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„Hochriskant“: US-General warnt davor, Weizen-Blockade militärisch zu lösen

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Von: Julius Fastnacht

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Durch Russlands Abriegelung des Schwarzen Meers steht die Welt vor einer Hungersnot. Gegen eine militärische Lösung spricht sich jetzt aber ein US-General aus.

London – Indem er ukrainische Häfen blockiert, droht Wladimir Putin der Welt bewusst mit einer Hungerkrise. Denn das Land gilt als einer der größten Weizenexporteure – aktuell sitzen etwa 20 Millionen Tonnen des Getreides auf dem Trockenen und können nicht verschifft werden. Erst kürzlich warnte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Davos mit drastischen Worten: „Wenn wir hier nicht schnell und entschieden gegensteuern, droht uns die weltweit größte Hungersnot seit Jahrzehnten.“ Vor allem ärmere Staaten im Globalen Süden sind von einem russischen Weizenembargo betroffen.

Davor, die Route über das Schwarze Meer per militärischer Aktion zu befreien, hat jetzt allerdings US-Generalstabschef Mark Milley gewarnt. Laut einem Bericht des Nachrichtensenders NTV sagte er in London: „Derzeit sind die Seewege durch Minen und die russische Marine blockiert.“ Ein Militäreinsatz eines oder mehrerer Staaten sei aufwendig und darüber hinaus „hochriskant.“

Mark A. Milley, Generalstabschef der USA, warnt vor einer militärischen Öffnung der Seeroute übers Schwarze Meer.
Mark A. Milley, Generalstabschef der USA, warnt vor einer militärischen Öffnung der Seeroute übers Schwarze Meer. © Boris Roessler/dpa

Ukraine-Krieg: Diplomatische Vorschläge zur Lösung der Weizen-Blockade

Am Wochenende hatten Olaf Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron mit dem Kreml-Chef telefoniert. Die Schwarzmeer-Blockade soll dabei Thema gewesen sein. NTV zufolge schlug Macron zur Lösung der Frage eine UN-Resolution vor, um „dieser Operation einen sehr klaren Rahmen“ vorzugeben. Aber: ein Einlenken verknüpfte Putin wohl mit dem Ende der Sanktionen des Westens gegen Russland.

Die diplomatischen Bemühungen werden auch andernorts weiter hochgefahren. So bemüht sich etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan um eine Aufhebung des Export-Stillstands. Sogar zu konkreten Verhandlungen mit Russland und der Ukraine über einen Korridor für Weizenexporte sei es in der vergangenen Woche gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Ukraine-Konflikt: Kiew beschuldigt Putin des Getreidediebstahls

Währenddessen ist die Getreidelage in der Ukraine selbst angespannt. Wie die Tagesschau berichtet, hat Moskau zusätzlich zu den Hafen-Blockaden begonnen, aus der eroberten Gegend um Cherson Getreide nach Russland zu bringen. Das bestätigte ein hochrangiges Mitglied der russischen Militärverwaltung gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Die Ausfuhr des letztjährigen Ernteertrages sei in Gange, ein Teil habe auch russische Käufer gefunden. In den ukrainischen Lagern müsse Platz für die diesjährige Ernte geschaffen werden, sagte der Militär – unklar bleiben allerdings die genauen Verkaufsbedingungen. Kiew beschuldigte Russland jedenfalls des Diebstahls. Fast 500.000 Tonnen an Getreide hätte Russland illegal aus dem Land geschafft, so der Vorwurf. (juf)

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