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Experte: Wenn Teilmobilisierung fehlschlägt, könnte Putin Atomwaffen zünden

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Von: Tim Vincent Dicke

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Putin will den Westen mit Atomwaffen in Angst und Schrecken versetzen. Doch besteht im Ukraine-Krieg wirklich die Gefahr einer nuklearen Eskalation?

Moskau – Kreml-Chef Wladimir Putin bedroht die Welt mit seinem Atomwaffenarsenal. Wie ernst muss man die Drohungen nehmen? Über diese Frage streiten Fachleute, Politiker:innen und Beobachter:innen seit Monaten. Einem Analysten zufolge gibt es im Ukraine-Krieg ein Szenario, bei dem die Gefahr einer nuklearen Eskalation besonders hoch ist.

Seit September setzt die Ukraine die russische Armee massiv unter Druck. Gegenoffensiven haben die ukrainischen Streitkräfte im Osten und Süden rund um Cherson gestartet – mit Erfolg. Innerhalb kurzer Zeit konnten große Gebiete wieder befreit werden. Als Reaktion auf die schweren Verluste verkündete Putin später im September eine Teilmobilmachung. In derselben Rede drohte er dem Westen unverhohlen mit Atombomben.

Russland droht im Ukraine-Krieg mit Atomwaffen

„Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht ist, werden wir natürlich alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Russland und unser Volk zu verteidigen. Dies ist kein Bluff“, erklärte der russische Staatspräsident, nachdem er über eine angebliche „atomare Erpressung“ der Nato sprach. „Die Bürger Russlands können sicher sein, dass die territoriale Integrität unseres Heimatlandes, unsere Unabhängigkeit und unsere Freiheit – ich betone das noch einmal – mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gewährleistet werden“, fügte Putin hinzu.

Russland testet Interkontinentalrakete
Russland warnt die westliche Welt davor, dass es bereit sei, Atomwaffen im Ukraine-Krieg einzusetzen. (Archivbild) © Russian Defense Ministry Press Service/dpa

Erst am Dienstag (18. Oktober) befeuerte Russland die nukleare Rhetorik erneut. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass die vier kürzlich annektierten Regionen in der Ostukraine unter den russischen Atomschirm fallen würden. „Diese Gebiete sind unveräußerliche Teile der Russischen Föderation“, erklärte Peskow vor der Presse. „Für ihre Sicherheit ist auf dem gleichen Niveau gesorgt wie für das übrige russische Territorium“, antwortete Putins Top-Sprecher auf die Frage, ob die Gebiete unter dem nuklearen Schutzschirm ständen.

Nicht einsetzbare Atomwaffen sorgen bei Putin für Frust

Doch die westlichen Waffenlieferungen bleiben trotz der Drohungen nicht aus. In Nato-Staaten ist die Solidarität mit der Ukraine und der Wille, das geschundene Land zu unterstützen, weiterhin ungebrochen groß. Max Bergmann, Europa-Experte der US-amerikanischen Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS), geht deswegen davon aus, dass Putin „verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, diesen Konflikt zu wenden“. Dies sagte er dem Magazin Newsweek.

„Es gibt eine Menge Frustration darüber, dass man als Russe diese riesige Reserve an Atomwaffen hat, die einen Anspruch auf den Status einer Großmacht darstellt. Aber sie sind irgendwie irrelevant – man kann sie nicht wirklich einsetzen, man kann nur damit drohen, sie einzusetzen“, erklärte er die Sichtweise von Putin im Ukraine-Konflikt.

Ein Szenario mit größter Gefahr im Ukraine-Konflikt

Der Fachmann glaubt, dass sich die nuklearen Warnungen aus dem Kreml noch verstärken könnten, sollte die Ukraine weitere Erfolge vermelden können und sich der Halbinsel Krim nähern. Dann müssten westliche Politiker:innen die Drohungen wirklich ernst nehmen.

Aber die größte Gefahr sieht Bergmann in der russischen Teilmobilmachung, die bisher mehr schlecht als recht läuft. „Wenn es zu einem nuklearen Szenario kommen sollte, dann deshalb, weil die Mobilmachung nicht funktioniert hat. Und das lässt sich nicht durch noch mehr Mobilmachungen beheben“, erläuterte der Experte. (tvd)

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