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Während Putin mit Erdogan spricht: Kadyrow trifft sich mit türkischem Außenminister und Geheimdienstchef

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow bei eine Rede in der Hauptstadt Grozny.
Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hat sich in Sotschi mit dem türkischen Außenminister und Geheimdienstchef getroffen. (Archivfoto) © IMAGO/Yelena Afonina

Erdogan und Putin sind in Sotschi zusammengekommen. Offenbar war auch Kreml-Bluthund Kadyrow vor Ort und hat sich mit hochrangigen türkischen Diplomaten getroffen.

Sotschi – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Machthaber Wladimir Putin haben sich in Sotschi getroffen, um sich über den Ukraine-Krieg sowie bilaterale Themen wie Syrien auszutauschen. Offenbar war aber auch eine weitere Person vor Ort: Der tschetschenische Präsident und Kreml-Bluthund Ramsan Kadyrow, dessen Truppen im Angriffskrieg gegen die Ukraine oft ganz vorne an den Frontlinien auftauchen.

Wie es scheint, befand sich Kadyrow nicht nur für ein Treffen mit Kreml-Chef Putin in Sotschi. Während dem rund vierstündigen Gespräch zwischen Putin und Erdogan kam der tschetschenische Präsident offenbar mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu und dem türkischen Geheimdienstchef Hakan Fidan zusammen. Dies teilte er auf Telegram mit, wie Merkur.de berichtet.

Putins Bluthund Kadyrow während Erdogan-Treffen in Sotschi - er trifft sich mit Cavusoglu und Fidan

„Freunde, während der persönlichen Gespräche zwischen Wladimir Wladimirowitsch Putin und Recep Tayyip Erdogan traf ich persönlich den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu und den Chef des türkischen Geheimdienstes Hakan Fidan“, schrieb Putins Bluthund in seinem Telegram-Kanal. Dabei habe man ein „informelles, reichhaltiges und produktives Gespräch“ geführt. Bei dem Treffen habe man sich darauf geeinigt, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Tschetschenien „in verschiedenen Fragen“ nötig sei. In den sozialen Medien tauchen Aufnahmen von Kadyrows Eintreffen in Sotschi auf.

In seiner Botschaft auf Telegram machte Kadyrow zudem auf historische Beziehungen zwischen den zwei Völkern aufmerksam. Man sei durch vieles verbunden, wie etwa durch ethnische Tschetschenen, die in der Türkei lebten. Kadyrow zufolge möchte die türkische Seite Beziehungen zu Tschetschenien intensivieren und hofft, weitere Kontakte zu knüpfen. Kadyrow habe seinerseits festgestellt, „dass beide Seiten von gemeinsamen Unternehmungen profitieren werden“.

Am Ende des Treffens sei er von den „hohen Gästen“ zu einem Besuch in die Türkei eingeladen worden, hieß es weiter. „Natürlich werde ich der Einladung folgen“, unterstrich Kadyrow. In der Türkei wolle man „ein breites Spektrum von Fragen der Zusammenarbeit, einschließlich wirtschaftlicher, erörtern“. Dass neben Außenminister Cavusoglu auch der türkische Geheimdienstchef Fidan anwesend war, macht das Treffen noch interessanter. Auch sicherheitspolitische Beziehungen dürften besprochen worden sein. Allerdings ist es nicht neu, dass Fidan Erdogan bei Auslandsreisen begleitet.

Kadyrow in der Türkei weitgehend unbeliebt – dennoch treffen sich türkische Diplomaten mit ihm

Zuletzt hatte der Putin-treue Kadyrow den türkischen Präsidenten im Mai dazu aufgerufen, Kämpfer des umstrittenen Azov-Regiments im Azovstal-Stahlwerk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol nicht zu evakuieren. Damals hatte sich die Türkei als Vermittler angeboten und dazu bereit erklärt, ukrainische Kämpfer aus dem Stahlwerk zu evakuieren. „Der Präsident eines muslimischen Staates“ dürfe die „Mörder und Atheisten von Azov“ nicht vor Bestrafung retten, so Kadyrow. Er behauptete, Azov-Kämpfer würden die „Werte des Islam und den Islam selbst“ beleidigen. Kadyrows Truppen in der Ukraine begründen ihre Teilnahme am Angriffskrieg oft mit der „Verteidigung des Islam“.

In der Türkei hingegen ist Kadyrow bei einem großen Teil der Bevölkerung unbeliebt. Grund ist dabei Kadyrows Treue und extreme Nähe gegenüber der russischen Führung. So geht es bei dieser Unbeliebtheit weniger um Tschetschenien oder das tschetschenische Volk selbst. Immerhin genießt der tschetschenische Widerstand gegen Russland bei vielen Türken eine Art Respekt. Für Kadyrow ist aber das Gegenteil der Fall. Er gilt als „Marionette von Russland“. Das Treffen von Cavusoglu und Fidan mit Kadyrow dürfte daher auch in der Türkei bei einigen für Stirnrunzeln sorgen. (bb)

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