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Kriegspläne Putins bekannt: Russland hat Transnistrien im Blick

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Von: Peter Rutkowski

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Jedes Hochhaus in Charkiw ist ein mögliches Ziel für die russische Artillerie.
Jedes Hochhaus in Charkiw ist ein mögliches Ziel für die russische Artillerie. © dpa

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gibt ein russischer General erstmals Russlands Kriegspläne in der Ukraine bekannt.

Moskau - Entweder fühlt sich Moskau plötzlich ungemein siegessicher – oder am 58. Kriegstag wurde ein neuer Höhepunkt der propagandistischen Phantasterei erreicht. Jedenfalls: Nachdem die letzten ukrainischen Verteidiger Mariupols in den Asowstal-Werken isoliert sind, gibt sich die russische Führung generös: „Jederzeit“ – beim Zeigen einer weißen Flagge – könne man einen humanitären Korridor dort öffnen, hieß es am Freitag. Das, nachdem ukrainische Behörden die Russen zuletzt angefleht hatten, mit dem Beschießen vereinbarter Korridore aufzuhören.

Noch großmäuliger gab sich am Freitag Rustam Minnekajew, amtierender Befehlshaber des zentralen russischen Wehrbezirks: Der Agentur Interfax zufolge verkündete er der Weltöffentlichkeit erstmals die Ziele der zweiten Phase der Invasion. Man wolle den Donbass im Osten sowie den Süden des Landes komplett einnehmen. Die „militärische Spezialoperation“ solle den Landweg zur Krim sichern und das Russland zugetane moldauische Transnistrien an Putins Reich anschließen.

Ukraine-Krieg: Russland liegt nicht im Plan

Was Minnekajew da von sich gab, kann man als Propaganda abtun. Desinformation ist eben auch Kriegsalltag: Die Weltöffentlichkeit richtet den Blick nach Odessa, in Richtung Rumänien und Moldau, dabei machen sich die in Mariupol freigewordenen Kräfte daran, nach Norden ins Herz der Ukraine vorzustoßen. Es mag auch Propaganda für die Heimat sein, um zu suggerieren, der Kreml liege doch voll im Plan. Es wäre nicht das erste Mal, dass Russlands Kriegspläne in der Ukraine nicht aufgehen.

Im Plan ist man wohl zwischen Cherson und Charkiw, also in dem weiten Frontbogen von Südwest nach Nordost durch den Donbass: Entlang dessen wurden am Freitag über immer wieder Beschuss durch Artillerie oder Raketen, Angriffe und Gegenstöße, Bombardements und Gefechte um zahllose Dörfer gemeldet. Im frontnahen Miykolajiw im Süden wurden Wohngebiete wieder beschossen; es gab mehrere Verwundete und zumindest einen Todesfall. Im ukrainischen Donbass mussten alle Evakuierungen wegen des Beschusses am Freitag aufgeschoben werden. Die Mehrheit der Bevölkerung dort ist geflohen.

Ukraine-Krieg: 7500 mutmaßliche Kriegsverbrechen durch Russland begangen

Und um das alles ins rechte Lot zu rücken: Am Freitagnachmittag meldete Andriy Nebytov, Polizeichef der Region Kiew, man habe inzwischen 1084 Leichen von Zivilpersonen geborgen oder identifiziert, von denen die Hälfte bis drei Viertel mit Handfeuerwaffen getötet wurden – also von russischen Soldaten oder ihren Verbündeten aus Tschetschenien. 300 Tote müssten noch identifiziert werden. Unter den Toten von Butscha sind nun mit Sicherheit 50 Morde oder gar Exekutionen von Zivilpersonen belegt.

Nach internationalen Angaben wurden inzwischen 7500 mutmaßliche Kriegsverbrechen, begangen durch russisches Militär, dokumentiert. Kommunale Beamte in Mariupol meldeten, man habe ein von russischen Soldaten ausgehobenes Massengrab entdeckt. Satellitenbilder belegen, dass in der fast vollständig zerstörten Hafenstadt Ende März, Anfang April rund 200 neue Gräber entstanden. (Peter Rutkowski mit afp/dpa)

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