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ist der neue Präsident der Ukraine.

Ukraine

„Es gibt viele Überraschungen“

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Michail Fjodorow aus dem Wahlkampfstab des ukrainischen Präsidenten Selenskyj über die Pläne der neuen Regierung. 

Herr Fjodorow, im Wahlkampf war ihr Kandidat Wolodymyr Selenskyj sehr präsent auf Facebook, Instagram oder Telegram. Wollten Sie, dass Selenskyj und die Wähler ohne Vermittler verkehrten?
Das war weniger Kommunikation mit Wolodymyr als mit unserer Mannschaft. Wir haben nicht versucht, Kommunikation mit Wolodymyr zu imitieren. Wir haben nur versucht, möglichst viele Leute mit Hilfe des Netzes in unsere Kampagne einzubeziehen.

Journalisten hat er jedenfalls gemieden.
Ich glaube, er hat die richtige Strategie gewählt. Haben Sie die Fernsehserie „Der junge Papst“ gesehen?

Hat Selenskyj etwa auch diese Rolle gespielt?
Nein! (lacht) Da wird ein junger Mann zum Papst gewählt und redet darüber, wie du dich verhalten musst, damit die Öffentlichkeit auf dich hört. Sein Prinzip: Du entwertest deine eigene Worte, wenn du zu viel redest.

Und wie hat sich der junge Präsident auf seine Rolle vorbereitet?
Er hat sehr viele Hausaufgaben gemacht. Wolodymyr hat gelernt, sehr viel gelernt. In den vergangenen Wochen hat er sogar die Kommunikation mit uns abstrahiert. Ich habe täglich mit seiner Assistentin telefoniert, sie erzählte, was er gerade studiert, Geschichte oder ukrainische Sprache.

Und dann hat er die Rebellen im Donbas als „Aufständische“ bezeichnet. Für viele ukrainische Patrioten ein peinlicher Fehltritt.
Er hat da reale Zitate von Leuten vorgelesen, selbst auf der Website von Präsident Poroschenko ist von „Aufständischen“ die Rede. Tatsächlich weiß Selenskyi genau, wer diese Rebellen sind, und wie man sie bekämpfen muss.

Was denkt das Team über den Krieg?
Wir führen darüber sehr emotionale Gespräche, es wäre nicht diplomatisch, die Worte wiederzugeben, die da fallen. Aber ich habe die innere Intuition, dass der Krieg sehr schnell zu Ende geht. Selenskyj besitzt eine gewisse Magie. Diese Magie zieht Leute an, die Lösungen anzubieten haben.

Wer wird sich mit der Befreiung der besetzten Gebiete beschäftigen?
Ich weiß es nicht. Aber im Stab gibt es Leute, die an einem Handlungsplan arbeiten, jeden Tag gibt es drei, vier Gruppentreffen, wir nennen sie „philosophische Gruppen“. Als Ergebnis gibt es schon Pläne, fertige Dokumente, sogar Gesetzesvorlagen. Die Öffentlichkeit erwarten viele Überraschungen. Sie dürfen optimistisch sein.

Wirklich? Selenskyj wird mit so umstrittenen Figuren wie Innenminister Arsen Awakow oder dem Oligarchen Igor Kolomoiski in Verbindung gebracht.
Na und. Die gehören nicht zur Mannschaft.

Aber sie haben ihre Leute in der Mannschaft.
Sie meinen Kolomoiskis Anwalt Andrij Bogdan, ja, der gehört zur Mannschaft. Aber er besitzt keinerlei Einfluss auf Selenskyj. Die Leute, die ihn umgeben, sind zu 90, ich denke sogar zu 100 Prozent Menschen, die das Land verändern wollen. Sie sollten hören, worüber sie reden, gebe Gott, dass jemand ihre Gespräche abgehört hat und ins Internet stellt.

Selenskyj hat angekündigt, er werde mit seiner Verwaltung aus dem Präsidialpalast in Kiew ausziehen. Glauben Sie daran?
Zu hundert Prozent. Er will nicht leben wie die Politiker jetzt, davon wird ihm schlecht. Er ist ein anderer Mensch. Er wird schon deshalb ausziehen, um keine Staus im Zentrum zu verursachen.

Sie haben gesagt, Sie wollten selbst kein Staatsbeamter werden. Wie wollen sie da im Team des künftigen Staatsoberhauptes bleiben?
Ich kann zum Beispiel in der Freiwilligenbewegung IGov mitarbeiten, die den Staat digitalisiert. Aber diesen digitalisierten Staat wird jemand leiten, der viel kompetenter ist als ich. Wenn ich aber sehe, dass in meinem Bereich etwas falsch läuft, dann werde ich als Mitglied von Selenskyjs Mannschaft Krach schlagen.

Aber wird er Sie als Präsident noch hören?
Ich sehe, wie er mit Leuten umgeht, die er seit 15 Jahren kennt, wie er das Verhältnis schätzt und pflegt, wie er auch Leuten zuhört, die er nur kurz kennt. Und ich bin mir sicher, dass er sich morgen nicht vor allen Leuten verschließt, die ihn umgeben haben.

Selenskyj präsentierte sich vor den Wahlen nicht nur im Netz. Er spielte außerdem in einer von ihm produzierten Fernsehserie den Lehrer Wassili Goloborodko, der Präsident geworden ist. Glauben Sie, es gibt eine Botschaft, die Selenskyj über Goloborodko mitteilen möchte?
Unbedingt. Er wollte dort seine Werte zeigen. Keine Programmpunkte. Werte. Das Wichtigste ist, ehrlich zu sein und ehrlich zu bleiben, auch wenn du nicht immer den Durchblick hast. Meine Meinung ist, dass man als Präsident ein hervorragender Manager sein muss und ein Visionär. Du kannst dich nicht in allem auskennen, es gibt ja genug Leute, die in den einzelnen Bereichen Bescheid wissen. Du brauchst eine große Vision, Werte und Energie, das ist das Wichtigste.

Jedenfalls ist jetzt in der Ukraine mehr los als in Russland.
Armes Russland. Aber für uns ist das gut. Sie verstehen, was passiert, wenn Selenskyj Präsident geworden ist? Und gebe Gott, dass die Veränderungen in der Ukraine schnell vorangehen. Was wird dann aus Putin? Den werfen sie dort raus, bei Wahlen, wie wir sie jetzt erlebt haben.

Zur Person 

Michail Fjodorow, 28, gehört als IT-Berater dem 20-köpfigen Expertenteam an, mit dem der künftige ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj als Präsident arbeiten will. In Selenskyjs Stab hat er den digitalen Wahlkampf geleitet. 

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