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Stützpunkte im Eis: Was steckt hinter Putins Arktis-Strategie?

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Von: Karolin Schäfer

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Der Klimawandel ermöglicht in der Arktis den Zugang zu wertvollen Ressourcen wie Öl und Gas. Russland versucht seine Machtstellung auszubauen.

Moskau – Russland steht unter Druck, Bewegung an den Frontlinien gibt es im Ukraine-Krieg derzeit kaum. Zudem melden die ukrainischen Verteidiger immer wieder Gegenoffensiven, etwa im Süden des Landes. Aus einem geplanten Blitzkrieg wurde ein seit mehr als sechs Monaten andauernder, zermürbender Kampf, der viele Tote forderte. Dass Russland jetzt die Streitkräfte ausgehen, hat auch Kremlchef Wladimir Putin bemerkt. Deshalb soll die russische Armee bis Anfang des kommenden Jahres mit rund 137.000 Soldaten aufgestockt werden.

Auch im hohen Norden rüstet die Föderation auf. In der Arktis werden Stützpunkte aus Sowjetzeiten wieder eröffnet. Dort sollen künftig neue, hochmoderne Waffen wie Hyperschallraketen stationiert werden. Das teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg der Welt am Sonntag mit. „Wir sehen eine deutliche Verstärkung der militärischen Präsenz Russlands in der Arktis“, so Stoltenberg. Doch was steckt dahinter?

Putins Arktis-Strategie: Warum der Nordpol so wichtig ist

Zur Arktis gehören Gebiete der USA, Dänemarks (über Grönland), Finnlands, Islands, Kanadas, Norwegens, Schwedens und Russlands. Bodenschätze wie Öl- und Gas machen die Region besonders begehrenswert. Da die Eisflächen aufgrund des Klimawandelns rund um den Nordpol schmelzen, sind neue Seewege möglich, die den Zugang zu den wertvollen Rohstoffen erleichtern. Die Attraktivität der Arktis wächst mit jedem Jahr.

Russland rüstet im hohen Norden auf. (Archivbild)
Russland rüstet im hohen Norden auf. (Archivbild) © Ulf Mauder/dpa

Die internationale Seerechtskonvention von 1982 regelt die Nutzung. Demnach dürfen die Staaten das Gebiet bis zu 200 Seemeilen (370 Kilometer) vor der Küste nutzen. Moskau erhebt in der Arktis Anspruch auf 1,2 Millionen Quadratkilometer – insbesondere auf die dort lagernden Ressourcen. Schon jetzt fördert Russland 90 Prozent des Erdgases und 60 Prozent des Erdöls aus der Arktis, wie Business Insider berichtete.

Russland kritisiert Nato-Präsenz in der Arktis: „Wir nehmen das negativ wahr“

„Die Arktis war bereits während des Kalten Kriegs aus militärischer Sicht (...) höchst relevant. Der Nato-Beitritt von Schweden und Finnland führt jetzt dazu, dass die Nato und Russland in der Arktis unmittelbar aneinander grenzen“, erklärte Volker Rachold, Leiter des Deutschen Arktisbüros am Helmholtz-Institut, gegenüber dem Business Insider. „Dazu kommt, dass das arktische Meereis mit der Klimaerwärmung rasant schmilzt und damit den Zugang zur Arktis und den dort lagernden Ressourcen – Öl- und Gas, mineralische Rohstoffe, aber auch Fischbestände – erleichtert“, so der Arktis-Experte.

Dass Russland künftig so nah an den Westen grenzt, gefällt dem Kreml überhaupt nicht. Auch den geplanten Ausbau der Nato-Präsenz rund um den Nordpol kritisierte Moskau. „Wir nehmen das negativ wahr“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag (29. August) der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Damit setze der Westen die Politik der Konfrontation gegen Russland fort. Russland werde seine Interessen bezüglich Sicherheit und wirtschaftlicher Aktivitäten „in angemessener Weise wahren“, betonte Peskow.

Putins Arktis-Strategie: Ausbau der Infrastruktur geplant

Als Teil von Putins Arktis-Strategie soll bis 2035 die Infrastruktur ausgebaut werden, schrieb Business Insider. Neben fünf neuen Erdölprojekten ist auch die Ansiedelung neuer Unternehmen geplant. Um Investoren im hohen Norden zu gewinnen, locke Moskau mit Steuervorteilen. Zudem soll das Flugplatznetzes in der Region ausgeweitet werden. Russland sieht den „Bau von zwei Flugplätzen in Nagurskoje und Temp sowie den Wiederaufbau von sieben Flugplätzen (...) vor“, informierte Alexander Moisejew, Kommandeur der russischen Nordflotte, die staatliche Nachrichtenagentur Tass.

Überraschend ist Russland Präsenz zumindest nicht. „Das verstärkte militärische Engagement Russlands ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten und nimmt jetzt noch weiter zu. Die Reaktion der Nato ist daher nicht unerwartet, insbesondere angesichts des bevorstehenden Nato-Beitritts von Schweden und Finnland“, sagte Rachold dem Business Insider. Russlands Aufrüstung, aber auch die „Ausbeutung der arktischen Ressourcen“, würden in erster Linie die „sensible arktische Umwelt“ gefährden, betonte Rachold. (kas/dpa)

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