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„Wo seid ihr?“ Wagner-Gruppe teilt gegen Militärführung aus

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Von: Sebastian Richter

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Prigoschin und der Kreml entfernen sich immer weiter voneinander. Wagner-Söldner sind unzufrieden mit der militärischen Führung im Ukraine-Krieg – ihr Chef springt ihnen bei.

Moskau – Die berüchtigte Wagner-Gruppe hat eine öffentliche Auseinandersetzung mit der russischen Militärführung und staatlichen Medien begonnen. Mitglieder der Wagner-Gruppe haben ein Video veröffentlicht, in dem sie ihren Unmut gegenüber der Führung öffentlich machen. Sie fordern darin mehr Waffen für den Kampf in der Ukraine und beschimpfen den russischen Generalstabschef der Streitkräfte, General Waleri Gerassimow. Der Anführer und Gründer der Wagner-Gruppe unterstützt die Forderungen seiner Kämpfer.

„Wir haben nichts, womit wir kämpfen können, wir haben keine Munition. Die Jungs dort sterben für uns... Wir kämpfen gegen die gesamte ukrainische Armee bei Bachmut. Wo seid ihr? Es wird Zeit, dass ihr uns helft“, sagte einer der Wagner-Kämpfer in dem Video, das in den sozialen Medien verbreitet wurde.

News zum Ukraine-Krieg: Wagner-Chef Prigoschin bestätigt Echtheit des Videos

Das Video aus dem Ukraine-Krieg sei gestellt, verbreiteten russischen Medien als Reaktion auf die Beschimpfungen. Bei den im Video gezeigten Kämpfern handele es sich um Ukrainer in russischen Uniformen. Der Gründer der Wagner Gruppe, Jewgeni Prigoschin, widerspricht diesen Berichten allerdings. „Es gibt keine [ukrainischen] Nationalisten in diesem berüchtigten Video“, sagte Prigoschin in einer Nachricht, die auf dem Telegram-Kanal seines Unternehmens Concord Management and Consulting gepostet wurde.

Stattdessen bestätigte Prigoschin, dass es sich bei den Männern um Kämpfer aus seiner Wagner-Gruppe handelt – und sprang ihnen noch bei. „Die Jungs haben mich gebeten, weiterzugeben, dass es schwer ist, die Probleme an der Front zu hören, wenn man in einem warmen Büro sitzt, aber wenn man jeden Tag die toten Körper seiner Freunde schleppt und sie zum letzten Mal sieht, dann wird Nachschub dringend benötigt. Und man möchte, dass sich jeder rührt und zumindest in gewisser Weise darüber nachdenkt, wie es den Menschen an der Front geht“, sagte Prigoschin. Die von seinen „Jungs“ angesprochenen Probleme, die „leider bei jedem Schritt auftauchen“, werde man lösen oder eine Lösung erzwingen.

Ein Soldat der Wagner-Gruppe im Oktober. Die Söldner sind sauer auf ihre militärische Führung. (Archivfoto)
Ein Soldat der Wagner-Gruppe im Oktober. Die Söldner sind sauer auf ihre militärische Führung. (Archivfoto) © Imago/Viktor Antonyuk

News zum Ukraine-Krieg: Prigoschin entfernt sich von der Führung im Kreml

Prigoschin, bekannt als „Putins Koch“, ist schon öfter mit einer für russische Verhältnisse ungewöhnlichen Kritik am Kreml aufgefallen. Der Unternehmer verfolgt zunehmend eigene Interessen und macht sich für eine Zeit nach Putin bereit, heißt es. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs tritt Prigoschin immer öfter in die Öffentlichkeit.

Nach einem Bericht des US-Magazins Newsweek mit Bezug auf Middle East Institute (MEI) schießt Prigoschin auch öfter in Richtung der militärischen Führung. Verteidigungsminister Schoigu sei dabei eines der Hauptziele. Einer der möglichen Gründe für die Fehde: 2014 entließ Schoigu seinen Stellvertreter, von dem Prigoschin lukrative Verteidigungsaufträge erhalten haben soll.

News zum Ukraine-Krieg: Prigoschin kauft Waffen für seine Söldner aus Nordkorea

Außerdem soll Prigoschin Waffen aus Nordkorea für seine Wagner-Söldner gekauft haben, die von den Kämpfern im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. „Wir können bestätigen, dass Nordkorea eine erste Waffenlieferung an die Wagner-Gruppe abgeschlossen hat, die für diese Ausrüstung bezahlt hat“, sagte John Kirby, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, vor Weihnachten laut Newsweek. „Letzten Monat hat Nordkorea Raketen nach Russland geliefert, die von Wagner verwendet werden sollen“, heißt es weiter.

Prigoschin selbst bestritt die Geschäfte mit Nordkorea. „Jeder weiß, dass Nordkorea seit langem keine Waffen mehr an Russland liefert. Und es wurden auch keine solchen Bemühungen unternommen“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Erklärung Prigoschins. „Daher sind die Waffenlieferungen aus Nordkorea nichts als Gerüchte und Spekulationen“, heißt es weiter. (spr)

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