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Politiker im russischen Staatsfernsehen: Ukrainische Bevölkerung muss „erfrieren und verrotten“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Boris Chernyshov in Russlands Staats-TV
Aussage in Russlands Staats-TV: Boris Chernyshov (r) sieht in den russischen Luftangriffen einen Ausdruck des „heiligen Hasses“ gegenüber der Ukraine. © Julia Davis/Russian Media Monitor (Screenshot)

Ein Politiker fordert in Russlands Staats-TV, die Luftangriffe auf die Ukraine fortzusetzen. Die Zivilbevölkerung müsse den Krieg zu spüren bekommen.

Moskau – Russland führt seine Angriffe auf die Energie-Infrastruktur der Ukraine fort. Menschen müssen mit den Auswirkungen von Blackouts umgehen, haben teils weder Gas noch Wasser. Doch das Vorgehen der Streitkräfte sorgt im russischen Staatsfernsehen nicht für Kritik – im Gegenteil. Ein Gast einer Talkshow sieht in den Attacken den „heiligen Hass“ Russlands, den die Ukrainer:innen spüren sollten.

In einem Ausschnitt einer Sendung, den die Journalistin und Russland-Expertin Julia Davis auf Twitter hochgeladen hat, sprechen Gäste über die Luftangriffe der russischen Armee. Boris Chernyshov, Duma-Abgeordneter und Mitglied der rechtsextremen Partei LDPR, sagt darin, dass die Menschen in der Ukraine seiner Ansicht nach ruhig erfrieren könnten. Mehr als 850.000 Personen haben sich den Clip bis dato auf dem Kurznachrichtendienst angeschaut.

Russlands Staats-TV: „Heiliger Hass“ gegen die Ukraine

„Diese Vergeltungsschläge – und es ist Vergeltung – sind ein Ausdruck unseres Hasses, unseres heiligen Hasses“, erklärt Chernyshov in der TV-Show. Die Ukrainer:innen, fügte der Politiker hinzu, würden nun „ohne Gas, ohne Licht und ohne alles andere dasitzen“. Schuld trügen aber nicht Kreml-Chef Wladimir Putin und dessen Truppen. Vielmehr sei die Ukraine selbst verantwortlich für die Lage. „Wenn das Kiewer Regime den Weg der Kriegsverbrecher wählt, müssen sie dort drüben erfrieren und verrotten.“

Eine Person in der Runde fragt, ob es wirklich sein müsse, dass „normale Leute“ im Ukraine-Konflikt erfrieren. Daraufhin startet Chernyshov eine Tirade voller Wut. „Die normalen Menschen müssen auf die Straße gehen und Selenskyjs Nazi-Regime ein Ende setzen“, ruft der Abgeordnete des russischen Parlaments.

Immer wieder ist in der russischen Propaganda davon die Rede, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Regierungsmitglieder Nazis und Rechtsextreme seien. Kürzlich wetterte der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates und enge Putin-Vertraute, Dmitri Medwedew, im Messengerdienst Telegram: „Es ist ein Haufen wahnsinniger Nazi-Drogensüchtiger, eine von ihnen unter Drogen gesetzte und eingeschüchterte Nation und ein großes Rudel bellender Hunde aus dem westlichen Zwinger.“

Ukraine-Krieg: Angriffe auf die Infrastruktur sollen weitergehen

TV-Moderator Roman Babayan wirft im aktuellen Clip ein, dass es keinerlei Proteste in den ukrainischen Städten gebe. „Wo sind denn die Revolten? Wir sehen keine Revolten“, so der Fernsehmann. Die Unterstützung für Selenskyj, den er als „diesen Kerl im T-Shirt“ bezeichnet, sei in der ukrainischen Bevölkerung groß, „wenn man den Kiewer Umfragen vertraut“, so Babayan.

Er kommt zu dem Schluss, dass die Angriffe auf die Infrastruktur im Ukraine-Krieg weiter gehen müssten. „Das trägt zu unserem Sieg bei. Für uns ist der Sieg unbedingt notwendig. Sollten plötzlich Verhandlungen mit der ukrainischen Seite beginnen, werden diese nicht gut für uns ausgehen“, fasst Babayan zusammen. Die ukrainische Regierung wolle nicht weniger als die „Vernichtung unserer Nation“. „Wir können diese Situation nur durch Stärke überwinden“, sagt der Propagandist.

„In diesem Winter wird es ums Überleben gehen“

Angesichts des bevorstehenden Winters ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zutiefst besorgt. „Dieser Winter wird für Millionen von Menschen in der Ukraine lebensbedrohlich sein“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, am Montag (21. November). „Einfach ausgedrückt: In diesem Winter wird es ums Überleben gehen.“

Die WHO habe seit Beginn der Kampfhandlungen im Februar zudem Hunderte Angriffe auf ukrainische Gesundheitseinrichtungen registriert. Dies sei ein „klarer Verstoß“ gegen das Völkerrecht. „Anhaltende Angriffe auf die Gesundheits- und Energieinfrastruktur bedeuten, dass Hunderte von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen nicht mehr voll funktionsfähig sind“, erläuterte Kluge und fügte hinzu: „Wir erwarten, dass zwei bis drei Millionen weitere Menschen ihre Häuser auf der Suche nach Wärme und Sicherheit verlassen werden.“ (tvd)

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