1. Startseite
  2. Politik

Wintereinbruch in der Ukraine: „Jeder befreite Meter ist sehr, sehr hart“

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

In der Ukraine wird der Winter immer präsenter. Russland setzt auf die sinkende Moral der ukrainischen Bevölkerung, vergisst dabei aber die der eigenen Armee.

Kiew – Das zunehmend kalte Winterwetter stellt die Ukraine vor neue Herausforderungen. Während Schlamm und Eis für schwierigere Kampfbedingungen auf dem Schlachtfeld sorgen, wird die Aufgabe der Regierung, die durch die russischen Bombardierungen zerstörte Stromversorgung wiederherzustellen, noch dringlicher.

So forderte das staatliche Energieunternehmen Ukrenergo die Bevölkerung auf, weiterhin sparsam mit dem Strom umzugehen, um die geschwächte Infrastruktur nicht zu überlasten. Rund 80 Prozent des Bedarfs der Ukraine seien allerdings gedeckt, da die ukrainischen Atomkraftwerke wieder ans Netz gegangen sind. Doch auch Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zudem am Samstag (26. November), „wie wichtig es jetzt ist, Strom zu sparen und vernünftig zu verbrauchen.“

Moskau hat seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur in den letzten Wochen verstärkt: Ein harter Winter könnte die Moral der Ukrainer:innen untergraben, so die Theorie. Doch unabhängig von den Angriffen der russischen Armee, die im Ukraine-Krieg ebenfalls mit den niedrigen Temperaturen zu kämpfen hat, sorgt der Winter immer mehr für Schwierigkeiten.

Ein ukrainischer Soldat sitzt auf einem Etagenbett an einem Ofen in der Region Saporischschja. (Archivfoto)
Ein ukrainischer Soldat sitzt auf einem Etagenbett an einem Ofen in der Region Saporischschja. (Archivfoto) © Dmytro Smolienko/Imago

Ukraine-Krieg: Kaum Fortschritte seit Cherson-Befreiung – für beide Armeen

Selenskyj bezeichnete den 11. November – den Tag, an dem seine Armee die Stadt Cherson zurückerobert hatte – als einen „historischen Tag“. Seitdem konnten allerdings keine der beiden Kriegsparteien nennenswerte Fortschritte verzeichnen. „Das Gesamttempo der Operationen entlang der Frontlinie hat sich in den letzten Tagen aufgrund der sich verschlechternden Wetterbedingungen verlangsamt“, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Forschungsinstituts Institute for the Study of War.

In der Ostukraine haben beide Seiten stärkere Verteidigungspositionen errichtet und Gräben ausgehoben, um sich vor dem Gefechtsfeuer und den Wetterbedingungen zu schützen. Serhiy Haidai, Leiter der Militärverwaltung in der Region Luhansk im Osten, erklärte am Sonntag (27. November) auf Telegram: „Jeder befreite Meter in der Region Luhansk ist sehr, sehr hart.“

Expert:innen zufolge kann die Kälte die Moral der ukrainischen Truppen durchaus beeinflussen. Doch die westliche Unterstützung für die Ukraine – zu der unter anderem auch Kleidung für den Winter gehört – könnte dazu beitragen, der Armee einen Vorteil zu verschaffen. Im Gegensatz dazu schickt Moskau die eigenen Soldaten Medienberichten zufolge schlecht vorbereitet und ohne passende Kleidung in den Krieg. Besonders frisch mobilisierte, russische Männer dürfte der Winter schlussendlich am härtesten treffen – und damit auch Russland selbst. (nak)

Auch interessant

Kommentare