg. Und das ist die Art von Armee, auf die wir zählen können. Davon bin ich überzeugt“, lautet das Resümee von Putschkow.

Russlands verzeichnet auch Monate nach dem Überfall auf die Ukraine schwere Verluste. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs sind mittlerweile mehr als 77.000 Soldaten der russischen Armee gefallen. Zudem konnten die Verteidigungstruppen 2700 feindliche Panzer und über 5600 gepanzerte Fahrzeuge zerstören, hieß es. (tvd)

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