1. Startseite
  2. Politik

Russland gehen die Iskander-Raketen aus – doch Putin findet Ersatz

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Russland soll nur noch über 120 Iskander-Raketen verfügen. Doch die Ukraine ist alarmiert: Offenbar hilft der Iran Wladimir Putin aus der Misere.

Moskau – Ukrainischen Angaben zufolge leert sich in Russland der Bestand der gefürchteten Iskander-Raketen. Mit den ballistischen Boden-Boden-Geschossen attackiert Wladimir Putin die Ukraine aus der Luft. Doch offenbar hat der Kreml-Chef im Iran bereits Ersatz gefunden. Der isolierte Staat beliefert den russischen Präsidenten bereits mit Kamikaze-Drohnen, die seit geraumer Zeit im Ukraine-Konflikt eingesetzt werden.

Der ukrainische Geheimdienst meldete am Montag (7. November), dass Russland nur noch 120 seiner modernen Iskander-Raketen im Arsenal habe. Die Hauptdirektion für Nachrichtendienste des ukrainischen Verteidigungsministeriums veröffentlichte dazu einen Bericht, in dem es heißt, dass die russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg bereits knapp 80 Prozent ihrer hochmodernen Raketen eingesetzt und aufgebraucht hätten.

Ukraine-Krieg: Iran liefert offenbar Raketen an Russland

Den Angaben zufolge will Russland dieses Problem mit den ballistischen Raketen Fateh-110 und Zolfaghar aus dem Iran umgehen. Die Geschosse sollen demnach mit Flugzeugen auf die besetzte Halbinsel Krim transportiert werden. Zudem plane Russland, sie per Schiff an russische Häfen am Kaspischen Meer zu liefern.

Iskander-Rakete
Die russischen Raketen vom Typ Iskander sind im Ukraine-Krieg berüchtigt und gefürchtet. (Archivfoto) © Defense Ministry Press Service/AP/dpa

Laut der Ukraine ist der Deal zwischen der russischen Führung und dem iranischen Regime bereits in trockenen Tüchern. „Wir wissen, dass bereits Vorkehrungen getroffen wurden“, sagte der stellvertretende Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Vadym Skibitskiy, dem Economist-Magazin. Der Beamte räumte gegenüber dem Blatt ein, dass sein Land keinen wirksamen Schutz gegen ballistische Raketen habe. Sie würden sich fundamental von Marschflugkörpern oder Kamikaze-Drohnen unterscheiden, die das russische Militär aktuell gegen die ukrainische Infrastruktur einsetzt.

Marschflugkörper und Drohnen seien für die Ukraine deutlich leichter abzuschießen als ballistische Geschosse, erklärte Skibitskiy. Nach Angaben des Geheimdienstmanns habe die russische Armee im Oktober 25 Iskander-Raketen abgeschossen. Die ukrainischen Verteidiger hätten nur drei von ihnen abfangen können.

Auch USA sind von Entwicklung im Ukraine-Krieg besorgt

Ebenso wehrlos sei das Land gegenüber den Hyperschallraketen vom Typ Kinschal, die Russland auf einigen seiner Kampfflugzeuge montiert hat, sagte Skibitskiy dem Economist. Vor Kurzem hatte der als „Putins Stimme“ bekannte TV-Mann Wladimir Solowjow getönt, Russland könne mit den Raketen innerhalb von Minuten die britische Hauptstadt London dem Erdboden gleichmachen. „Die Killjoy-Rakete, die auch als Kinschal bekannt ist, hat eine Reichweite von über 2000 Kilometern und kann eine Geschwindigkeit erreichen, die zwölfmal so hoch ist wie die Schallgeschwindigkeit“, führte Solowjow in einer Sendung des russischen Staats-TV aus. In neun Minuten hieße es dann: „‚Hallo London!‘ oder eher ‚Hallo und auf Wiedersehen London!‘“, so die Worte des Propagandisten.

Die USA hatten bereits zuvor Besorgnis über weitere iranische Waffenlieferungen geäußert. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, sagte im Oktober, Russland habe bisher Dutzende Kampfdrohnen bekommen und werde vermutlich auch in Zukunft Lieferungen erhalten. Angesichts der „anhaltenden Versorgungsengpässe Russlands“ befürchte Kirby und die US-Regierung, dass Putin versuchen könnte, andere Waffen wie Boden-Boden-Raketen aus dem Iran zu erwerben, „die mit ziemlicher Sicherheit zur Unterstützung des Krieges gegen die Ukraine eingesetzt würden“. (tvd)

Auch interessant

Kommentare