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Schwere Verluste: Russland sucht mit Stellenanzeigen neue Soldaten

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Von: Tobias Utz

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Die Lage in Russlands Armee scheint dramatisch zu sein: Einem Bericht zufolge werden Soldaten per Stellenanzeigen gesucht.

London/Moskau – Die russische Armee musste im Ukraine-Krieg bereits schwere Verluste hinnehmen. Nachdem der Kreml diese wochenlang dementierte, überraschte Sprecher Dmitri Peskow kürzlich mit Aussagen in einem Interview. Die Verluste seien „bedeutend“, der Tod von Soldaten eine „Tragödie“. Zuvor hatten bereits der ukrainische Geheimdienst und die Bundeswehr Stellungnahmen abgegeben, in welchen es hieß, dass die „Moral“ und der „Kampfwille“ der Soldaten rapide sinke.

Russland scheint darauf zu reagieren. Offenbar sucht der Kreml seit Wochen per Stellenanzeigen nach neuen Streitkräften. Wladimir Putin gab bereits vor Wochen bekannt, dass die Armee vor allem aus Vertragsbediensteten und Berufssoldaten bestehe. Einem Bericht der BBC zufolge, befinden sich die massenhaften Stellenanzeigen auf Jobportalen wie „HeadHunter“ oder „Superjob“. Allein auf „Superjob“ gibt es laut Bericht mehr als 500 Anzeigen, bei „HeadHunter“ über 3000. Die Stellenbeschreibungen sind eindeutig militärisch – einige Beispiele: „Kanoniere“, „Aufklärer“, „Maschinengewehrschützen“, Flugabwehrschützen“, „Granatwerfer“.

Schwere russische Verluste im Ukraine-Krieg: Kurzfristige Verträge für „Notfall“

Bewerbungen von Reporter:innen der BBC auf derartige Stellen führten zu raschen Erfolgen. „In den meisten Fällen fragten die Anwerber nach militärischer Erfahrung und nach Einzelheiten des Lebenslaufs, weigerten sich aber, am Telefon Einzelheiten über den künftigen Dienst zu verraten“, heißt es im Bericht. In zahlreichen Fällen seien die Bewerber:innen für den nächstmöglichen Termin eingeladen worden. Das angebotene Gehalt schwankte demnach zwischen 330 und 2350 Euro.

Wladimir Putin
Wladimir Putin und seine Berater. (Archivfoto) © Mikhail Klimentyev/AP/dpa

Russlands Stellenanzeigen auf den Jobportalen zeigen möglicherweise die Dramatik der militärischen Lage. In der Regel werden in der Armee keine Stellen unter einer Vertragslaufzeit zwischen zwei und fünf Jahren besetzt. Die angebotenen Jobs in der Armee enthalten allerdings teilweise Verträge für drei bis sechs Monate. Solche Regelungen sind rechtlich in Russland nur „in Notfällen“ möglich. Derweil ist unklar, wie viele Soldaten das russische Militär verloren hat. In offiziellen Statements des Kreml ist von rund 2000 die Rede. Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, geht allerdings von mehr als 20.000 aus.

Russland musste kürzlich nicht nur personelle, sondern auch materielle Verluste hinnehmen. Das Kriegsschiff „Moskwa“ sank unerwartet. Dahinter steckt wohl der Raketenbeschuss von ukrainischen Streitkräften. (tu)

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