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Orban provoziert mit Großungarn-Schal – Kiew bestellt Botschafter ein

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Von: Tim Vincent Dicke

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Viktor Orban bei einem Fußballspiel
Nachdem Viktor Orban einen umstrittenen Fanschal getragen hat, sind die Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine auf dem Nullpunkt. (Archivbild) © Robert Michael/dpa

Mit einem Fußballschal provoziert Ungarns Ministerpräsident Orban seine Nachbarn. Die Ukraine zeigt sich entsetzt – und fordert eine Entschuldigung.

Kiew/Budapest – Ein von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban veröffentlichtes Video sorgt für große Verstimmungen bei den Nachbarländern des mitteleuropäischen Landes. Der rechtspopulistische Politiker hatte am Montag (21. November) einen Clip auf Instagram geteilt, das ihn bei dem Besuch eines Fußballspiels zeigte. Dabei trug der ungarische Regierungschef einen Fanschal, auf dem das Land Ungarn in den Grenzen von 1919 abgebildet war.

Hintergrund: Vor rund 100 Jahren umfassten die Grenzen Ungarns die heutigen Teile der EU-Staaten Österreich, Slowakei, Rumänien und Kroatien. Außerdem gehörten Regionen des jetzigen Serbiens und der Ukraine zum Staatsgebiet. All diese Gebiete prangten auf Orbans Schal in den Farben der ungarischen Flagge.

Ukraine-Krieg: Kiew bestellt ungarischen Botschafter ein

In sozialen Netzwerken machten Ausschnitte des Videos die Runde und sorgten schnell für fassungslose Reaktionen. So schrieb Georg Restle, früherer Moskau-Korrespondent der ARD, im Kurznachrichtendienst Twitter: „Wann begreift die EU endlich, was für einen gefährlichen Imperialisten sie da in ihren eigenen Reihen hat?“ Der Gründer der deutschen Denkfabrik „Zentrum Liberale Moderne“, Ralf Fücks, twitterte: „Wie lange will sich die EU die Provokationen dieses Mini-Putin noch gefallen lassen? Sie sollte die Ungarn vor die Wahl zwischen Orban und Europa stellen.“

Mittlerweile hat auch die Ukraine reagiert, die nach wie vor unter Russlands Dauerfeuer steht. Der ukrainische Außenamtssprecher Oleg Nikolenko erklärte auf Facebook, dass Kiew den ungarischen Botschafter einbestellen werde. „Die Förderung revisionistischen Gedankenguts in Ungarn trägt nicht zur Entwicklung der ukrainisch-ungarischen Beziehungen bei und steht nicht im Einklang mit den Grundsätzen der europäischen Politik“, schrieb Nikolenko.

Der Sprecher fügte hinzu, dass die ukrainische Regierung „eine offizielle Entschuldigung von ungarischer Seite und eine Zurückweisung der Eingriffe in die territoriale Integrität der Ukraine“ erwarte. Ungarn schert seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Europa aus, trägt die restriktive Sanktionspolitik gegenüber Russland nur in Teilen mit. Viktor Orban gefällt sich darin, gute Beziehungen zu Kreml-Chef Wladimir Putin zu pflegen. Die EU-Sanktionen gegen Russland trägt Budapest mit, beim Embargo gegen russische Ölimporte hat es jedoch eine Ausnahmeregelung durchsetzen können.

Orban gegen Russland-Sanktionen wegen Ukraine-Krieg

Kürzlich erst hatte Orban die Sanktionen der EU gegen Russland als einen „Schritt in Richtung Krieg“ bezeichnet. „Stellung zu beziehen“ könne schnell darauf hinauslaufen, „ein tatsächlicher Kriegsgegner zu werden“, sagte Orban in einem Radiointerview am Freitag (18. November). Die Politik der Europäischen Union gegenüber Russland sei gefährlich. Durch die „Lieferung zerstörerischer Waffen, die Ausbildung ukrainischer Soldaten auf unserem eigenen Gebiet und die Sanktionierung von Energie“ gefährde die EU sich selbst.

Ein von der EU-Kommission vorgeschlagenes Hilfspaket für die Ukraine, das 18 Milliarden Euro in Form von vergünstigten Krediten vorsieht, lehnte Orban ab. „Ungarn wird nicht akzeptieren, dass die EU-Mitglieder gemeinsam Kredite aufnehmen, um der Ukraine zu helfen“, sagte er laut der Nachrichtenagentur MTI. Stattdessen solle eine „gerecht“ unter den EU-Mitgliedstaaten aufgeteilte Summe ausgezahlt werden. Ungarn könne im Ukraine-Konflikt im Rahmen eines bilateralen Abkommens mit Kiew bis 170 Millionen Euro bereitstellen. (tvd/AFP)

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