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Kadyrow wütet gegen „mobilisierte Rentner“ im Ukraine-Krieg

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow bei eine Rede in der Hauptstadt Grozny.
Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow ist für seine markigen Worte bekannt. (Archivbild) © Yelena Afonina/imago

Putin-Verbündeter Kadyrow will keine Verhandlungen mit der Ukraine. „Wir werden nicht mit diesem Satanismus an unserer Seite leben“, poltert er.

Grosny – Der Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow ist einmal mehr mit einer wütenden Tirade auf Telegram aufgefallen. Der als „Putins Bluthund“ bekannte Machthaber zeigte sich nicht zu Verhandlungen mit der ukrainischen Führung bereit und wetterte gegen all das, was ihm missfällt: Wolodymyr Selenskyj, den Westen – und „Satanisten“, die im Ukraine-Konflikt die Macht an sich reißen wollten.

„Die Verhandlungsbedingungen der ukrainischen Führung sind lächerlich“, schrieb Kadyrow am Dienstag (15. November) in seinem Kanal auf dem Messengerdienst. Dabei bezog sich der 46-Jährigen auf Aussagen, die Selenskyj erst kürzlich inmitten des Ukraine-Kriegs tätigte. „Wir sind jetzt bereit für einen Frieden, einen fairen und gerechten Frieden. Die Formel dafür haben wir viele Male erklärt“, sagte der Staatschef in einer Videoansprache.

Die Bedingungen sind für Selenskyj klar: Vor allem müsse Russland die Grenzen der Ukraine und ihre territoriale Unversehrtheit nach UN-Recht respektieren – inklusive der Halbinsel Krim, die Putin 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte.

Kadyrow wettert gegen „mobilisierte Rentner“ im Ukraine-Krieg

Das stößt Kadyrow sauer auf. „Wenn Selenskyj um seine mobilisierten Rentner besorgt wäre, hätte er nicht das Wort ‚Bedingungen‘ benutzt, sondern sich für sein Volk hingekniet, so wie er sich einst trotzig für seine Wahl zum Präsidenten hingekniet hat“, wütete der Tschetschene, um dann hinzuzufügen: „Die ukrainischen Behörden sind nicht in der Lage, Bedingungen zu diktieren. Wir haben unsere eigenen Bedingungen, und die sind viel realistischer.“

Die Ukraine müsse die sogenannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk anerkennen, dabei handelt es sich de facto um Marionettensysteme des Kreml. Außerdem müsse Kiew akzeptieren, dass Saporischschja, Cherson sowie die Krim zum russischen Staatsgebiet gehören. Des Weiteren wolle man, dass die Ukraine „alle faschistischen Verbrecher“ an Moskau ausliefere, die für „Gräueltaten gegen die russischsprachige Bevölkerung“ verantwortlich seien – ein übliches Narrativ der russischen Propaganda.

„Putins Bluthund“ und der „satanische“ Westen

Im Anschluss wiederholte Kadyrow seine Erzählung von teuflischen Mächten, die in der westlichen Hemisphäre herrschten. „Wir werden nicht mit diesem Satanismus an unserer Seite leben. Wir werden nicht zulassen, dass der Westen unter dem Deckmantel der Hilfe für die Ukraine und der Verbreitung von Slogans über Demokratie unser großes Land zerstört sowie unsere Traditionen und unseren Glauben an Gott vergisst“, erklärte der Verbündete von Kreml-Chef Wladimir Putin.

Die Teilrepublik Tschetschenien und die gesamte Russische Föderation hätten „genügend Freiwillige, Waffen und Enthusiasmus“, um die Befehle Putins auszuüben. Die russischen Kämpfer würden mit all ihrer Kraft verhindern, dass die „Satanisten gegen Russland vorgehen“.

Anfang November hatte Kadyrow bereits mit einem Wutanfall für Aufsehen gesorgt. Er drohte Kriegsdienstverweigerern, die nicht an die Ukraine-Front wollen, mit extrem hohen Geldstrafen. „Und dann marschieren, um Gräben auszuheben und Granaten zu holen!“, schrieb er damals. (tvd)

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