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Putins Vorbild: Russland stiehlt Potemkin-Gebeine aus der Ukraine

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Von: Oliver Schmitz

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Russland entwendet die Überreste des Feldmarschalls Potemkin aus Cherson. Seine Geschichte dient Putin als Propaganda-Mittel im Ukraine-Krieg.

Kiew/Moskau – Im Zuge der Kämpfe um Cherson im Ukraine-Konflikt „sichert“ Russland immer mehr Gegenstände aus der südlichen Region der Ukraine. Darunter wohl auch die Gebeine des berüchtigten russischen Feldmarschalls Grigori Alexandrowitsch Potjomkin (auch Potemkin geschrieben). Wie die US-amerkanische New York Times und der britische Telegraph übereinstimmend berichten, wurden seine Überreste aus dem Grab in der St.-Katharinen-Kathedrale in Cherson ausgegraben und weggeschafft.

Die russische Seite versucht erst gar nicht den Diebstahl zu verheimlichen. „Wir haben die sterblichen Überreste des heiligen Fürsten an das linke [Dnepr] Ufer gebracht“, sagte der von Russland eingesetzte Cherson-Gouverneur Wolodymyr Saldo im russischen TV und ergänzt: „Wir werden ihn und alle Reliquien dorthin zurückbringen, wo sie hingehören“. Denn Potemkin hat eine besondere Bedeutung für Wladimir Putin.

Potemkin-Überreste aus Ukraine gestohlen: Darum ist er für Putin und Russland so wichtig

Ukraine-Krieg - Militärparade in Moskau
In seiner Rede am 9. Mai nahm sich Putin auch Potemkin als Vorbild – wohl fälschlicherweise. © Mikhail Metzel/dpa/picture alliance

Doch woher stammt die russische Faszination für Potemkin? Der Fürst gilt als einer der wichtigsten Persönlichkeiten für die Eroberung von „Neurussland“ im 18. Jahrhundert. Das Gebiet deckte einen Großteil der heutigen Süd-Ukraine ab. Potemkin soll die damalige russische Zarin Katharina die Große, seine Geliebte, zur Annexion der Krim überredet haben. Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine berief sich der russische Präsident Putin in Reden auch auf die Vision Potemkins.

Das bestätigte auch der Historiker Simon Sebag Montefiore, Autor des Buches „Katharina die Große und Potemkin“ in einem Interview 2000. Der Kreml hatte ihn nach der Veröffentlichung kontaktiert, um mitzuteilen, dass Putin seine Arbeit bewundert. Jedoch sei „Putins Geschichtsverständnis zutiefst fehlerhaft“, sagte Montefiore der New York Times am Donnerstag (27. Oktober). „Potemkin hätte Putin und alles, wofür er steht, verachtet“, meint der Autor. So hätten Potemkin und Kaiserin Katharina dieses Gebiet als „kosmopolitisches Fenster zum Mittelmeer“ betrachtet, das von einer lebendigen Mischung aus Menschen verschiedener Ethnien und nationaler Herkunft bevölkert war.

Nicht nur Potemkin-Überreste: Russland plündert Museen und kulturelle Stätten in der Ukraine

Seit der Verhängung des Kriegsrechts sind Plünderungen in den völkerrechtswidrig annektierten Gebieten wie Cherson formell legalisiert. Seitdem bringen die russischen Truppen immer mehr Ausstellungsstücke aus den dortigen Museen. Laut der FAZ würden derzeit alle Sammlungen der Museen der Stadt geräumt. Zudem zeigen viele Aufnahmen von Cherson, dass auch etliche Statuen in der Stadt verschwunden sind. Dazu gehört auch eine von Potemkin. Bis zum 24. Oktober hatte die UNESCO Schäden und Zerstörungen an über 200 Kulturstätten in der Ukraine dokumentiert. (os)

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