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Deshalb ist der „Leopard“ für die Ukraine weniger interessant ist als der „Bradley“

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Von: Peter Rutkowski

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Den Leopard erhält die Ukraine vorerst nicht. Dafür aber Bradleys aus den USA. Der Schützenpanzer bietet einen entscheidenden Vorteil.

Berlin – „Leopard“ hier, „Leopard“ da, „Leopard“ überall? Anfangs war es nur eine Stimme, die die Bundesregierung drängte, Exemplare des „Leopard 2“ der Ukraine zu überlassen: der jetzt Ex-Berlin-Botschafter Andrij Melnyk. Er und Kiew wussten, der „Leo“ könnte der mehrheitlich hoffnungslos veralteten russischen Panzerwaffe widerstehen. Inzwischen ist es ein sehr lauter vielstimmiger Chor, der Olaf Scholz’ Mauern gegen den „deutschen Alleingang“ (der keiner ist und nie war) zum Erzittern bringt. Aber braucht es wirklich den „Leopard 2“ in der Ukraine?

Nicht unbedingt. Die vier hauptsächlichen Panzertypen des Westens, der US-amerikanische „Abrams“, der französische „Leclerc“, der britische „Challenger 2“ und der deutsche „Leo“ sind engstens miteinander verwandt. Zuvorderst ist da die Kanone, Kaliber 120 Millimeter. Die einen nehmen das Teil von Rheinmetall, die anderen von der Royal Ordnance Factory in Nottingham oder von Nexter Systems in Roanne. Der nächste logische Schritt – gegen den nur kruder Nationalismus und handfeste wirtschaftliche Interessen stehen – wäre, einen gemeinsamen Träger für eine 120-Millimeter-Kanone zu bauen.

Abrams und Leopard: Nur geringe Unterschiede bei den Kampfpanzern

Die Unterschiede in den Abmessungen der vier genannten Einzeltypen nehmen sich fast nichts, ihre Geschwindigkeiten liegen so maximal zwischen 60 und 70 Stundenkilometer. Mängel an der Panzerung wird von Fachleuten hauptsächlich an den Seiten des „Challenger“ vermerkt. Entscheidend ist immer die Munition und der mit ihr und mit der Technik im Panzer verbundene logistische Aufwand, der bei modernen Streitkräften immens ist und die Mannstärke der kämpfenden Truppe tief in den Schatten stellt (was Nachschub und Versorgung aber immer noch kein besseres Image beschert hat).

Bradley-Panzer
Ein „Bradley“-Panzer. (Symbolfoto) © Jörg Hüttenhölscher / Imago Images

In den entsprechenden Online-Kreisen werden meistens nur die US-amerikanische Munition mit abgereichertem Uran und die herkömmliche mit Wolfram(carbid) verglichen. Vor einigen Jahren noch gab es heftige Kontroversen im Westen um die Uran-Geschosse in den US-Arsenalen (Stichwort: nukleare Aufrüstung unter der Hand). Inzwischen sind die so gut wie alle verstummt. Es wird jetzt nur noch „kameradschaftlich“ darauf verwiesen, dass man sich beispielsweise einem Panzerwrack, das durch eine Urangranate zerstört wurde, erstmal lieber nicht nähert…

London liefert nun „Challenger“-Exemplare. „Leos“, „Leclercs“ und „Abrams“ könnten sich anschließen, aber durch jeden weiteren Typ wird der logistische Aufwand immer nur noch größer. Das kann sich die Ukraine angesichts ihrer steigenden Verluste an ausgebildetem und kampferfahrenem Militär eigentlich nicht leisten.

Panzer an die Ukraine: Washington organisiert die Überstellung von „Bradley“-Schützenpanzern

Aber Hilfe naht: Washington organisiert die Überstellung von Schützenpanzern, Typ „Bradley“, an Kiew. Die lagern zu Dutzenden in europäischen Arsenalen als Versicherung für einen etwaigen „europäischen Krieg“. Der „Bradley“ hat sich mehrfach bewährt. Er kann zwar nur sechs Mann Infanterie aufnehmen (der „Marder“ sieben), aber das Entscheidende ist seine 25-Millimeter-Maschinenkanone. Die ersetzt zwar kein 120-Millimeter-Geschütz. Soll sie aber auch gar nicht. Der „Bradley“ wurde explizit dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie (beispielsweise „Haubitze 2000“) und Kampfhelikoptern zu operieren.

Der ukrainische Generalstab schätzt, man brauche 600 Infanterieunterstützungsfahrzeuge, um die Russen an die Ausgangspunkte ihrer Invasion zurückzuwerfen. 50 zugesagte „Bradley“, wahrscheinlich 40 „Marder“, nicht wenige französische AMX10-RC und die rund 500 von den Invasoren erbeuteten Schützenpanzer – ergibt ziemlich genau das, was gebraucht wird.

Bradley-Schützenpanzer könnte Ukraine bei der Eroberung besetzter Gebiete helfen

Klassischerweise operieren Schützenpanzer im Verbund mit Kampfpanzern. Die Erfahrung lehrt: Kampfpanzer ziehen vielleicht viel Aufmerksamkeit auf sich, machen optisch was her und machen viel kaputt. Aber etwas erobern und halten geht nur, wenn Infanterie mit den Panzern unterwegs ist und diese Arbeit real übernimmt (während die Panzer für die Propaganda fotogen nach vorne stürmen). Dafür muss die Infanterie geschützt werden. Dafür sind die Schützenpanzer da. Der „Bradley“ macht da keine Ausnahme, seit er 1981 in Serie ging. Der „Abrams“ diente da schon ein Jahr bei den US-Streitkräften. Der gemeinsame Einsatz der beiden fußt also auf 40 Jahren Erfahrung. Auch das könnte ein Grund sein, warum „Abrams“ eine Reise in die Ukraine antreten könnten (aber nicht zwingend müssen)

Der „Leopard 2“ schadet allerdings auch nicht. (rut)

Transparenzhinweis: In der ersten Version des Textes wurde die Spezifikation einiger Panzertypen nicht korrekt angegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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