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Ukraine-Krieg: Tschernobyl-Beschäftigte wohl nach Russland verschleppt

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Von: Sandra Kathe

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Bis zu 170 Mitarbeitende des Kernkraftwerks Tschernobyl sind laut Angaben der ukrainischen Regierung von russischen Truppen nach Russland entführt worden.

Kiew – Nach dem Rückzug der russischen Truppen von der Atomruine in Tschernobyl hat die ukrainische Regierung in Kiew schwere Vorwürfe gegenüber Russland erhoben. Demnach seien in den ehemaligen Kraftwerksgebäuden Hinweise gefunden worden, dass bis zu 170 Mitarbeiter des ehemaligen Kernkraftwerks über Wochen ohne Licht, Frischluft oder Kontakte nach außen in einem Bombenschutzkeller festgehalten und dann nach Russland verschleppt wurden.

Das berichtete der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj einem Reportageteam von CNN, die als erste Journalist:innen seit Beginn des Ukraine-Kriegs auf das Gelände des Kraftwerks 150 Kilometer nördlich von Kiew gelassen wurden. Der CNN-Reporter Frederik Pleitgen teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter Bilder und Videos von der Begehung, die die Anschuldigungen gegenüber den russischen Soldaten in Teilen bestätigen. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben jedoch zunächst nicht.

Ukraine-Krieg: CNN-Team dokumentiert in Tschernobyl Hinweise auf Verschleppung von Ukrainern

Von den bis zu 170 diensthabenden Beschäftigten des ehemaligen Kraftwerks fehle nach dem Rückzug russischer Soldaten von der am 24. Februar eingenommenen Atomruine jede Spur. Die Regierung in der Ukraine geht deshalb davon aus, dass die Tschernobyl-Beschäftigten wie hunderttausende weitere Ukrainer:innen nach Russland verschleppt worden sind.

Nach dem Rückzug der russischen Soldaten vom Tschernobyl-Gelände hat erstmals ein Reportageteam Details über die Besetzung der Atomruine berichtet.
Nach dem Rückzug der russischen Soldaten vom Tschernobyl-Gelände hat erstmals ein Reportageteam Details über die Besetzung der Atomruine berichtet. © Oleksandr Ratushniak/dpa

„Die Gefangenen wurden gegen ihren Willen nach Russland gebracht und niemand in der Ukraine weiß, wo sie festgehalten werden oder wie es ihnen geht“, berichtet Pleitgen auf seinem Twitter-Kanal. „Der Innenminister sagt außerdem, dass die russischen Soldaten zahlreiche Wertgegenstände und Mobiltelefone ihrer Gefangenen gestohlen hätten“.

Ukraine-Krieg: Behörden berichten von möglicher Verstrahlung russischer Soldaten

Zudem hätten die Beschäftigten der ukrainischen Regierung Hinweise darauf gefunden, dass die russischen Soldaten in dem nach dem Atomunfall 1986 eingerichteten Sperrgebiet, dem sogenannten „Roten Wald“, Gräben ausgehoben hätten und dabei möglicherweise verstrahlt worden seien. „Wir haben in den Quartieren der russischen Besatzer erhöhte Strahlungswerte nachgemessen. Die Ukrainer erklären das damit, dass die Soldaten in die kontaminierten Gebiete gegangen sind und mit radioaktivem Staub an den Schuhen zurückkamen“, berichtet Pleitgen auf Twitter.

Die staatliche Behörde für das Management der Sperrzone rund um den Reaktor teilte mit, es sei zu früh für Schlussfolgerungen. Punktuelle Messungen zeigten jedoch signifikante Werte. Die Behörde warnte davor, dass ein Aufenthalt in der Gegend äußerst gefährlich sei. Ukrainische Behörden warfen den Russen zudem vor, sie hätten das Langzeitarchiv des Kraftwerks zerstört sowie alle Büroräume beschädigt. Darunter sei auch ein modernes Labor im Wert von sechs Millionen Euro, wie der Betreiber Enerhoatom mitteilte. (ska/dpa)

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