1. Startseite
  2. Politik

Star-Investor George Soros warnt vor drittem Weltkrieg

Erstellt:

Von: Fabian Hartmann

Kommentare

George Soros bittet zu Tisch: In Davos analysiert der Investor bei seinem traditionellen Abendessen die Weltlage. Vor allem Wladimir Putin und Xi Jinping kommen dabei schlecht weg.

Frankfurt – Es sind düstere Worte, die George Soros auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos wählt. „Die Invasion der Ukraine könnte der Beginn eines dritten Weltkriegs sein“, sagte der Milliardär vor ausgewählten Gästen. Europa werde durch den eskalierten Ukraine-Konflikt in seinem Kern erschüttert. Der Kampf müsse schnell enden, so Soros.

Denn: Die Welt stehe vor existenziellen Herausforderungen. „Der Klimawandel ist bald nicht mehr zu stoppen. Das könnte das Ende unserer Zivilisation sein. Ich finde diesen Ausblick besonders beängstigend“, sagte Soros.

George Soros in Davos: Oft liegt der Investor mit Prognosen richtig

Es gehört in Davos schon fast zum guten Ton, dass der Star-Investor Journalist:innen zum Abendessen einlädt. Dabei legt er seine Sicht auf die Welt dar – zahlreiche Warnungen inklusive. Und oft liegt der gebürtige Ungar richtig. So warnte Soros schon vor Jahren, dass sich ein mafiöses Russland dem ebenfalls autoritär geführten China zuwenden könnte, eine neue, gefährliche Allianz so entsteht. Was damals alarmistisch klang, ist heute Realität.

Investor George Soros
Warnt vor einem dritten Weltkrieg: Star-Investor George Soros © Georg Hochmuth/dpa

Soros gilt als Kämpfer für eine offene, liberale und demokratische Gesellschaft. Daran knüpfte er auch in Davos an. Rund 100 Journalisten und Reporter lauschten seinen Worten. Besonders im Blick hatte Soros Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Machthaber Xi Jinping. Beide seinen die größte Gefahr für freie Gesellschaften, sagte er.

George Soros warnt in Davos vor Allianz von China und Russland

China habe die Corona-Pandemie genutzt, um die Bevölkerung noch enger zu überwachen. Das Land sammele mit neuester Technik massenweise persönliche Daten, baue Tech-Konzerne auf. Alles mit einem Ziel: lückenlose Kontrolle. Gleichzeitig scheitere das Land an seiner No-Covid-Strategie. Russland hingegen habe einen blutigen Krieg entfesselt, den das Land nicht gewinnen könne. Damit ketten sich zwei Länder aneinander, die beide in der Defensive seien – eine gefährliche Konstellation, so Soros.

Als risikofreudiger Hedgefondsmanager hat der heute 91-Jährige in den USA ein Vermögen aufgebaut. Geboren wurde Soros 1930 in Budapest. Wegen seiner jüdischen Wurzeln musste sich er sich mit seiner Familie vor den Nazis verstecken. Später floh Soros vor den Sowjets. Erst in die Schweiz, dann nach London, wo er an der London School of Economics (LSE) studierte. Diese Erfahrungen haben Soros geprägt. Mit Blick auf den Krieg heute sagt er: „Die Invasion der Ukraine kam nicht aus heiterem Himmel“. Es sei ein Kampf der Systeme. „In einer offenen Gesellschaft muss der Staat dem Individuum dienen, in einer geschlossenen Gesellschaft ist das Individuum dazu da, dem Herrscher zu dienen“.

Weltwirtschaftsforum: George Soros lobt Bundeskanzler Olaf Scholz

In Davos zeigte sich der frühere Hedgefondsmanager aber auch hoffnungsvoll – zumindest punktuell. Die Krise könne dazu führen, dass Europa enger zusammenrücke. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lobte er beispielsweise. Anders als seine Vorgängerin Angela Merkel (CDU) habe Scholz begriffen, dass Russland nicht mit netten Worten beizukommen sei – auch, wenn es spät gewesen sei. Scholz habe letztlich das Richtige getan, sagte Soros mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine, das Ende der umstrittenen Nordsee-Pipeline Nord Stream 2 und das Sondervermögen für die Bundeswehr. Europa sei viel stärker, als es denke.

Eine Warnung schickte Soros dennoch hinterher. Der Krieg überstrahle zur Zeit alles. Gleichzeitig sage die Wissenschaft, dass es schon bald zu spät sein könnte, den Klimawandel aufzuhalten. Das Ende der Zivilisation sei damit nahe. „Die meisten Menschen finden sich ja damit ab, dass sie irgendwann sterben müssen“, sagte Soros. „Aber sie wollen doch sicher sein, dass die Zivilisation überlebt.“ Zumindest George Soros scheint daran Zweifel zu haben. (fh)

Auch interessant

Kommentare