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Ukraine-Krieg: Wie Putin die Welt mit tödlichem Hunger terrorisiert

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Von: Tim Vincent Dicke

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Wladimir Putin bedroht mit seinem Ukraine-Krieg und dem dadurch ausgelösten Hunger den ganzen Globus. Der Westen steckt in einem Dilemma.

Moskau – Mit seinem Krieg gegen die Ukraine terrorisiert Wladimir Putin nicht nur sein Nachbarland im Westen, sondern die ganze Welt. Der russische Staatschef blockiert fast die gesamten Lebensmittelexporte aus der Ukraine – ein Land, das als „Kornkammer der Welt“ den Globus versorgt. Immer wieder treffen russische Geschosse Weizenfelder, Silos und Produktionsanlagen für Nahrungsmittel. Experten sprechen davon, dass Putin den Hunger gezielt als Kriegswaffe einsetzt.

Die Ukraine und Russland gehören zu den größten Weizen-Exporteuren weltweit, verantwortlich für knapp ein Drittel des globalen Bedarfs. Da Russland die ukrainischen Häfen und damit die Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten über das Schwarze Meer blockiert, könnten laut den Vereinten Nationen weltweit 1,4 Milliarden Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein: in Afrika, aber auch in Syrien, Jemen, Libanon und Afghanistan.

Putins Aggression: Ukraine-Krieg verschlimmert Hunger

Nach Angaben der Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) sind Weizenpreise auf dem Kontinent bereits um 60 Prozent angestiegen. Es gibt ein Defizit von zwei Millionen Tonnen Dünger, der zu einem 20-prozentigen Rückgang in der Nahrungsmittelproduktion führen könnte. Der Kontinent könne aufgrund des Kriegs bis zu 13 Milliarden Euro in Nahrungsmitteln verlieren, sagt AfDB-Präsident Akinwumi Adesina. Das könnte noch dieses Jahr weitere 1,8 Millionen Afrikaner in extreme Armut stürzen, warnte er.

Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt am virtuellen G20-Gipfel teil.
Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt am virtuellen G20-Gipfel teil. © Aleksey Nikolskyi/dpa

Vorwürfe, Russland setze Hunger als Waffe ein, werden immer lauter. So kritisiert Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne): „Russland nutzt Hunger ganz bewusst als Kriegswaffe und macht die ganze Welt zur Geisel.“ Ähnliche Worte findet auch Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD). „Man sieht, dass Putin Hunger als Kriegswaffe nutzt, dass er ganz bewusst die Häfen in der Ukraine bombardiert, sodass der Weizen nicht ausgeliefert werden kann“, sagte sie im RBB.

Ukraine-Krieg: Russland weist Hunger-Vorwürfe zurück

Doch Moskau weist entsprechende Anschuldigungen zurück – und gibt dem Westen die Verantwortung. Weil russische Frachtschiffe mit Sanktionen belegt seien, könnten diese kein Getreide exportieren, argumentiert Lawrow. Der Westen behaupte zwar, dass Lebensmittel nicht mit Sanktionen belegt seien, verschweige aber zugleich, dass sie nicht transportiert werden könnten, so der Außenminister.

Der Spiegel sieht hierin ein kompliziertes moralisches Dilemma, vor dem der Westen steht, der sich Menschenwürde und Humanismus seit Jahrzehnten auf die Fahne schreibt. „Gibt er Putins Drängen nach, verliert er eines seiner stärksten Druckmittel in diesem Krieg. Bleibt er hart, riskiert er, irgendwann den Hungertod Hunderttausender Menschen rechtfertigen zu müssen“, schreiben die Autoren des Nachrichtenmagazins in einem sehr ausführlichen Bericht.

„Krieg gegen die Ukraine wirkt wie ein Brandbeschleuniger“

Neben dem Ukraine-Konflikt bedrohen zudem die Corona-Pandemie als auch der Klimawandel die globalen Lieferketten der Lebensmittel. „Der Krieg gegen die Ukraine wirkt wie ein Brandbeschleuniger der bereits existierenden Krisen“, sagte die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, der Süddeutschen Zeitung.

Die Preissteigerungen sieht sie mit großer Sorge. „Für jemanden, der nur drei Dollar pro Tag zum Leben hat, ist es eine Katastrophe, wenn der Brotpreis sich verdoppelt“, erklärt Thieme. Die Welthungerhilfe-Chefin wirft Putin ebenfalls vor, den Hunger als Kriegswaffe einzusetzen: „Das ist eine Kampfführung, die uns in mittelalterliche Zustände zurückführt.“ (tvd/dpa)

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