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In der Ukraine tobt der Kampf um jeden Millimeter

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Von: Dmitri Durnjew

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Zerstörte Ernte: Ein Mähdrescher passiert einen Einschlagskrater nahe Kramatorsk. MIGUEL MEDINA/AFP
Zerstörte Ernte: Ein Mähdrescher passiert einen Einschlagskrater nahe Kramatorsk. MIGUEL MEDINA/AFP © AFP

In der Ukraine verbeißen sich die Kontrahenten ineinander. Moskau packt wieder totale Herrschaftsansprüche aus, Kiew zieht seine Truppen aus dem Donbass in bessere Stellungen.

Kiew - Der Krieg stockt. Gerade noch schien es zu laufen, nach den monatelangen Kämpfen um Sjewjerodonezk eroberten Russlands Streitkräfte die Nachbarstadt Lyssytschansk in ein paar Tagen. Zwei Generäle wurden von Wladimir Putin als „Helden Russlands“ ausgezeichnet.

Aber die von Moskaus Medien mit kriegerischem Selbstbewusstsein prophezeiten Kessel- und Vernichtungsschlachten fanden nicht statt. Die Ukrainer haben praktisch die gesamte Region Luhansk verloren, aber sie haben sich geordnet auf gut vorbereitete Stellungen zurückgezogen.

Ukraine-Krieg: Zerschlagung Donezk nicht gelungen

Der linientreue russische Militär-Telegramkanal „Juschni Weter“ attestiert dem Feind „eine stabile Abwehr an allen Abschnitten“. Und der ehemalige Separatistenkommandeur Igor Strelkow beschwert sich digital: „Die Anfang Mai laut angekündigte Operation zur Zerschlagung der Donezker Gruppierung des Feinde ist nicht gelungen.“

Seit Monaten nun dominiert die Artillerie und die Russen konzentrieren viel davon im Donbass. Aber sobald ihre Infanterie versucht, die mehr oder weniger zerschossenen Stellungen der Ukrainer zu stürmen, kommen sie nicht recht voran.

Krieg in der Ukraine: Es wird immer mehr zum Abnutzungskrieg

Ein Abnutzungskrieg: Die Kontrahenten sind dazu übergegangen, vermehrt Flughäfen, Stäbe oder Munitionslager im jeweiligen Hinterland unter Feuer zu nehmen, wie just die Ukrainer in Schachtjorsk, über 50 Kilometer hinter der Front. Offenbar nutzen sie dabei die westlichen Haubitzen und Werfer. Auch die Rebellenhauptstadt Donezk liegt unter Beschuss, „frei gewordene“ Totschka-U-Raketen sowjetischer Bauart schlugen auch in Russland ein, in der Regionalhauptstadt Belgorod gab es erste zivile Todesopfer.

Aber im Frontgebiet bleibt es fraglich, ob die westliche Waffenhilfe ausreicht, um die bisher überlegene russische Feuerkraft tatsächlich auszugleichen. Und um die in der ukrainischen Öffentlichkeit seit Monaten beschworene große Gegenoffensive in Gang bringen zu können.

Russland gegen die Ukraine: Nur noch örtliche Erfolge

Die ukrainischen Vorstöße im Norden bei Charkiw haben sich totgelaufen. Auch die Versuche, im Süden auf das besetzte Cherson vorzustoßen, zeitigten nur sehr örtliche Erfolge. „Bisher hat das ukrainische Oberkommando nicht ein Mal gezeigt, dass es fähig ist, Reserven zu konzentrieren, solche Angriffe zu planen und durchzuführen“, schreibt das russische Exilportal „meduza.io“.

Das, was Generalstäbler die „strategische Offensive“ nennen, gehört weiter der russischen Armee. Aber Moskau ist trotzdem weit von seinen Kriegszielen entfernt. Putins Truppen mögen in den nächsten Monaten auch die verbliebenen großen Städte im Donbass, Slowjansk und Kramatorsk, erreichen und erobern.

taktik von Russland: Wenn es so weitergeht werden sie nur noch Trümmer einnehmen

Aber wenn sie ihre bisherige Taktik fortsetzen, werden sie auch dort zum großen Teil nur Trümmer einnehmen. Westliche Fachleute bezweifeln, dass die Ukrainer dann für sie katastrophale Kesselschlachten eingehen. Die jüngsten – nicht sonderlich beeindruckenden – Erfolge im Donbass haben den Kreml die lange erledigt geglaubten maximalen Ziele einer „Demilitarisierung“ und „Denazifizierung“ der Ukraine – und ihr Einverleiben – wiederholen lassen.

Die ukrainischen Streitkräfte sind nach wie vor intakt, haben seit dem Beginn der russischen Donbass-Offensive im März nur ein paar Prozent des eigenen Territoriums preisgegeben. Nach einer Anfang Juli veröffentlichten Umfrage sind 93 Prozent der Menschen der Ansicht, ihr Land könne Russland abwehren, 53 Prozent schätzen aber, für einen Sieg bedürfe es noch mindestens eines halben Jahres. (Dimitri Durnjew)

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