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Neue Vorwürfe gegen Russland: Arbeitet eine Geheim-Einheit an Bomben auf zivile Ziele?

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Von: Felix Durach

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Russland setzt seine Raketenangriffe auf die Ukraine fort. Auch zivile Ziele geraten ins Visier. Ein Bericht deckt nun auf, welche geheime Gruppe an den Raketenangriffen arbeitet.

Moskau – Die russische Militärführung hat in den vergangenen Wochen die Ukraine mit einem regelrechten Bombenteppich überzogen. Seit dem 10. Oktober nimmt Moskau im Ukraine-Krieg wieder verstärkt ukrainische Großstädte ins Visier. Auch wenn diverse Aufnahmen kursieren, die den Einsatz von Kampfdrohnen zeigen, hat der Kreml bisher nur Raketenangriffe auf die Ukraine bestätigt.

Ziel der ausgedehnten Angriffswelle ist nach Angaben der russischen Militärführung, die Zerstörung militärischer Einrichtungen, sowie Teilen der ukrainischen Energieversorgung. In den vergangenen Wochen waren mehrere Hundert Ortschaften wiederholt vorübergehend von der Energieversorgung abgeschnitten. Weiter forderten ukrainische Offizielle die Bevölkerung zum Stromsparen auf, um die Energieversorgung weiter gewährleisten zu können. Neben den militärischen Zielen traf die russische Raketenwelle jedoch auch eine Vielzahl an zivilen Zielen – darunter Wohnhäuser und auch Kindergärten, berichtet merkur.de.

Eine Recherche des Investigativkollektivs Bellingcat hat nun womöglich aufgedeckt, wer für die Planung und Ausführung der russischen Raketenangriffe verantwortlich ist. Der Bericht unterstellt Russland gezieltes Vorgehen gegen zivile Ziele.

Ukraine-Krieg: Raketenangriffe auf zivile Ziele? UN untersucht mögliche Kriegsverbrechen

Diverse durch Nachrichtenagenturen veröffentlichte und im Internet kursierende Bilder zeigten zuletzt massive Zerstörungen. Obwohl Russland nach eigenen Angaben Hochpräzisionswaffen einsetzt. Die Zerstörung von zivilen Zielen würde demnach entweder auf eine Fehlfunktion oder einen geplanten Beschuss schließen lassen. Die UN untersucht die Angriffe als mögliche Kriegsverbrechen von Russland.

Bürger der ukrainischen Stadt Mykolaiv stehen nach einem Raketenangriff vor einem Trümmerfeld.
Bürger der ukrainischen Stadt Mykolajiw stehen nach einem Raketenangriff vor einem Trümmerfeld. © BULENT KILIC/AFP

Recherche deckt auf: Geheimeinheit arbeitet in Russland an Raketenangriffen auf die Ukraine

Den Bellingcat-Recherche zufolge plant die Angriffe eine vergleichsweise kleine Gruppe aus IT-Spezialisten mit militärischem Hintergrund. Sie sei für die Programmierung der Raketen verantwortlich. Die Gruppe operiere verdeckt im russischen Militärverbund als Teil des „Main Computation Centre of the General Staff” (GVC). Stationiert ist die Gruppe angeblich im Verteidigungsministerium in Moskau und im Hauptquartier der Admiralität in St. Petersburg.

Wie Bellingcat weiter berichtet, soll die geheime Einheit in drei unabhängig von aneinander operierende Untergruppen aufgeteilt sein. Sie sollen jeweils auf die Programmierung einer von drei Raketenklassen spezialisiert sein. Russland nutzt etwa Flugkörper vom Typ Kalibr, die vom Meer aus abgeschossen werden. Über das Iksander-System erfolgt der Abschuss von Land aus und Kh-101-Raketen werden durch Kampfflugzeuge aus der Luft abgefeuert. Die Mitarbeiter der drei Gruppen sind angeblich vor allem junge Männer und Frauen mit militärischer Ausbildung und IT-Hintergrund.

Ukraine-News: Geheimeinheit bereitet Raketenangriffe vor – auch auf zivile Ziele?

Koordiniert wird die Gruppe den Recherchen nach von Oberstleutnant Igor Bagnyuk. Bellingcat konnte nach eigenen Angaben über auf dem russischen Schwarzmarkt erworbene Telefondaten von Bagnyuk eine zeitliche Verbindung zwischen Telefonaten innerhalb der GVC und tatsächlich ausgeführten russischen Raketenangriffen auf die Ukraine nachweisen. Die Daten zeigen erstmals im März dieses Jahres ein Telefonat zwischen Bagnyuk und seinem Vorgesetzten Generalmajor Robert Baranov. Am selben Tag hatte Russland knapp 30 Raketen auf die Ukraine abgefeuert – 35 ukrainische Soldaten wurden getötet.

Raketenangriffe auf die Ukraine: Spezialeinheit in Russland bereitet Raketen vor

Auch im Vorlauf der am 10. Oktober gestarteten Angriffswelle erkannten die Rechercheure Auffälligkeiten in der Kommunikation. Nachdem es knapp 14 Tage lang kaum Telefonate zwischen Bagnyuk und seinen Mitarbeiter gegeben hatte, nahm die Kommunikation bis zum 9. Oktober wieder stark zu. Besonders auffällig: Am Sonntag, dem 9. Oktober telefonierte Bagnyuk laut Bellingcat innerhalb von zwei Stunden mit drei Mitarbeitern – je einem aus den drei nach Raketenarten aufgeteilten Untergruppen. Am Tag darauf kamen offenbar alle drei Raketenarten in dem weitreichenden Angriff auf die ukrainischen Großstädte zum Einsatz.

Bagnyuk erhalte Befehle von der russischen Militärführung zu den Zielen der geplanten Raketenangriffe und gebe diese an seine Mitarbeiter weiter, hieß es. Die IT-Experten sind dann wohl mit der Programmierung der Raketen und Eingabe der Zielkoordinaten vertraut.

Dass der Beschuss von zivilen Zielen tatsächlich taktisches Kalkül der russischen Militärführung ist, lässt sich mit diesen Informationen nicht abschließend bestätigen. Die GVC wird jedoch wohl auch in den kommenden Wochen und Monaten des Krieges weiter die russischen Raketen für die Angriffe auf die Ukraine programmieren. (fd)

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