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Kein Durchbruch für russische Truppen – Selenskyj plant „Buch der Folterer“

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Die Ukraine plant, Kriegsverbrechen im Land genau zu dokumentieren. Derweil setzen sich die Kämpfe im Osten fort. Der News-Ticker am Mittwoch, 8. Juni.

Dieser News-Ticker ist beendet: Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie im neuen Ticker.

+++ 08.00 Uhr: Serhiy Bratchuk, ein Sprecher der regionalen Militärverwaltung von Odessa, hat erklärt, dass sich die Kämpfe um die Hafenstadt derzeit verschärfen. „Alle fünf Minuten stirbt ein russischer Soldat in der Ukraine“, so Bratchuk laut einem Bericht des Nachrichtenportals Kyiv Independent. Er sagte zudem, dass die ukrainischen Streitkräfte in den letzten 24 Stunden mindestens vier Mal russische Stellungen im Süden angegriffen hätten. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Erstmeldung vom Mittwoch, 8. Juni, 07.00 Uhr: Kiew – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj plant, eine neue Datenbank zu russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine einzurichten – ein „Buch der Folterer“. Wie Selenskyj am Dienstag (8. Juni) in seiner allabendlichen Videonachricht verkündete, soll das Projekt bereits kommende Woche starten.

„Ich habe wiederholt betont, dass sie alle zur Rechenschaft gezogen werden. Und wir gehen das Schritt für Schritt an“, teilte der Präsident mit. Aufgeführt werden sollen darin nicht nur Soldaten, die sich schuldig gemacht haben, sondern auch militärisches Führungspersonal, das entsprechende Befehle in Städten wie Butscha oder Mariupol erteilt hat.

Ukraine-News: Kämpfe in der Ostukraine setzen sich fort

Derweil setzen sich die erbitterten Kämpfe in der Ostukraine am 105. Tag des Ukraine-Kriegs fort. Trotz ihrer Überlegenheit haben die russischen Truppen nach Darstellung von Selenskyj keinen Durchbruch erzielt. „Die Situation an der Front hat in den letzten 24 Stunden keine wesentlichen Änderungen erfahren“, sagte Selenskyj. „Die äußerst heldenhafte Verteidigung des Donbass wird fortgesetzt.“

Dabei sollen die Städte Sjewjerodonezk, Lyssytschansk und Popasna weiterhin Schwerpunkte des Kampfgeschehens sein. Die ukrainische Artillerie habe gute Arbeit geleistet, ließ der ukrainische Präsidentenberater Olexander Arestowytsch wissen. Arestowytsch räumte aber auch Probleme ein. „Auf eine Gegenoffensive können wir lange warten“, sagte er. Zudem leidet die Zivilbevölkerung in der Donbass-Region weiter unter Raketenbeschuss. Nach ukrainischen Informationen kamen mehrere Menschen ums Leben. Auch die prorussischen Separatisten meldeten ein Opfer.

Eine Frau fährt mit dem Fahrrad an einem zerstörten Wohngebiet vorbei, das durch den Beschuss der russischen Armee in der Stadt Borodjanka, nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt, beschädigt wurde.
Eine Frau fährt mit dem Fahrrad an einem zerstörten Wohngebiet vorbei, das durch den Beschuss der russischen Armee in der Stadt Borodjanka, nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt, beschädigt wurde. © Sergei Chuzavkov / AFP

Ukraine-News: Russische Besatzungskräften planen Referenden

In den von russischen Truppen besetzten Gebieten planen die neuen Machthaber offenbar den Beitritt zu Russland. Die Vorbereitungen für ein Referendum hätten begonnen, sagte die prorussische Statthalterin in der Stadt Melitopol, Halyna Danyltschenko.

Nach Angaben eines russischen Abgeordneten war der Vizechef der russischen Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko, zu Gesprächen sowohl in Melitopol als auch in Cherson. Nach ukrainischen Informationen soll in Cherson bis Herbst ein Referendum über eine Angliederung an Russland vorbereitet werden.

Ukraine-News: Weltbank stellt 1,49 Milliarden zur Verfügung

Gute Neuigkeiten gab es für die Ukraine vonseiten der Weltbank. Die stellt der Ukraine eine weitere Finanzierung in Höhe von 1,49 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) zur Verfügung. Damit könne die Regierung angesichts des andauernden Kriegs Löhne für Staatsbedienstete zahlen, hieß es. Es blieb zunächst unklar, ob es sich bei den neuen Mitteln um Hilfsgelder oder einen Kredit handelte.

In Deutschland hat sich die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Ukraine-Konflikt zu Wort gemeldet. Sie plädierte in einem TV-Interview für eine Verstärkung der militärischen Abschreckung gegenüber Russland. Verantwortung für ausgebliebene Investitionen in die Bundeswehr wies sie aber zurück - und indirekt dem früheren Koalitionspartner SPD zu. „Ich bin jetzt heilfroh, nachdem die ganze Welt bewaffnete Drohnen hat, dass wir auch welche kaufen“, sagte Angela Merkel. „Es war ein sehr zähes Ringen, überhaupt in die militärische Abschreckung zu investieren.“

Ukraine-News: Lawrow diskutiert in Türkei über Weizen-Blockade

Am heutigen Mittwoch (8. Juni) will der russische Außenminister Sergej Lawrow in Ankara seinen türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu treffen. Dabei soll es auch um die Freigabe ukrainischer Getreidelieferungen gehen. Die Ukraine gehört zu den größten Weizenexporteuren weltweit. Russland blockiert aber im Zuge seines Angriffskrieges ukrainische Häfen. Experten und Politiker warnen vor einer globalen Nahrungsmittelkrise. (dpa)

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