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Keine Rücksicht auf Verluste - Russland fängt Wehrpflichtige an Grenze ab

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Von: Karolin Schäfer

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Ein im Rahmen von Russlands Teilmobilisierung einberufener Mann verabschiedet sich von seiner Familie.
Ein im Rahmen von Russlands Teilmobilisierung einberufener Mann verabschiedet sich von seiner Familie. © Artyom Geodakyan/imago

Angesichts der von Putin angekündigten Teilmobilisierung im Ukraine-Krieg versuchen wehrpflichtige, russische Männer in Nachbarländer zu fliehen.

Moskau – Nach der Ankündigung der Teilmobilisierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der vergangenen Woche haben Zehntausende Russland verlassen. Allein nach Kasachstan sind 98.000 russische Staatsbürger:innen geflohen, teilte die Migrationsbehörde des kasachischen Innenministeriums nach Informationen der Agentur Interfax mit.

In den Grenzregionen zu Russlands Nachbarländern stauten sich kilometerlange Autoschlangen. Russische Männer kauften sich Flugtickets zu Rekordpreisen, andere Soldaten wiederum kapitulieren sofort an der Frontlinie. Dabei versucht Russland offenbar alles, um wehrpflichtige Staatsbürger für die Unterstützung im Ukraine-Krieg zu mobilisieren.

Teilmobilisierung in Russland: Wehrpflichtige werden an Grenzen abgefangen

Direkt an der Grenze nach Georgien werden russische Staatsbürger abgefangen. Dort werden ihnen mit Blick auf die Teilmobilmachung von hunderttausenden Reservisten Wehrpflichtbescheide ausgestellt. Entsprechende Behörden würden bei der Ausreise prüfen, „ob eine Person der Wehrpflicht unterliegt“, berichtete die Kreml-nahe Nachrichtenagentur Tass.

Doch damit nicht genug. Offenbar werden in Moskau sogar Türen eingetreten, um künftige Soldaten aufzutreiben. So würden Reservisten von der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei aufgesucht, um die Einberufungsbescheide zu übergeben, teilte Evgeniy Stupin, Rechtsanwalt und Abgeordneter der Kommunistischen Partei für die Moskauer Stadtduma, bei Twitter mit.

Mobilisierung im Ukraine-Krieg: Beamte brechen Türen in Moskau auf

Dabei würden die Beamten Flurtüren aufbrechen, „um den Bewohnern Vorladungen für die Einberufung zum Militär zu übergeben“, schrieb der Abgeordnete. Wer die Wohnungstür nicht öffne, müsste zudem mit einer Abschaltung der Stromversorgung rechnen. Stupin veröffentlichte mit seinen Vorwürfen Bildern von aufgebrochenen Türschlössern.

Einbezogen werden offenbar auch Männer, unabhängig ihres Alters oder ihrer militärischen Erfahrung. „In abgelegenen Siedlungen der Russischen Föderation ist die gesamte männliche Bevölkerung einer bestimmten Altersklasse trotz fehlender Erfahrung im Militärdienst und Kampferfahrung Gegenstand der Mobilisierung“, informierte der ukrainische Generalstab am Mittwoch. Demnach würden Familienväter genauso wie Männer über 60 zum Militärdienst eingezogen. Unabhängig prüfen lässt sich das zunächst nicht.

Seit Verkündung der Mobilisierung wurden in Russland mehr als 2300 Menschen festgenommen, die gegen die Einberufung protestierten, berichtete das US-Magazin Newsweek. Zehntausende versuchten, die Föderation zu verlassen. „Es sieht natürlich wie ein heilloses Durcheinander aus“, sagte Militäranalyst Michael Kofman am Montag (26. September) im Podcast „War on the Rocks“. Aber Russland ziehe „auch eine ziemlich große Anzahl von Männern heran.“ (kas)

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