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Russlands Staats-TV: Journalist wirft Kollegen Heuchelei im Umgang mit Putin vor

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Von: Helena Gries

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Putins Krieg in der Ukraine unterstützen und andere Kriege verurteilen? Das sei Heuchelei, kritisiert ein Gast in Russlands Staats-TV.

Moskau – Der in Russland lebende amerikanische Journalist Michael Bohm hat einen Fernsehmoderator und dessen Kollegen im russischen Staatsfernsehen kritisiert und ihnen Heuchelei vorgeworfen. Der russische TV-Moderator Roman Babyan soll demnach den Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine unterstützen, andere Kriege hingegen verurteilen.

Bohm, der für seine regelmäßigen Gastauftritte in politischen Programmen des russischen Fernsehens bekannt ist, soll den Ukraine-Krieg mit den Bombardierungen der Nato im Kosovo, in Serbien oder im ehemaligen Jugoslawien im Jahr 1999 vergleichen haben. Der Beitrag des russischen Staatsfernsehens wurde von der amerikanischen Kolumnistin Julia Davis, welche die Plattform Russian Media Monitor mitbegründet hat, bei Twitter aufgegriffen und kommentiert.

Ukraine-Krieg: Amerikanischer Journalist wirft TV-Moderator Heuchelei vor

Der Vorfall wurde auch vom US-amerikanisches Nachrichtenmagazin Newsweek thematisiert. Bohm habe demnach den Moderator der russischen TV-Sendung gefragt: „Wie oft haben wir von Ihnen und anderen gehört, dass der Militäreinsatz der Nato im Kosovo und in Serbien im Grunde absolut illegitim ist, weil es kein UN-Mandat gab. Er wurde als amerikanische Gesetzlosigkeit beschrieben, eine eklatante Missachtung des Völkerrechts“. Er fragte außerdem, ob Russland ein UN-Mandat für seine Militäraktionen in der Ukraine habe, woraufhin Fernsehmoderator Babyan mit „Nein“ antwortete.

„Oh, aber es ist anders, richtig?“, fragte Bohm anschließend. Auf Bohms Frage, ob beide Kriege unterschiedlich seien, antwortete der Gastgeber: „Wir führen eine spezielle Militäroperation durch, und die Nato führte ihre spezielle Militäroperation durch.“

Der amerikanische Journalist Michael Bohm kritisiert einen russischen TV-Moderator und wirft ihm Heuchelei vor.
Der amerikanische Journalist Michael Bohm hat einen russischen TV-Moderator im russischen Staatsfernsehen kritisiert und ihm Heuchelei vorgeworfen. © Screenshot Russian Media Monitor

Ukraine-Konflikt tobt weiter: Dauer des „Sondereinsatzes“ aus russischer Sicht unwichtig

Bohm fragte außerdem, wie lange der „russische Sondereinsatz in der Ukraine“ noch dauern werde und spielte damit auf das immense Ausmaß der Zerstörung an. Moderator Babyan antwortete darauf nur: „Wie lange dieser Sondereinsatz gedauert hat oder noch dauern wird, ist nicht wichtig“.

Der Ukraine-Konflikt tobt weiter. Aufgrund der hohen Verluste Russlands im Ukraine-Krieg werden Putins Pläne der russischen Mobilisierung immer konkreter. Ab dem 10. Dezember soll eine weitere „Welle der verdeckten Mobilisierung“ beginnen.

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