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Teilmobilmachung sorgt für helle Aufregung: „Wie kann man Russland verlassen?“

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Von: Anika Zuschke

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Russlands Präsident Wladimir Putin winkt.
Immer mehr Russen wollen Putin wohl den Rücken zukehren – die Google-Suche nach Wegen aus Russland explodiert. (Symbolbild) © photothek/Imago

Der Ukraine-Krieg läuft nicht wie von Putin geplant – das wirkt sich auch auf die Moral der Menschen aus. Die wollen raus aus dem Land.

Update vom 21. September 2022, 17.00 Uhr: Am Mittwochmorgen (21. September) verkündete der russische Präsident die Teilmobilmachung zahlreicher Reservisten – und nur wenige Stunden später bildet sich an der Grenze zwischen Russland und Finnland ein kilometerlanger Stau. Einem Journalisten auf Twitter zufolge handelt es sich um eine Autoschlange von bis zu 35 Kilometern, die stündlich länger werde. „Das ist die einzige Grenze, die für russische Zivilisten mit Schengen-Visa noch offen ist“, erklärt der Journalist den enormen Andrang.

Erstmeldung vom 21. September 2022: Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin gerät mit Blick auf die erfolgreiche Gegenoffensive der Ukraine zunehmend unter Druck – und das scheinen seine Landsleute zu merken. In Russland droht die Stimmung zu kippen, die Kritik am autoritären Regime wird lauter und offenbar planen immer mehr Menschen, das Weite zu suchen.

Schon am Dienstag (20. September) war die Anzahl der Google-Suchanfragen „Wie kann man Russland verlassen“ geradezu explodiert. Eine für 18.00 Uhr Moskauer Zeit angekündigte Rede von Wladimir Putin ließ die Menschen in Russland anscheinend nervös werden. Kurz vor der geplanten Rede erreichte die Google-Suche dann ihren Höhepunkt.

Teilmobilmachung: „Wie kann man Russland verlassen?“ in Google-Trends ganz oben

Dem Nachrichtenportal Newsweek zufolge hatte der Kreml zeitgleich signalisiert, dass er auf Verluste in der Ukraine mit aggressiveren Ansätzen reagieren wird, die auch „normale Russen“ treffen könnten. Tatsächlich verkündete Putin am Mittwochmorgen bei der verschobenen Fernsehansprache schließlich eine Teilmobilmachung der Streitkräfte.

Die Teilmobilmachung bedeutet, dass zunächst Reservisten eingezogen werden – Verteidigungsminister Sergej Schoigu sprach dabei von 300.000 Menschen, die davon betroffen sind. Laut Putin geht es darum, russische Gebiete und das Volk zu verteidigen. Dafür werde Russland „alle verfügbaren Mittel“ nutzen. Das Dekret zur Teilmobilmachung ist bereits unterzeichnet, die Mobilisierung beginnt noch am 21. September.

Teilmobilmachung: Ansturm auf One-Way-Flügen nach Teilmobilmachung

Dem russischen Telegram-Kanal Mozhem Obyasnit (deutsch: „Wir können das erklären“) zufolge verzeichnete Russland neben der explodierenden Anfrage für Wege aus dem Land auch einen Anstieg der Suchanfragen nach einem Aufschub des Militärdienstes. Um dem vorzubeugen, wurde am 20. September bereits ein Gesetz zur Verschärfung der Strafen für desertierte Soldaten vom russischen Gesetzgeber vorangetrieben. Dieses soll demnach auch „Mobilmachung, Kriegsrecht und Kriegszeiten“ in das Strafgesetzbuch des Landes aufnehmen.

Statistiken von Google Trends zeigen am Mittwoch zudem, dass die Nachfrage in Russland nach One-Way-Flügen rasant wächst. Es gibt einen sprunghaften Anstieg der Suchanfragen nach Aviasales, der beliebtesten russischen Website für den Kauf von Flügen. Direktflüge von Moskau nach Istanbul und Eriwan in Armenien sind laut Aviasales heute ausverkauft. Beides sind Ziele, die eine visumfreie Einreise ermöglichen.

Teilmobilmachung: Hunderttausende Menschen haben Russland bereits verlassen

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben ohnehin bereits Hunderttausende Landsleute ihre Sachen gepackt und Russland den Rücken zugekehrt. Wie n-tv Anfang September berichtete, sind laut der russischen Statistikbehörde im ersten Halbjahr bereits 419.000 Menschen aus Russland ausgereist. Das seien mehr als doppelt so viele Menschen wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum – und damit zum ersten Mal in der jüngeren russischen Geschichte mehr Aus- als Einwanderer. (Anika Zuschke)

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