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Kreml: Ukraine-Krieg „macht das Leben in Russland besser“

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Von: Nail Akkoyun

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Das Bolschoi-Theater in Moskau, während des Ukraine-Kriegs bewacht von der Polizei.
Das Bolschoi-Theater in Moskau, während des Ukraine-Kriegs bewacht von der Polizei. © Mikhail Japaridze/AFP

Der Regierung von Wladimir Putin zufolge soll der Ukraine-Krieg das Leben in Russland nur sicherer machen. Doch es bleiben Zweifel

Moskau – Rund drei Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs, nach zahlreichen Sanktionen gegen Russland und wirtschaftlichen Folgen auf der ganzen Welt, beharrt der Kreml weiterhin darauf, dass die „militärische Spezialoperation“ nach Plan verlaufen. Und nicht nur das: Der Krieg werde das Leben der Russ:innen auf Dauer verbessern, behauptet zumindest Moskau.

„Wir befinden uns in der Tat in einem perfekten Sturm und in der Stunde der Wahrheit, in der wir unsere Interessen schützen und dafür sorgen werden, dass Ihr Leben besser, komfortabler, stabiler und sicherer wird“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag (17. Mai). In seiner Präsident betonte Peskow, dass Wladimir Putin „weiß, wohin er unser Land führt“ und dass „das ganze Land hinter ihm steht“.

Russland: Einfaches Volk soll vom Ukraine-Krieg nur profitieren

Laut Peskow sei der Kreml „zuversichtlich, dass wir gewinnen und alle unsere Ziele erreichen werden“ – die Realität zeichnet aktuell jedoch ein anderes Bild. Mit einem einfachen Blitzkrieg, wie anfangs von Putin und seinem engem Kreis erwartet, lässt sich der Ukraine-Konflikt nicht lösen. Eine erhoffte Marionettenregierung ließ sich in Kiew bislang ebenfalls nicht installieren. „Das einfache russische Volk“, welches laut Peskow besonders profitieren soll, dürfte in den vergangenen Monaten am meisten unter den wirtschaftlichen Folgen gelitten haben.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow während einer Rede am 17. Mai.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow während einer Rede am 17. Mai. © Sergei Fadeichev/Imago

Denn der Krieg in der Ukraine, der als heroischer Kreuzzug gegen „drogensüchtige Neonazis“ propagiert wird, hat unter anderem dazu geführt, dass Hunderte ausländische Unternehmen sich aus Russland zurückgezogen hatten. Angaben des ukrainischen Generalstabs zufolge seien darüber hinaus bereits circa 27.000 russische Soldaten in Gefechten getötet worden. Überhaupt scheint sich Putins Militär im Nachbarland nur schwerlich zu behaupten.

Köpfe rollten aufgrund der desaströsen Invasion schon mehrfach. Internationale Medien berichteten in der jüngeren Vergangenheit über die Verhaftung russischer Generäle, da Wladimir Putin ihnen die Schuld an dem Fiasko gab. Andere Top-Generäle starben hingegen an der Front. Die Versenkung des russischen Flaggschiffs „Moskwa“, welche sich laut Moskau nur aufgrund eines Sturms ereignet haben soll, setzte Putins Dilemma die Krone auf.

Putin mischt sich in Ukraine-Krieg ein: Truppen witzeln angeblich über eigenes Militär

Wie ein westlicher Geheimdienstmitarbeiter gegenüber der britischen Zeitung The Guardian berichtete, ist Wladimir Putin allerdings stark in die Planung der einzelnen Manöver involviert – und damit für viele der Rückschläge mitverantwortlich. „Wir glauben, dass Putin und Gerassimow an taktischen Entscheidungen auf einer Ebene beteiligt sind, die man normalerweise von einem Oberst oder Brigadier erwarten würde“, so eine von der Zeitung zitierte Militärquelle.

Das russische Staatsoberhaupt soll sogar an der Planung von Truppenbewegungen im Donbass beteiligt gewesen sei, wo in der vergangenen Woche ein ganzes Bataillon der russischen Armee ausgelöscht wurde, als es wiederholt versuchte, einen Fluss in der Region Luhansk zu überqueren. Diese Fehlschläge halten Putin aber offenbar nicht davon ab, sich weiter als Militärstratege zu probieren.

Der ukrainische Sicherheitsdienst hat zudem mehrere Tonaufnahmen von angeblich abgefangenen Gesprächen zwischen russischen Truppen veröffentlicht, in der sich über die Vorstellung von Russlands Militär als „Großmacht“ lustig gemacht wird. Die Authentizität dieser Aufnahmen lassen sich unabhängig jedoch nicht überprüfen. (nak)

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