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Russland will Ukraine „demütigen“: Selenskyj warnt eindringlich vor Angriffen am Unabhängigkeitstag

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Von: Karolin Schäfer

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Seit fast einem halben Jahr dauert der Ukraine-Krieg an. Kiew rechnet zum Unabhängigkeitstag mit schweren Angriffen. Die Solidarität des Westens bröckelt.

Update vom Sonntag, 21. August, 12.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Warnung vor russischen Angriffen am ukrainischen Nationalfeiertag zur Unabhängig, 24. August, erneuert. „Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass Russland in der kommenden Woche etwas besonders Widerwärtiges und Gewalttätiges unternehmen könnte“, sagte er in einer Video-Ansprache am Samstagabend. „Eines der Hauptziele des Feindes ist es, uns zu demütigen“ und „Mutlosigkeit, Angst und Konflikte zu säen“, so Selenskyj weiter. Die Ukraine müsse jedoch „stark genug sein, jeder Provokation zu widerstehen“, führte er aus. Russland müsse für den „Terror bezahlen“.

Selenskyj
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, warnt vor russischen Attacken am Tag der Unabhängigkeit. (Archivfoto) © Ukrainian Presidential Press Office / dpa

Die Ukraine feiert am Mittwoch (24. August) ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion vor 31 Jahren. Auf den Tag genau startete zudem die russische Invasion am 24. Februar diesen Jahres.

Update vom Sonntag, 21. August, 07.00 Uhr: Am ukrainischen Nationalfeiertag am 24. August, soll in der zweitgrößten Stadt des Landes, Charkiw, den ganzen Tag eine Ausgangssperre herrschen. „Bleiben Sie zu Hause und beachten Sie die Warnungen“, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Synehub, bei Telegram mit. In der Stadt im Nordosten des Landes gilt normalerweise nur eine nächtliche Ausgangssperre. Die Angaben sind nicht unabhängig verifizierbar. Der ukrainischen Präsident Selenskyj hatte zuvor vor verstärkten russischen Angriffen am Nationalfeiertag zur Unabhängigkeit des Landes gewarnt (s. Erstmeldung).

Erstmeldung vom Samstag, 20. August, 21.15 Uhr: Kiew – Viel Bewegung an der Frontlinie im Ukraine-Krieg gibt es derzeit nicht. Eroberungen über ukrainische Gebiete werden kaum noch gemeldet. Allem Anschein nach sieht es schlecht aus für Russland, obwohl die Föderation nach wie vor einen militärischen Vorteil hat. Während der Kreml über die eigenen Verluste schweigt, zählen die Verteidiger fast 45.000 tote Soldaten.

Das wirkt sich offenbar auch auf die Moral russischer Truppen aus. Seit Kriegsbeginn hätten hunderte Soldaten den Kampf in der Ukraine verweigert, berichtete das unabhängige russische Nachrichtenportal iStories. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder militärische Defizite offenbart, das russische Militär abgehört. So sei die medizinische Versorgung in Lazaretten „miserabel“, berichtete ein Insider. Es fehle an Ausrüstung.

Ukraine-Krieg: Kiew erwartet Angriffe an Nationalfeiertag

Fest steht: Für Wladimir Putin läuft der vermeintliche Blitzkrieg alles andere als nach Plan. Russland gerät aufgrund von Explosionen hinter den eigenen Linien zunehmend unter Druck, hieß es am Samstag (20. August) aus dem Verteidigungsministerium in London. Auch innerhalb Russlands spitzt sich die Lage zu: Die Föderation driftet immer tiefer in „diktatorische Verhältnisse“ ab.

Ukraine-Krieg
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, erwartet verstärkte russische Angriffe am ukrainischen Unabhängigkeitstag (24. August). © Adrien Fillon / Imago Images

Doch trotz der kräftezehrenden Monate gehen die Kämpfe weiter. Die ukrainische Regierung befürchtet heftige Angriffe in der kommenden Woche. Am 24. August jährt sich nämlich der Unabhängigkeitstag in der Ukraine, der normalerweise ausgelassen gefeiert wird. Von Party-Stimmung kann allerdings nicht die Rede sein. Der Nationalfeiertag steht im Schatten des 24. Februars, denn auf den Tag genau dauert der Ukraine-Krieg dann bereits seit sechs Monaten an.

Ukraine-Krieg: Kiew könnte in Schusslinie geraten

Auch die Hauptstadt Kiew könnte so wieder in den Fokus geraten. Damit rechnet zumindest Präsidentenberater Olexij Arestowytsch. Es wäre „eine rein emotionale Geste, um mehr Zivilisten zu töten und uns den Feiertag zu verderben“, erklärte Arestowytsch. „So ist unser Feind. Schon in jeder anderen Woche dieses halben Jahres hat Russland so etwas Ekelhaftes und Grausames ständig getan“, sagte das ukrainische Staatsoberhaupt Wolodymyr Selenskyj in einer am Samstagabend verbreiteten Videobotschaft.

Währenddessen zeigte sich der Westen politisch entschlossen, wie schon lange nicht mehr. Mit Sanktionspaketen, Waffenlieferungen und Asylangeboten wehren sie sich gegen den Angriffskrieg des Kremls. Zumindest bis jetzt, ahnt Cathrin Kahlweit, Korrespondentin für Mittel- und Osteuropa bei der Süddeutschen Zeitung. Angesichts der hohen Inflation, steigender Preise für Lebensmittel und Heizkosten bröckele der Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft, „parallel zur Solidarität in der Gesellschaft“, schrieb Kahlweit.

Ukraine-Krieg: Rechtsextreme Gruppen nutzen Energiekrise zu ihren Gunsten

Bereits jetzt erstarken Rechtsextreme in Telegram-Gruppen und mobilisieren mithilfe der Energiekrise neue Anhänger:innen. „Extremisten träumen von einem deutschen Wutwinter“, warnte Brandenburgs Verfassungsschutzchef Jörg Müller. „Sie hoffen, dass Energiekrise und Preissteigerungen die Menschen besonders hart treffen, um die Stimmung aufzugreifen und Werbung für ihre staatsfeindlichen Bestrebungen zu machen. Wir verfolgen dieses Treiben mit wachsamen Augen und offenen Ohren.“ Die Lage spitzt sich zu, während die Zukunft von großer Unsicherheit geprägt ist.

Ein bisschen Hoffnung bleibt dennoch. Trotz des Krieges wollen ukrainische Bürger:innen den Unabhängigkeitstag feiern. In der Hauptstadt sollen Zeremonien stattfinden, Kränze und Blumen sollen Kiew schmücken. Die Grünen in Berlin sollen sogar gefordert haben, den Tag einmalig zum Feiertag zu erklären, um Solidarität zu zeigen. Zum Zusammenhalt rief auch der ukrainische Präsident seine Landsleute mit Blick auf. „Für den Sieg der Ukraine müssen wir kämpfen, es gibt noch viel zu tun, wir müssen standhalten und noch viel ertragen, leider auch viel Schmerz“, sagte Selenskyj. (kas/dpa)

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