1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Ist Putin bereit für Verhandlungen?

Erstellt:

Von: Stefan Krieger

Kommentare

Seit nunmehr 246 Tagen tobt der Krieg in der Ukraine. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wie realistisch ist eine Lösung auf diplomatischem Weg?

Kiew/Moskau – Immer wieder gibt es Stimmen, die dazu aufrufen, den Ukraine-Krieg mit Verhandlungen zu beenden – oder zumindest einen temporären Waffenstillstand zu erzielen. Diesen Hoffnungen erteilt jetzt ein ehemaliger US-Botschafter in Russland eine klare Absage.

Michael McFaul – Akademiker und der oberste US-Diplomat in Russland am Ende der Regierung von Barack Obama – ist der Ansicht, dass die jüngsten Aufrufe zur Vermittlung einer friedlichen Lösung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine wahrscheinlich vergeblich sind. Jedenfalls so lange Präsident Wladimir Putin nicht die vier Gebiete, die sein Land kürzlich annektiert hat, erobert oder hat oder aber auf dem Schlachtfeld gestoppt wird.

Ukraine-Krieg - Russland
Wladimir Putin setzt immer noch auf eine militärische Lösung des Konfikts. © Mikhail Klimentyev/dpa

Ukraine-Krieg: „Putin will im Moment nicht verhandeln“

„Putin will im Moment nicht verhandeln […]“, schrieb McFaul auf Twitter. „Solange er nicht auf dem Schlachtfeld gestoppt wird, wird Putin seine Invasion nicht beenden. Das sind die dramatischen Tatsachen.“

McFauls Äußerungen sind eine Reaktion auf einen Antrag der Demokraten im Repräsentantenhaus vom vergangenen Montag (24. Oktober). Die Demokraten wollten Präsident Joe Biden ermutigen, direkte Gespräche mit der russischen Regierung zu führen, um einen Waffenstillstand zwischen den beiden Ländern zu vermitteln.

Die Fraktion gab jedoch am Dienstag (25. Oktober) bekannt, dass sie ihren Brief an Biden zurückzieht, nachdem sie sowohl von Konservativen als auch von Liberalen heftig kritisiert wurde. Diese sahen in dem Schritt eine mögliche Kapitulation vor der russischen Aggression in Osteuropa.

Ukraine-Krieg: Putin lehnt Friedensverhandlungen ab

Ebenfalls am Dienstag veröffentlichte das Institute for the Study of War einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass es unwahrscheinlich ist, dass die ukrainischen Streitkräfte die Kontrolle über die von Russland besetzte Region Cherson bis zum Jahresende zurückerobern können. Medienberichten zufolge hat Putin bisher Friedensvereinbarungen abgelehnt, die nicht die Annexion von vier besetzten Regionen im Osten des Landes durch Russland beinhalten.

Andere prominente Persönlichkeiten, wie der ehemalige französische Präsident Emmanuel Macron, hatten kürzlich vorgeschlagen, dass die Verantwortung für ein Friedensabkommen eher bei der Ukraine als bei Russland liegt. Die Rolle des Westens solle sich darauf beschränken, durch Sanktionen weiter wirtschaftlichen Druck auf den Kreml auszuüben.

Ukraine-Krieg: „Es ist das Ende der bestehenden Weltordnung“

Es besteht also im Moment kaum eine reelle Chance auf Verhandlungen. „Dies ist ein Großmachtkonflikt, der dritte Großmachtkonflikt im europäischen Raum innerhalb von etwas mehr als einem Jahrhundert“, erklärte die Russlandexpertin Fiona Hill Anfang des Monats gegenüber Politico. „Es ist das Ende der bestehenden Weltordnung. Unsere Welt wird nicht mehr dieselbe sein, wie sie vorher war.“

Dass Wladimir Putin in der jetzigen Situation willens ist, in Verhandlungen einzutreten, ist äußerst unwahrscheinlich. Und ein Ende des Konflikts liegt nach wie vor in weiter Ferne. (Stefan Krieger)

Auch interessant

Kommentare