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„Nichts geändert seit dem Zweiten Weltkrieg“: Putin-Rekruten klagen über Zustände im Militär

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Ein von Anton Geraschenko gepostetes Video, das zwei russische Rekruten an der Front zeigen soll.
Ein von Anton Geraschenko gepostetes Video, das zwei russische Rekruten an der Front zeigen soll. © Screenshot: Twitter @Gerashenko_eng

Ein neuer Clip über die Zustände in der russischen Armee macht die Runde. Er soll zwei Betroffene zeigen. Sie äußern Verachtung.

Ukraine – Der Mann hat eine Kapuze über seine Mütze gezogen und zieht an einer Zigarette. Er steht in einem blätterlosen Wald und sagt in die Kamera: „Wir sind seit fünf Tagen an der Front. Am ersten Tag haben wir eine Brotzeit bekommen. Das war‘s seither. Wir hungern.“ Sein Kamerad hält das Smartphone hoch. Zwei russische Rekruten aus Jakutien in der Ukraine.

Unabhängig verifizieren ließ sich die Echtheit des Videos zunächst nicht. Anton Geraschenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, hat es am 5. Januar des neuen Jahres gepostet. Natürlich sollen solche Posts im Ukraine-Krieg auch dem Angreifer in die Parade fahren. Sie sind häufig. Geraschenkos Tweet aber wurde schon nach vier Tagen fast 2000 Mal geteilt. Vielleicht wegen Aussagen wie dieser: „In der russischen Armee hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg nichts verändert.“ Der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj betont das, berichtet merkur.de.

Russische Rekruten im Video: „Im Fernsehen zeigen sie nur die guten Seiten“

Jakutien ist eine Republik im asiatischen Russland. „Wir sind normale Leute, die schon in den Neunzigern im Krieg waren. Und jetzt sind wir es wieder, diesmal an der Front in der Ukraine“, sagt der Smartphone-haltende Mann. Die Bedingungen in der russischen Infanterie seien „der Horror“, fährt er fort. „Im Fernsehen wird das nicht gezeigt“, sagt er in Anspielung auf die Militärparade in Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin.

„Im TV zeigen sie nur die guten Seiten. An Paraden glaube ich aber nicht mehr. Wo ist denn das ganze dort gezeigte Equipment?“, klagt er. Die Kommandeure seien „sehr schwach“ und die ganze Armee „eine Enttäuschung“. Kein Essen, keine Waffen, „nicht einmal Wasser“, ergänzt sein Mitstreiter. Wie auch schon im Zweiten Weltkrieg zeige Russlands Militär sein Equipment „nur auf Paraden“.

Zustand des russischen Militärs: Videos über miserablen Zustand häufen sich

Auch auf höherer Ebene stockt die Diplomatie im Ukraine-Konflikt. Putin hatte zwei Tage vor dem Weihnachtsfest am 7. Januar, das viele orthodoxe Christen feiern, eine Feuerpause in der russischen Invasion angekündigt. Kiew lehnte den Vorstoß von Anfang an als Heuchelei ab und auch viele internationale Beobachter sprachen von einer reinen Propaganda-Geste. Noch während die Waffenruhe offiziell in Kraft war, räumte Moskau ein, ukrainische Angriffe im Frontgebiet weiter zu erwidern.

Der von dem Selenskyj-Berater gepostete Clip reiht sich ein in eine lange Reihe von Berichten über den desolaten Zustand von Putins Militär: So sollen Bataillone stark unterbesetzt sein und russische Soldaten selbst gegen ihre Behandlung protestieren. Sogar ein Trinker und Pyromane soll Kommandant gewesen sein – ein schwer zu verifizierender Bericht, aber eben nicht der erste seiner Art. (frs)

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