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Teilmobilisierung Putins geht offenbar verdeckt weiter - „Noch schlechtere Qualität der Ausbildung“

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Von: Bettina Menzel

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Offenbar geht die Mobilisierung in Russland verdeckt weiter, was sich aus Sicht von US-Kriegsexperten allerdings negativ auf die Qualität der russischen Truppen auswirkt.

Moskau - Im Ukraine-Krieg verkündete der russische Präsident Wladimir Putin am 31. Oktober das offizielle Ende der Teilmobilisierung - allerdings ohne entsprechenden Erlass. Die US-Kriegsexperten des Institute for the Study of War (ISW) hatten schon zu diesem Zeitpunkt vermutet, dass die Teilmobilisierung verdeckt weitergehe. Die Anzeichen dafür verdichten sich nun. Nationalistische Militärblogger behaupten sogar, dass im Dezember oder Januar eine Generalmobilmachung folgen könnte, berichtet merkur.de.

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Russische Reservisten, die im Rahmen einer Teilmobilisierung zum Militärdienst eingezogen wurden, absolvieren eine Zusatzausbildung in der Region Tscheljabinsk in Russland (3. November 2022). © IMAGO/Aleksandr Kondratuk / SNA

Putins Teilmobilisierung geht offenbar für den Ukraine-Krieg verdeckt weiter

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wurden laut Angaben des US-Generalstabschefs Mark Milley 100.000 russische Soldaten verwundet oder getötet. Der Personalbedarf für die russische Armee ist groß, trotzdem verkündete Putin Ende Oktober das Ende der Teilmobilmachung. Zahlreiche Indizien weisen nun darauf hin, dass die Mobilisierung in Russland verdeckt weitergeht. So bestätigte das Militärgericht von Odinzowo in der Oblast Moskau versehentlich, dass die Mobilisierung trotz ihres offiziellen Endes fortgesetzt werde. Das geht aus dem ISW-Bericht vom Freitag hervor.

Eine unabhängige russische Quelle berichtete am Freitag, dass staatliche Strukturen und Unternehmen ihre Mitarbeiter weiterhin auf die Mobilisierung vorbereiten und sie beispielsweise auf verschiedene Schulungsprogramme und mobilisierungsbezogene Lehrgänge schicken würden. In russischen Telegram-Kanälen kursierte zudem ein Bild einer Einberufungsvorladung, die offenbar ein russischer Bürger erhalten hatte. Darin sei der Mann aus St. Petersburg angeblich aufgefordert worden, im Januar 2023 zur Mobilisierung zu erscheinen, so der ISW-Bericht.

Fortsetzung der Mobilisierung setzt russischen Apparat unter Druck

Seit Beginn des Krieges häufen sich die Berichte über die mangelhafte Führung und schlechte Moral in der russischen Armee. Aus militärischer Perspektive fließt nicht nur die Quantität der Soldaten in den Gefechtswert einer Armee ein, sondern auch weitere Faktoren, darunter die Moral. Zudem gibt es offenbar Probleme mit der Ausrüstung der russischen Soldaten sowie mit deren Ausbildung. Der ohnehin schon überlastete russische Apparat, der für die Rekrutierung und Ausbildung der mobilisierten Kräfte zuständig ist, werde nun wahrscheinlich weiter überflutet. Dies werde sich nachteilig auf die Entwicklung der mobilisierten und einberufenen Soldaten auswirken. Der Kremlchef habe das Ende der Teilmobilisierung verkündet, um bürokratische und administrative Kapazitäten für den Einberufungsjahrgang am 1. November freizusetzen, glaubt das ISW.

„Es ist jedoch offensichtlich, dass die russischen Behörden die Mobilisierungsbemühungen nie vollständig eingestellt haben, was bedeutet, dass eine begrenzte Anzahl mobilisierter Rekruten immer noch durch das Ausbildungssystem geschleust wird, während die Wehrpflichtigen ihren eigenen Ausbildungszyklus durchlaufen“, hieß es im aktuellen Bericht weiter. Dies werde wahrscheinlich zu einer noch schlechteren Qualität der Ausbildung sowohl für mobilisierte Rekruten als auch für Wehrpflichtige führen, da sie um die unzureichenden Ausbildungskapazitäten konkurrieren. Eine weitere Mobilisierungswelle werde die Situation nur noch verschlimmern und die Qualität der russischen Truppen wahrscheinlich insgesamt verschlechtern, lautet die Einschätzung der Kriegsexperten.

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