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Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj entlässt Botschafter Melnyk

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Von: Moritz Serif

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Ukraines Präsident Selenskyj entlässt Botschafter Melnyk
Ukraines Präsident Selenskyj hat Botschafter Melnyk entlassen (Archivbild). © Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Wolodymyr Selenskyj hat seinen Botschafter entlassen.

Kiew - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Botschafter seines Landes in Deutschland, Andrij Melnyk, entlassen. Das ging aus einem von der Präsidentenkanzlei in Kiew am Samstag veröffentlichten Dekret hervor. Anfang Juli war bekannt geworden, dass der Diplomat von seinem Posten abgezogen werden soll. Bislang unbestätigten Berichten zufolge soll er Vize-Außenminister des Landes werden.

Melnyk war seit 2015 Botschafter in Deutschland und ist während des russischen Angriffskriegs durch massive Kritik an der Ukraine-Politik der Bundesregierung bekannt geworden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte er beispielsweise eine „beleidigte Leberwurst“ genannt.

Ukraine-Krieg: Ex-Botschafter Melynk bereute Scholz-Äußerung

Das hatte für Verstimmungen mit der Bundesrepublik gesorgt. „Das ist eine Äußerung, die ich im Nachhinein natürlich bedauere“, sagte Melnyk dem Spiegel. „Ich werde mich bei ihm persönlich entschuldigen“, ergänzte er. Die Äußerung sei „diplomatisch nicht angemessen“ gewesen. Dadurch habe er vielen Menschen, nicht nur in Deutschland, vor den Kopf gestoßen.

Zuletzt geriet der Ex-Botschafter wegen Äußerungen über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera unter Druck. Melnyk bestritt in einem Interview mit dem Journalisten Tilo Jung, dass Bandera ein Massenmörder von Juden und Polen gewesen sei.

Äußerungen über Nationalistenführer: Melynk erntet Kritik

Der Nationalist sei gezielt von der Sowjetunion dämonisiert worden. Die israelische Botschaft hatte dem Botschafter daraufhin „eine Verzerrung der historischen Tatsachen, eine Verharmlosung des Holocausts und eine Beleidigung derer, die von Bandera und seinen Leuten ermordet wurden“ vorgeworfen. Das ukrainische Außenministerium hatte sich daraufhin von Melynk distanziert.

Der sonst so schlagfertige Melnyk hatte anschließend tagelang nichts dazu gesagt, reagierte dann aber am Dienstag mit einem Tweet auf die Vorwürfe. Seine Worte adressierte er ausdrücklich auch an die „lieben jüdischen Mitbürger“. Melnyk sprach von absurden Vorwürfen, die er entschieden zurückweise. „Jeder, der mich kennt, weiß: immer habe ich den Holocaust auf das Schärfste verurteilt.“ Die Nazi-Verbrechen des Holocaust seien eine gemeinsame Tragödie der Ukraine und Israels. (mse/dpa)

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