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Protest gegen Putin: TV-Journalistin hat Angst um ihre Familie

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Von: Karolin Schäfer

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Marina Owssjannikowa sagt, sie habe mit ihrem Protest gegen den Ukraine-Krieg das Leben ihrer Familie zerstört, will Russland aber nicht verlassen.

Moskau – Der Krieg in der Ukraine tobt weiter. Widerstand und Proteste gegen den Ukraine-Konflikt* gibt es nicht nur hierzulande, sondern auch in Russland*.

Während einer Live-Übertragung im russischen Staatsfernsehen sprang die Journalistin Marina Owssjannikowa plötzlich ins Bild und rief: „Nein zum Krieg“. Dazu hielt sie ein Schild mit der Aufschrift: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.“ Owssjannikowa war wenige Sekunden zu sehen, bis die Übertragung beendet wurde. Für ihre Protestaktion erfuhr sie internationale Aufmerksamkeit.

Ukraine-Krieg: Journalistin droht nach TV-Protest lange Haftstrafe

Daraufhin wurde die russische Journalistin festgenommen und vom Bezirksgericht Ostankinsky mit einer Geldstrafe von 30.000 Rubel (etwa 260 Euro) verurteilt. Nun seien auch Ermittlungen aufgrund der angeblichen Verbreitung von Lügen über Russlands Streitkräfte aufgenommen worden, meldete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf eine Quelle bei den Ermittlungsbehörden. Durch das neue Mediengesetz drohen Owssjannikowa bis zu 15 Jahren Haft. Denn: In Russland ist es neuerdings verboten, von „Krieg“, „Invasion“ oder „Einmarsch“ in der Ukraine* zu sprechen.

Marina Owssjannikowa spricht zu den Medien, als sie das Bezirksgericht Ostankinsky verlässt, nachdem sie zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel verurteilt wurde.
Marina Owssjannikowa spricht zu den Medien, als sie das Bezirksgericht Ostankinsky verlässt, nachdem sie zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel verurteilt wurde. © AFP

Inzwischen habe Owssjannikowa „alle Dokumente“ für ihre Kündigung beim Nachrichtensender Channel One eingereicht, erzählte die 44-Jährige gegenüber dem TV-Sender France 24 am Donnerstag (17.03.2022) in Moskau. Das sei „ein legales Verfahren“, ergänzte sie. Mit ihr sollen auch weitere Kolleginnen und Kollegen bei dem TV-Sender gekündigt haben.

Marina Owssjannikowa
Geboren1978 in Odessa
WohnortMoskau

Die Mutter von zwei Kindern, einem 17-jährigen Sohn und einer 11-jährigen Tochter, zeigte sich weiterhin besorgt. Mit der Protestaktion gegen den Ukraine-Krieg* habe sie, wie sie selbst sagt, „das Leben unserer Familie zerstört“. Vor allem ihr Sohn sei verängstigt. „Aber wir müssen diesem Bruderkrieg ein Ende setzen, damit dieser Wahnsinn nicht zu einem Atomkrieg wird“, so Owssjannikowa. „Wenn er älter ist, wird er hoffentlich verstehen, warum ich das getan habe.“

Der Screenshot aus der abendlichen Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens zeigt die Protestaktion von Marina Owsjannikowa.
Der Screenshot aus der abendlichen Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens zeigt die Protestaktion von Marina Owsjannikowa. © dpa

Ukraine-Krieg: Journalistin will in Russland bleiben

Der französische Präsident Emmanuel Macron bot Owssjannikowa nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP konsularischen Schutz an. „Wir leiten diplomatische Maßnahmen ein, damit sie unter den Schutz der Botschaft gestellt wird“, so Macron. Zudem will der Präsident die Protestaktion bei seinem nächsten Treffen mit Wladimir Putin* ansprechen.

Trotz Angst um ihre Sicherheit, will die Journalistin Russland dennoch nicht verlassen. „Wir werden in Russland bleiben“, sagte Owssjannikowa in einem Interview mit dem Spiegel am Mittwoch (16.03.2022) über sich und ihre Familie. „Ich bin Patriotin“, so Owssjannikowa weiter. „Wir wollen auf keinen Fall weg, nirgendwo hin auswandern.“ Dabei stehe fest: „Mein Leben hat sich für immer verändert, das begreife ich erst langsam. Ich kann nicht mehr zurück in mein altes Leben.“

Bereits zu Beginn von Putins Invasion wurde Russland beschuldigt, im staatlichen Fernsehen ein stark verzerrtes Bild des Ukraine-Krieges wiederzugeben. In dem Nachbarland sei es „ein ganz gewöhnlicher Tag“, „alles still und ruhig“. (kas mit dpa-Material) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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