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Ukraine fehlen Nachtsichtgeräte: Russland startet Angriffe in der Dämmerung

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Von: Lukas Zigo

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Eine Gruppe von Soldaten laufen ein Flussufer entlang. (Symbolfoto)
Eine Gruppe von Soldaten laufen ein Flussufer entlang. (Symbolfoto) © Steve Parsons/dpa

Russland nutzt seine zahlenmäßige Überlegenheit für Angriffe bei Nacht. Die Ukraine bittet daher um Nachtsichtgeräte und Drohen.

Kiew – Die russische Offensive in der Donbass-Region der Ukraine verläuft weiter schleppend. Wie das US-Magazin Foreign Policy berichtet, setzten die russischen Truppen nun vermehrt auf Angriffe bei Nacht, um die Verteidiger zu überrennen. Zwei ukrainische Quellen berichten dem Magazin, die Ukraine benötige dringend Nachtsichtdrohnen für Gegenangriffe.

Der Einsatz von Nachtangriffen, manchmal von russischen Spezialeinheiten begleitet, wurde verstärkt. Dies sei ein Zeichen dafür, dass der Kreml zunehmend versucht, seine zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber Kiew zu nutzen. Der Grund dafür seien die sich häufenden Verluste beider Seiten in dem flacheren Gelände im Osten des Landes. Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter sprach am 16. Mai mit Reportern und beschrieb die Schlacht im Donbass als „ein echtes Feuergefecht“. Dabei habe die Ukraine bereits 74 der 90 von den USA bereitgestellten M777 Artilleriehaubitzen eingesetzt.

Ukrainischer Präsidentenberater: „Wir brauchen viele Drohnen“

„Wir brauchen viele Drohen, einschließlich Kampf- und Wärmebilddrohnen, weil vieles in der Nacht geschieht“, sagte Tymofiy Mylovanov, ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und ehemaliger Wirtschaftsminister. „Russland führt nachts Gegenangriffe durch, und manchmal brauchen wir das.“ Er sagte, dass die Ukraine ohne eigene Nachtsichtgeräte nicht zurückschlagen könne.

Laut Mylovanov verfügen die Verteidigungstruppen im Donbass über ausreichend Drohen, ohne bildgebende Fähigkeiten, um bei Tag zu kämpfen. Bei Nacht jedoch drohen die russischen Truppen auf dem gesamten umkämpften Gebiet anzugreifen.

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Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamte sprach unter der Bedingung der Anonymität, gemäß der vom Pentagon festgelegten Grundregeln. Ihm zufolge hat Russland in den letzten Tagen begonnen, seine Bemühungen im nördlichen Donbass auf die Städte Izyum und Lyman zu konzentrieren. Auch haben die russischen Truppen demnach westlich der Stadt Donezk kleine Fortschritte gemacht. Die ukrainischen Streitkräfte haben die russischen Truppen jedoch aus Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, bis auf vier Kilometer an die Grenze zurückgedrängt.

Ukrainische Beamte berichteten auch, dass Russland nachts Artillerie auf ukrainische Stellungen abgefeuert hat. Die Lieferung neuer M777-Haubitzen der USA haben jedoch dazu beigetragen, den russischen Vorsprung diesbezüglich zu verringern. „Wir haben viele Angriffe bei Nacht“, sagte Oleksandra Ustinova, eine ukrainische Politikerin in einem Telefoninterview. „Der Krieg ist 24/7.“ Die ukrainischen Stellungen seien „ziemlich gut“, aber Russland mache Fortschritte in Luhansk.

90 M777 Artilleriehaubitzen hat die USA an die Ukraine geliefert.
Die USA haben 90 „M777“-Artilleriehaubitzen an die Ukraine geliefert. © U.S. Army/Imago Images

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Aber auch die Ukraine muss Prioritäten setzen. Drohnen wurden auf einer Liste von Waffenanfragen weit nach unten geschoben. Ganz oben stehen Mehrfachraketenwerfer. Washington befürchtet, dass die Bewaffnung der Ukraine mit bestimmten neuen Systemen den Krieg mit Russland eskalieren lassen könnte. Die USA wählen die zu liefernden Systeme daher mit bedacht.

„Es gibt eine riesige Liste von Waffen, denn einen Krieg wie diesen hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben“, sagte Ustinova. „Würden sie jemanden fragen, ob er ein Gewehr oder eine kugelsichere Weste braucht? Man braucht beides, aber wenn man die Wahl hat, hat die Waffe natürlich Vorrang.“ (lz)

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